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Aktualisiert: vor 18 Stunden 21 Minuten

Die Versammlung Gottes (03)

Do, 06/28/2018 - 00:01

Bibelstellen: Epheser 5,25-27; Offenbarung 21,9

Die Braut

Hauptgedanke: Liebe und Unterodnung

Wesentliche Merkmale:

  1. Es ist eine Beziehung der Liebe des Christus (Eph 5,25).
  2. Die Braut ist dem Christus unterworfen (Eph 5,24).
  3. Der Ausdruck „Braut“ zeigt uns die Reinheit und Frische der Liebe (Off 21,1–8).
  4. Der Ausdruck „Frau/Ehefrau“ zeigt uns die Tiefe und Beständigkeit der Liebe (Off 21,9).
  5. Es gibt eine irdische und eine himmlische Braut:
    a. Die irdische Braut ist das Volk Israel (Jes 62,5;54,7.8 und Hos 2,18–22).
    b. Die himmlische Braut ist die Versammlung (Mt 13,46 und Apg 20,28).
  6. Die Versammlung – kostbare Perle – war so kostbar für Ihn, dass Er alles dafür hingab (Mt 13,46; Eph 5,25) -> Hinweis der Liebe.
  7. Die Perle ist das Symbol makelloser Schönheit in Einheit, wie auch die Braut (Eph 5,27).
  8. Es gibt drei Bereiche der Liebe des Christus zu seiner Braut:a. Vergangenheit: Er hat sie geliebt (Eph 5,25).b. Gegenwart: Er reinigt sie jetzt für sich (Eph 5,26). Er nährt (innerlich) und pflegt (äußerlich) sie (Eph 5,29).c. Zukunft: Er stellt sie sich selbst verherrlicht dar (Eph 5,27).
  9. Bei der Hochzeit des Lammes wird die Braut Christus gegeben, damit sie seine Herrlichkeit in Ewigkeit mit Ihm teile (Off 19,6–9).
  10. Bei der Hochzeit wird die Braut ein Kleid tragen, das von den Werken der Heiligen gekennzeichnet ist (Off 19,8). Ein Kleid – eine Braut; Gerechtigkeiten der Heiligen – jede einzelne Tat des Glaubens.

Zeitlicher Ablauf (Auszug) bis zur Hochzeit des Lammes:

  1. Entrückung (1.Thes 4,13–18)
  2. Richterstuhl des Christus (2. Kor 5,10; Röm 14,10; Off 19,7)
  3. Einführung in das Haus des Vaters (Joh 14,2.3)
  4. Gericht über die falsche Kirche (Off 19,1.2)
  5. Hochzeit des Lammes (Off 19,7)

Teilnehmer der Hochzeit:

  1. Das Lamm = der Herr Jesus selbst
  2. Die Braut = alle wahrhaft Erlösten der Gnadenzeit
  3. Die Geladenen = alle alttestamentlich Gläubigen (alle Kinder, die nicht entscheidungsfähig gestorben sind; Gläubige, die nie etwas von Christus gehört haben)

Manuel Dietermann

Gesammelte Brocken (214)

Mi, 06/27/2018 - 00:01

Wir sollen nicht den Anschein erwecken, ewiges Leben zu haben, sondern uns von Gott zum Leben erwecken lassen. „Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und du bist tot“ (Off 3,1).

Es ist ein großer Unterschied, ob man sein Jünger ist oder ein Schein-Jünger ist.

Wie werden wir reagieren, wenn wir verfolgt würden? „Wir werden einknicken“, sagen die Kleinmütigen. „Wir werden triumphieren“, sagen die Hochmütigen. Wir sollten vielleicht eher sagen: „Gott vermag uns jede Gnade zu schenken, und wir wollen sie heute für die gegenwärtige Herausforderung in Anspruch nehmen.“

Wer sich im Bereich der Sexualität außerhalb der Ehe bewegt, begegnet Gott auch heute noch als Richter. Denn es steht geschrieben: „Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten“ (Heb 13,4). Das sollte man im 21. Jahrhundert sehr gut bedenken.

Die Versammlung Gottes (02)

Di, 06/26/2018 - 00:01

Bibelstellen: 1. Petrus 2,5; Epheser 2,20

Haus Gottes

Hauptgedanke: Heiligkeit/Herrlichkeit und Verantwortlichkeit

Was kennzeichnet das Haus?

  1. Es ist ein geistliches Haus (1. Pet 2,5).
  2. Es ist ein heiliges Haus (Eph 2,20; 2. Kor 6,14–7,1; Ps 93,5).
  3. Es ist die Wohnstätte der Herrlichkeit Gottes (Ps 26,8; 29,9).
  4. Es ist der Wohnort Gottes (Eph 2,22) -> Vorrecht und Segnung.
  5. Es ist der Wohnort der Erlösten, wo sie Gemeinschaft mit Gott pflegen (Eph 2,18.19).
  6. Es ist er Ort der Anbetung (1. Pet 2,5).
  7. Christus selbst ist bestellt über das Haus als Hausherr (Heb 3,6; 2. Tim 2,21).
  8. Christus ist der große Priester des Hauses (Heb 10,21).
  9. Es besteht aus Erlösten, aus lebendigen Steinen / heilige Priesterschaft (1. Pet 2,4.5).
  10. Es ist ein Bethaus (Mk 11,17; 2. Tim 2,1–4) -> Abhängigkeit.
  11. Das Haus wächst weiter, in dem Sinne wie ein Kind: Es ist vollkommen und wird doch größer (1. Pet 2,4.5; Eph 2,19–22).
  12. Das Haus besteht am Ort (Eph 2,22), weltweit (Eph 2,21) und nach dem Ratschluss Gottes (Eph 2,21: Tempel).
  13. Gott bzw. der Herr Jesus baut dieses Haus (Mt 16,18; 1. Tim 3,15).
  14. Auch der Mensch arbeitet an dem Haus in der Verantwortung vor Gott (1. Kor 3,9–13).
  15. Es ist ein Platz der Ordnung (1. Tim 3,15; 1. Kor 14,33.40).

Was beinhaltet die Ordnung?

  1. Die Bibel kennt keine spezielle Bezeichnung für die Versammlung; alle werden Gläubige (Apg 5,14), Jünger (Apg 9,1), Christen (Apg 11,26) oder Heilige (Eph 1,1) genannt.
  2. Die Lehre bezieht sich nicht auf menschliches Gedankengut, sondern auf Gottes Wort (2. Tim 3,16; Joh 17,17)
  3. Der Heilige Geist, der  im Haus/Tempel Gottes wohnt, lenkt, leitet, führt alles, eben auch in den Versammlungsstunden. Deshalb werden keine „Pfarrer“ benötigt/angestellt (1. Kor 3,16; Joh 14,26; 16,13).
  4. Es gibt mindestens drei Arten der Zusammenkommen im Haus Gottes:
    a. zum Brotbrechen
    b. zur Auferbauung
    c. zum Gebet
  5. Es gibt verschiedene Gnadengaben (1. Kor 12,4; Eph 4,11), unter anderem:
    a. Hirten
    b. Lehrer
    c. Evangelisten
  6. Es gibt verschiedene Dienste, allerdings keine „Angestellten“, die ein Amt versehen, z.B. Aufseher, Diener (1. Tim 3,1–13).
  7. Es wird Zucht ausgeübt (1. Kor 5,13; Mt 18,18).
  8. Frauen schweigen in den Versammlungsstunden (1. Kor 14,34–36).
  9. Einige Aspekte der Zusammenkünfte werden konkret geregelt (es muss ein Brot sein, Frauen müssen schweigen, Brot und Kelch sind für das Mahl nötig usw.). Die meisten Dinge werden nicht festgelegt.

Manuel Dietermann

Es gibt keinen Plan B

Mo, 06/25/2018 - 00:01

Bibelstellen: Apostelgeschichte 4,12

Gott möchte alle Menschen vor dem ewigen Verderben zu retten, das sie aufgrund ihrer Sünden verdient haben. Dafür gibt es den Plan A (= ausschließlich Jesus Christus).

Einen Plan B (= beliebige Religionen) gibt es nicht. Wer den Plan A verwirft, muss unweigerlich verloren gehen.

Das zeigt uns die Bibel sehr deutlich. Sehen wir uns dazu zwei Stellen an:

„Und es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen“ (Apostelgeschichte 4,12).

„Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn Gott ist einer, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle“ (1. Timotheus 2,3).

Möge jeder, der diese Zeilen liest, den wunderbaren Plan Gottes zur Rettung akzeptieren und annehmen!

Gerrid Setzer

Die Versammlung Gottes (01)

So, 06/24/2018 - 00:01

Bibelstellen: Eph 1,23; 1. Kor 12,13

Der Leib

Hauptgedanke: Einheit und Vielfalt

Vorraussetzung für die Bildung des Leibes:

1.       Der Herr Jesus musste erst als Mensch verherrlicht im Himmel sein, bevor der Leib gebildet werden konnte (Joh 7,39).

2.       Der Heilige Geist musste auf die Erde gekommen sein (Joh 7,39).

Die wesentlichen Merkmale:

3.       An Pfingsten wurde der eine Leib gebildet durch den Heiligen Geist (Apg 2,1–4; 1. Kor 12,13).

4.       Es gibt nur einen Leib, dem alle wahren Gläubigen angehören (1. Kor 12,13; Eph 4,4; Röm 12,4.5).

5.       Christus ist das Haupt des Leibes (Eph 4,15 und Kol 2,19). Ohne das Haupt gibt es daher keinen Leib.

6.       Die Versammlung ist somit eins mit Christus (Eph 1,23; 3,4).

7.       Jeder Errettete wird durch den Heiligen Geist ein Glied am Leib Christi (1. Kor 6,19; Eph 1,13).

8.       Der Leib besteht aus vielen einzelnen Gliedern, die zusammen den einen Leib bilden (1. Kor 12,20).

9.       Alle Glieder sind wohl zusammengefügt (Eph 4,15.16 und 1. Kor 12,18.24).

10.   Jedes Glied wird von Gott speziell an einen Platz gestellt, damit es seine Aufgabe dort wahrnehmen kann (in der Abhängigkeit vom Herrn)  (1. Kor 12,16–18).

11.   Jedes Glied an dem Leib benötigt das andere (1. Kor 12,21.22).

12.   Jedes Glied trägt Sorge für das andere (1. Kor 12,25).

13.   Jedes Glied hat ein Mitempfinden (Leid/Freude) mit dem anderen (1. Kor 12,26).

14.   Der Leib kann in drei Bereiche eingeordnet werden:

a.       ewiger Aspekt: Leib nach dem Ratschluss Gottes (Eph 1,23)

b.       zeitlicher Aspekt: Leib an einem bestimmten Zeitpunkt auf der ganzen Erde (1. Kor 10,17; Eph 4,16)

c.       örtlicher Aspekt: Leib an einem bestimmten Ort (1. Kor 12,27)

15.   Dem Leib sind Gaben gegeben zur Auferbauung (Eph 4,11.12; 1. Kor 12,4–11).

16.   Durch das Brechen des Brotes stellen wir die Einheit des ganzen Leibes dar (1. Kor 10,16).

17.   Zum Funktionieren des Leibes gibt es Gelenke (erhalten Beweglichkeit) und Bänder (schaffen Stabilität) (Eph 4,16; Kol 2,19).

Allgemeine Hinweise:

18.   Der Leib wurde einmal gebildet und besteht seitdem vollkommen und vollständig weiter, wächst aber (wie ein Kind, das größer wird; Eph 4,16).

19.   Jede Gründung und Beitritt in eine Benennung stellt eine Leugnung der Einheit des Leibes dar (Eph 4,4).

20.   Es gibt keine direkten Hinweise aus dem Alten Testament im Blick auf den Leib. Eine Andeutung findet sich im Erschaffen Evas (1. Mo 2,21–24).

Manuel Dietermann

Gebietender Zuruf, Stimme eines Erzengels, Posaune Gottes

Sa, 06/23/2018 - 00:01

Bibelstellen: 1. Thes 4,16

„Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzenegels und mit der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel“ (1. Thes 4,16).

Hier wird der herrliche Augenblick beschrieben, wenn der Herr Jesus zur Entrückung der Seinen wiederkommen wird. Die Entrückung wird alle Gläubigen umfassen. Alle, die des Christus sind, werden in diesem Augenblick die Erde verlassen (vgl. 1. Kor 15,23). Dazu gehören sowohl die Gläubigen des Alten Testaments als auch die Gläubigen des Neuen Testaments. Die entschlafenen Gläubigen werden auferweckt und die lebenden Gläubigen verwandelt werden. Gemeinsam werden sie dem Herrn entgegen in die Luft entrückt werden, um dann für immer bei ihm in der Herrlichkeit zu sein (vgl. 1. Thes 4,16.17).

Der Herr Jesus selbst wird vom Himmel herabkommen, um die Seinen zu sich in den Himmel zu holen. Dabei wird sein Kommen von drei Dingen begleitet sein: einem gebietenden Zuruf, der Stimme eines Erzengels und der Posaune Gottes. In diesem Zusammenhang ist einmal folgender Gedanke geäußert worden, den ich gerne weitergeben möchte:

  • Der gebietende Zuruf erreicht alle diejenigen, die zur Versammlung Gottes gehören. Es sind die Schafe, die seine Stimme kennen und auf sie hören (vgl. Joh 10,4.16).
  • Die Stimme des Erzengels geht zurück bis auf Abraham und erreicht alle Gläubigen des Volkes Israel. Der Erzengel vertritt typischerweise die Interessen des Volkes Israel.
  • Die Posaune Gottes schließlich geht zurück bis auf Adam und erreicht alle übrigen gläubigen Menschen, die weder zur Versammlung Gottes noch zum Volk Israel gehören.

Alle, die zur Versammlung Gottes gehören, alle Gläubigen des Volkes Israel und alle übrigen gläubigen Menschen werden beim Kommen des Herrn einmal entrückt werden, um dann für immer dort zu sein, wo der Herr Jesus jetzt schon ist. Wirst du auch dabei sein?

Daniel Melui

Das Trankopfer

Fr, 06/22/2018 - 00:01

Bibelstellen: 3. Mose 23,13.18.37

Im Alten Testament finden wir verschiedene Opfer, die vom Herrn Jesus sprechen. Das Trankopfer wird aber nicht wie die anderen Opfer einzeln in 3. Mose 1–7 beschrieben, sondern wird als Beigabe der Opfer erwähnt. Das Trankopfer hat mit Freude zu tun.

Direkte Bedeutung

Das „Trankopfer“ ist vom Wort her gleichbedeutend mit einer „Spende“. Wenn ein Brand- oder Speisopfer dargebracht wurde, dann wurde eine gewisse Menge Wein dazu gespendet, und genau darin bestand das Trankopfer. Es bestand aus Wein. Wein hat in der Bibel die Bedeutung von Freude (vgl. Ri 9,13; Ps 104,15). Gleichzeitig lesen wir in Jesaja 53,12, dass unser Herr „seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod“. Doch wie passt das zusammen? Wie kann der Tod des Herrn Jesus mit Freude in Verbindung gebracht werden?

Kontext

Dazu ist es wichtig, sich zunächst die anderen Opfer anzusehen und wie Gott sie, und damit Seinen Sohn, sieht. Da finden wir in 3. Mose 1 zunächst einmal das Brandopfer. Es spricht davon, wie der Herr Jesus sich in Seinem Tod Gott ganz und gar hingegeben hat. Das Tragen von Sünden hat beim Brandopfer nichts verloren – es geht nur um die Hingabe zur Ehre Gottes und darum, wie Gott daran Wohlgefallen gefunden hat. In 3. Mose 2 finden wir das Speisopfer, welches vom Wohlgefallen Gottes am Leben des Herrn Jesus spricht. Ein perfektes, sündloses Leben nach den Gedanken Gottes (gezeugt und gesalbt vom Heiligen Geist) in Hingabe an Gott.

Als Drittes (in 3. Mo 3) finden wir das Friedensopfer. Dadurch, dass Christus für uns Frieden gebracht hat, dürfen wir jetzt Gemeinschaft haben mit Gott, mit dem Vater und dem Sohn (vgl. 1. Joh 1,3). Und wenn wir anbeten, haben wir Gemeinschaft (wörtlich: „dasselbe-Teil-haben“) mit dem Vater darin, die Herrlichkeiten Seines Sohnes zu betrachten. Das Friedensopfer wird sogar eine Speise Gottes genannt (3. Mo 3,11)! Das Friedensopfer ist ein „Dankopfer“ (3. Mo 7,12) und erinnert uns an die Tischgemeinschaft und Anbetung beim Abendmahl.

Ein Opfer, Gott zur Ehre

Gott ist vollkommen heilig (Hab 1,13; Jes 6,3) und kann dementsprechend kein Gefallen an Sünde haben. Alle haben gesündigt (Röm 3,23), außer Einer: der Herr Jesus. Er war der Vollkommene, der als Einziger Gott ehren konnte (vgl. 1. Pet 2,22; Heb 10,4–10). Gott konnte nur an Ihm und daran, was der Herr Jesus tat, Wohlgefallen haben. Dadurch, dass der Herr Jesus gestorben ist, wurde Gott geehrt, da erstens die Sünde an sich als in der Schöpfung vorhandenseiendes und Gott verunehrendes Element gerichtet wurde (Christus wurde am Kreuz zur Sünde gemacht [2. Kor 5,21]; das nimmt aber nichts von der Verantwortung jedes einzelnen Menschen weg, siehe z.B. 2. Kor 5,20; Joh 3,16) und da Er zweitens den vor Grundlegung der Welt vorhandenen Plan Gottes ausgeführt hat. Gott hätte die ersten Menschen nach dem Sündenfall Seiner Heiligkeit entsprechend sofort in die Hölle werfen können, aber Gott hatte einen Plan! Von Ewigkeit her war klar sichtbar, dass Gott vollkommen und heilig war. Aber jetzt sollte Gottes Gnade und Liebe besonders sichtbar werden. Und das geschah am Kreuz (vgl. Tit 3,4; 1. Joh 4,8.9; Joh 3,16; Eph 1,4; 3,9–11). Wenn wir uns bekehrt haben, gehören wir zum Monument (d.h. zur Gemeinde/Versammlung Gottes), das in Ewigkeit dasteht und bezeugt: „Gott ist Liebe.“

Wo das Trankopfer (nicht) vorkommt

Wenn nun das Trankopfer von Freude spricht, dann kann das Trankopfer nicht in Verbindung mit Sünde vorkommen – denn Gott ist heilig. Sünde ist für Gott keine erfreuliche Angelegenheit, und dementsprechend finden wir das Trankopfer nicht beim Sündopfer. Da ist nur Einer, dessen Handeln für Gott Freude brachte: der Herr Jesus. Der Grund, warum der Herr zum Sündopfer wurde, hat mit uns und unserer Sünde zu tun. Der Grund, warum der Herr Jesus zum Brandopfer wurde, hat jedoch in erster Linie nicht mit uns zu tun, sondern nur mit Ihm, wie Er Gott zur Ehre den ewigen Plan ausgeführt und sich dafür ganz hingegeben hat. Gott hat Freude daran, dass Er Gottes Wesen der Liebe offenbart hat, und auch daran, wie Er es getan hat. Deshalb finden wir das Trankopfer nur beim Speis- und Brandopfer gespendet, die vom Leben und Tod des Herrn zum Wohlgefallen Gottes sprechen. Auch in Verbindung mit dem Friedensopfer wird kein Trankopfer genannt – es geht dort nicht ausschließlich um den Herrn, sondern um Anbetung und Gemeinschaft, die uns aktiv mit einschließt. Aber es ist davon nicht weit entfernt, denn wie wir in 3. Mose 3,5 lesen, sollte das Friedensopfer „auf dem Altar, auf dem Brandopfer“ geräuchert werden. Der Gegenstand der Anbetung (das Friedensopfer) ist letztlich die volle Hingabe des Herrn (das Brandopfer).

Alle Opfer, und damit auch das Trankopfer, wurden auf dem ehernen Altar am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft geopfert.  Im Heiligtum gab es allerdings auch noch den goldenen Räucheraltar. Auf ihm wurden jedoch keine Opfer dargebracht, sondern lediglich Räucherwerk (2. Mo 30,1–9; vgl. 3. Mo 16,12).  Es wird ausdrücklich miterwähnt, dass „kein Trankopfer“ auf diesen Altar gegossen werden soll (2. Mo 30,9). Denn, wie C.H.M. es einmal ausdrückte: „Wie wir denn genau gesprochen in dem ehernen Altar Christus in dem Wert Seines Opfers erblicken, so sehen wir in dem goldenen Altar Christus in dem Wert Seiner Fürbitte.“ Der Herr selbst steht in Seiner Gerechtigkeit und Herrlichkeit (Gold, 2. Mo 30,3) und als vollkommener Mensch (Holz, 2. Mo 30,1 vgl. 1. Mo 6,14; Heb 2,14) vor Gott (am Allerheiligsten, 2. Mo 30,6 vgl. Heb 9,4) und lässt die oft in Schwachheit aufsteigenden Gebete, Fürbitten und die Anbetung aufgrund Seiner Person als wohlriechendes Räucherwerk bei Gott ankommen (vgl. dazu Off 8,3.5,8; Ps 141,2). Ähnlich wie beim Friedensopfer ist beim Räucheraltar das Trankopfer (Gottes Freude an dem Was und Wie der Hingabe des Herrn) einfach nicht das Thema.

Wie es vorkommt

Das Trankopfer wird nicht bei den detaillierten Beschreibungen in 3. Mose 1–7 erwähnt, sondern unter anderem bei den Brand- und Speisopfern, die beständig, täglich, abends und morgens dargebracht werden sollten (2. Mo 29,38–42; 4. Mo 28,3–15). Was der Herr Jesus getan hat, ist Gott beständig und in Ewigkeit zur Freude! Und nicht nur Gott, auch wir Gläubigen werden uns in Ewigkeit an Ihm erfreuen, denn der Wein ist es „der Gott und Menschen erfreut“ (Ri 9,13).

Die Menge des Weins, die als Trankopfer gespendet werden sollte, hing von der Größe des Brandopfers ab (4. Mo 28,14). Auf einen Stier wurde z.B. mehr Wein dargebracht als auf einen Widder. Beim beständigen Brandopfer, wo je ein Lamm geopfert werden sollte (2. Mo 29,39; 4. Mo 28,4), war die Menge des Trankopfers „ein viertel Hin“, das sind ca. 1,6 Liter (4. Mo 28,7; 2. Mo 29,40). Dabei ist interessant, dass genau dieselbe Menge an Öl beim mitgeopferten beständigen Speisopfer dargebracht werden sollte (4. Mo 28,5; 2. Mo 29,40.41). Das Öl spricht davon, wie der Herr Jesus im Geist (vgl. Heb 1,8; Lk 1,35; Apg 10,38) vollkommen nach den Gedanken Gottes gehandelt hat. Das Maß der Freude (Wein) Gottes am Sohn entspricht also dem Maß, wie Er nach den Gedanken Gottes gehandelt hat (Öl). Und das heißt: Da Er es im vollkommenen Maß getan hat, ist die Freude Gottes daran ebenfalls eine vollkommene Freude.

Das Trankopfer wird nie mit dem Speisopfer allein genannt. Da muss das Brandopfer sein! Der Tod Christi ist für das vollkommene „Freudenergebnis“ nötig und nicht auszulassen. Wie schlimm muss es da für Gott gewesen sein, wenn das Trankopfer statt zum lieblichen Geruch, zu Götzenopfern dargebracht wurde.

Israels Geschichte und das Trankopfer

Israel blieb JHWH nicht zu allen Zeiten treu. Immer wieder opferten sie Götzen. Das fing bereits an, als Mose mit den frisch erhaltenen Gesetzestafeln vom Berg zum Volk herabstieg. Da hatten sie schon das erste Gebot übertreten (2. Mo 31,18–32,1). Heute wissen wir, dass das Gesetz gegeben wurde, damit wir wissen, dass wir sündigen und den Herrn Jesus als Retter brauchen (Röm 7,7; 3,23.24; Gal 3,24).

Auch später und letztlich zur Zeit der Könige finden sich viele Situationen, in denen Götzen geopfert wurden. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem Gott Israel ihre Folge der Untreue spüren ließ, und sie kamen in Gefangenschaft, so wie es für den Fall der Nichtbeachtung des Gesetzes vorausgesagt war (5. Mo 28,58–63). Doch Gott tut das in Seiner Güte nicht unangekündigt. Er warnte durch Seine Propheten – und Er warnt auch heute noch Menschen, die ihre Sünden Gott nicht bekennen und den Herrn Jesus nicht als Retter annehmen (2. Kor 5,11.20). Noch bevor Israel weggeführt wurde, warnte Gott und auch danach. Selbst den kleinen Rest an Menschen, der im Land blieb, warnte Gott noch, um sie zur Umkehr zu bringen. Und dabei wird immer wieder erwähnt, wie schlimm es ist, dass sie ihre Trankopfer nicht Gott, sondern der „Königin des Himmels“ (Astaroth, die Fruchtbarkeits-, Liebes-, Mondgöttin) darbrachten (Jer 7,18; 19,13; 32,29; 44,15–23; vgl. Joel 1,16). Am Ende war der kleine Rest des Volkes sogar so weit, dass sie meinten, es ginge ihnen schlecht, da sie der Astaroth nicht mehr geräuchert hatten (Jer 44,18). Ursache und Wirkung wurde vertauscht. Kann uns das auch passieren? Da ist uns etwas Irdisches viel zu wichtig geworden, und wenn Gott uns das spüren lässt, meinen wir plötzlich, es geht uns schlecht, weil wir nicht genug von dieser Sache haben. Nein, dann ist es vielleicht an der Zeit, sich frei- und aufzumachen, um sich Gott in Demut zu nahen (vgl. Jak 4,6–10).

Israel ist in der momentan andauernden Gnadenzeit beiseitegesetzt und Gott handelt mit Seiner Versammlung (vgl. Röm 9,23–25), doch es wird in der Zukunft einen Zeitpunkt geben, wo sie den Herrn Jesus als Messias annehmen und demütig umkehren werden (Sach 12,10; 14,9). Im darauffolgenden 1000-jährigen Reich wird dann wieder geopfert werden und dort ist dann auch wieder das Trankopfer zu finden (Hes 45,17).

Wir und das Trankopfer

In Philipper 2,17 schreibt der Apostel Paulus: „Wenn ich aber auch als Trankopfer über das Opfer und den Dienst eures Glaubens gesprengt werde, so freue ich mich und freue mich mit euch allen.“

In Römer 12,1 lernen wir, dass unser Dienst darin besteht, dass wir unsere Leiber Gott zum Wohlgefallen als heilige und lebendige Schlachtopfer darlegen dürfen. Der Dienst des Apostels durfte dazu führen, dass da solche waren, die überhaupt erst einmal glauben und ihr Leben Christus als Opfer darlegen würden (vgl. Röm 15,16). Doch auch wenn er einen so großen und verantwortungsvollen Dienst hatte, geht es ihm nicht um seine Ehre, sondern um die Ehre Gottes! Er freute sich darüber, den Dienst und den Glauben der Philipper zu sehen, und auch wenn sein Beitrag dazu nicht unerheblich gewesen war, nennt er sich „nur“ als dazu gespendetes Trankopfer – ein Trankopfer der Hingabe und Freude daran, dass GOTT geehrt wird. Freuen wir uns auch, wenn wir sehen, wie durch andere Geschwister Gott geehrt wird? Und sind wir zufrieden damit, wenn GOTT durch unseren Dienst geehrt wird, auch wenn wir vielleicht keine Anerkennung dafür bekommen? Wir laufen nicht unseren Lauf, sondern „den Lauf“ und erwarten für alles, was Gott zur Ehre war, ewigen Lohn (2. Tim 4,6–8).

Der Herr und die Freude

Wir sehen, wie der Herr Jesus zur Freude Gottes in Ewigkeit ist; doch wie war das beim Herrn selbst mit der Freude? Nun, auch Er hatte den Blick auf die Ewigkeit. In 3. Mose 23,13 finden wir das Trankopfer bei dem Fest der Erstlingsgarbe, das von Seiner Auferstehung spricht. Er wusste, dass Gott Ihn „dem Scheol nicht überlassen“ würde und Ihm nach Seiner Auferstehung  „Fülle von Freuden“ erwarten würden (Ps 16,10.11). Und diese Fülle (eigentlich „Sättigung“) schließt uns, Seine eingebrachte Frucht, mit ein. Er ist der Erstling – die erste Frucht, die bei der Auferstehung in den Himmel einging (1. Kor 15,20), und wir sind die reiche Ernte, die nach dem Fest der Erstlingsgarbe folgte (1. Kor 15,23). Er erduldete das Kreuz wegen der „vor Ihm liegende[n] Freude“  zur Rechten Gottes (Heb 12,2). Sowohl das Ergebnis Seines Werkes als auch das Bewusstsein, Gottes Willen auszuführen, war für Ihn zur Freude und Seine Speise (Joh 4,34.35 vgl. Mt 13,44). Und damit hatte Er Gott stets vor sich gestellt, was ebenfalls ein Grund zur Freude war (Ps 16,8.9).

Wir und die Freude

Schon oft hat es der Teufel geschafft, Menschen weiszumachen, dass man sich durch eigene Kraft, Übung und ganz viel „freudloses Leid“ den Himmel verdienen könnte – auch Luther war einmal an dem Punkt. Doch nur das Einsehen der eigenen Unzulänglichkeit und Sündhaftigkeit und das Bekennen derselben vor Gott führen einen letztlich dahin, Frieden mit Gott zu haben (1. Joh 1,9)! Und damit kehrt Freude ins Herz ein (vgl. Apg 8,39), denn wenn jemand gläubig geworden ist, bekommt er den Heiligen Geist (Eph 1,13) und dieser Geist bewirkt Freude (Röm 14,17; Gal 5,22). Der Geist möchte uns den Herrn Jesus groß machen (Joh 16,14); und wie wir bereits im Alten Testament lesen, ist „die Freude an dem HERRN“ unsere Stärke (Neh 8,10).

Heißt das jetzt, dass wir als Christen kein Leid mehr erfahren? Nun, wir folgen einem von der Welt verachteten Herrn nach, und das bedeutet, dass wir auch zu Verachteten werden (Joh 15,18–20). Jedoch kann genau das dadurch entstehende Leid für uns zur Freude sein, wie wir bei den Jüngern in der Apostelgeschichte sehen (Apg 5,41). Das ist dann eine geistliche Freude. In Galater 5,17 lesen wir, dass der Geist und das Fleisch „einander entgegengesetzt“ sind, und das bedeutet, dass, wenn das Fleisch sich freut, der Geist leidet, und wenn der Geist sich freut, das Fleisch leidet! Während die Freude für das Fleisch allerdings nur von kurzer Dauer ist und meistens mit Sünde verknüpft ist, ist die geistliche Freude eine bleibende Freude, die das Herz wirklich ausfüllen kann. Wenn es um Gehorsam, Abhängigkeit von Gott und letztlich Gemeinschaft mit Gott geht, spricht der Apostel Johannes sogar von Freude, die „völlig“ ist (Joh 16,23.24; 15,10.11; 17,12.13; 1. Joh 1,3.4; 2. Joh 5.12). Überhaupt findet sich sehr viel zum Thema Freude im Neuen Testament. Man lese nur mal den Philipperbrief. Dennoch erleben wir auf der Erde aber durchaus Leid. Das lernen wir auch von Epaphroditus (Phil 2,25.26). Unsere Freude ist nun mal in erster Linie keine irdische (wie beim Volk Israel), sondern eine geistliche, himmlische. Das bedeutet, dass wir zum einen freudig, ähnlich wie der Herr auf der Erde, das „Danach“ erwarten (Röm 8,18; 2. Kor 4,17) und zum anderen, dass wir jetzt schon mit den geistlichen, himmlischen Segnungen beschäftigt sein dürfen und sie genießen dürfen (Eph 1,3). Wenn wir nun Leid erfahren, dann dient uns das aus geistlicher Sicht immer zum Besten (Röm 8,28), und auch wenn wir jetzt nicht alles verstehen, so wird sich spätestens im Himmel alles aufklären und jede Träne abgewischt werden (Off 21,4). Doch das gilt nur für Gläubige.

Dem Fremden davon Weitersagen

In 4. Mose 15,13–15 lesen wir davon, dass, wenn ein Fremder unter den Israeliten verweilen würde, er dann auch wie die Israeliten zu tun hatte. Auch er sollte genauso opfern wie die Israeliten. Gott gebührt Lob und Anbetung (Opfer, vgl. Heb 13,15), und der Vater sucht Menschen, die Ihn wahrhaftig anbeten (Joh 4,23). Sind wir uns dessen bewusst? Und sind wir uns auch dessen bewusst, dass es noch viele Menschen gibt, die den Herrn Jesus noch nicht als persönliches Sündopfer kennengelernt haben und dementsprechend auch noch keine Anbetung darbringen? Möchten du und ich uns nicht von Gott gebrauchen lassen, um im Alltag und darüber hinaus den Menschen davon zu erzählen, dass wir in allem Gott verantwortlich sind? Wollen wir ihnen nicht erzählen, dass sie sich nur durch den Herrn Jesus und dessen Opfer Gott nahen können?

„Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich“ (Johannes 14,6).

Marc David Schnabel

Gesammelte Brocken (213)

Do, 06/21/2018 - 00:01

Schrecklich, dass es Menschen gibt, die durch das Wort Gottes erleuchtet waren und doch in die ewige Nacht gestoßen werden, die einmal die himmlische Gabe und das gute Wort Gottes geschmeckt haben und doch in Ewigkeit dürsten müssen (vgl. Heb 6,4.5). Du kannst – umgeben von dem Licht des Wortes Gottes und mit dem Geschmack der Vortrefflichkeit Christi in dem Mund – in das ewige Verderben hinabstürzen!

Die vergänglichen Leiden dieser Welt sind das Schlimmste, was ein Gläubiger je ertragen muss; die vergänglichen Freuden dieser Welt sind das Beste, was ein Ungläubiger je genießen kann.

Der Begriff „Mängelexemplare“ wird für Bücher verwendet, die einen deutlichen Mangel aufweisen und die somit nicht mehr der Buchpreisbindung unterliegen. Wenn man diesen Begriff auf den Inhalt beziehen würde, könnte man alle Bücher mit dem Stempel „Mängelexemplar“ versehen – bis auf die Bibel.

Man sagt, dass heute Vorbilder fehlen. Und das ist wahr. Ist es aber nicht manchmal das Problem, dass auch die Nachahmer fehlen?

Wie ein Mensch aussieht, sieht man im Licht; der Charakter eines Menschen zeigt sich im Dunkeln. – Da ist was Wahres dran.

Ihn sehen, wie er ist

Mi, 06/20/2018 - 00:01

Bibelstellen: 1. Johannes 3,2

„Wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh 3,2). Diese Worte haben uns schon oft berührt. Und doch haben wir den Eindruck, dass wir nicht beschreiben können, was sie wirklich beinhalten. Vielleicht müssen wir auf den Augenblich warten, wenn diese Worte Wirklichkeit werden, um sie völlig zu erfassen.

F.B. Hole gibt dazu folgende Erklärung: „Ich sah König Georg V. bei mehreren Gelegenheiten. Einmal sah ich ihn in der Uniform eines Feldmarschalls, ein anderes Mal in der Uniform eines Marineadmirals. Aber nie sah ich ihn ohne seine amtlichen Würden. Ich kannte ihn daher nicht, wie er wirklich war.“

Wir, die wir zu der Versammlung Gottes gehören, die die Braut Christi ist, werden ihn kennen, wie er ist, und nicht nur in seinen amtlichen Herrlichkeiten. Und dafür müssen wir in sein Bild verwandelt werden, in Leibern, die gleichförmig sind mit seinem Leib der Herrlichkeit.

Marco Leßmann

Gesammelte Brocken (212)

Di, 06/19/2018 - 00:01

Viele Leute kritisieren die Bibel. In Hebräer 4,12 wird das Wort Gottes als Beurteiler der Gedanken und Überlegungen der Herzen beschrieben. Das Wort, das mit „Beurteiler“ wiedergegeben wird, ist im griechischen Grundtext kritikos. Die Bibel ist der große Kritiker! Sie kritisiert uns und nicht wir sie!

„Und er spricht zu ihnen: Es steht geschrieben: ,Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden‘; ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle“ (Mt 21,31). Gottes Haus ist ein Bethaus und keine Räuberhöhle. Es ist ein Ort, wo man etwas von Gott erbittet, und nicht ein Ort, wo man Menschen etwas wegnimmt!

Wenn die Liebe das Gute nicht bei dem anderen sieht, dann hofft sie doch darauf, dass es vorhanden ist oder dass es noch werden wird. „Die Liebe glaubt alles, die Liebe hofft alles.“ Siehe 1. Korinther 13.

Gott ließ es sich das Leben seines Sohnes kosten, damit er uns ewiges Leben umsonst schenken kann.

Leben durch Evolution?

Mo, 06/18/2018 - 00:01

Die Unmöglichkeit der Entstehung von Leben durch Evolution

Für uns Christen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass das Leben sich nicht über Millionen oder Milliarden von Jahren entwickelt hat. Wir vertrauen unserem Gott, der uns in seinem Wort berichtet, wie es wirklich war: Er sprach und es wurde (s. 1. Mose).

Die Evolutionstheorie ist hingegen eine bequeme Möglichkeit, die eigene Verantwortung gegenüber dem Schöpfergott zu umgehen. Dabei bringt sie unlösbare Probleme mit sich. Dies werden wir anhand drei einfacher Überlegungen nachvollziehen.

Um dabei möglichst exakt vorzugehen, grenzen wir zuvor noch die Begriffe „Leben“ und „Evolution“ ein. Der Einfachheit halber konzentrieren wir uns auf das menschliche Leben. Unter Evolution verstehen wir die Entwicklung komplexer Lebewesen und Pflanzen aus ursprünglich lebloser Materie.

Oft ist mit diesem Begriff die Annahme verknüpft, dass aus einem Urzustand durch spontane Expansion der gesamte Kosmos entstanden sei (Urknall). Doch bis heute wurde der Ablauf eines solchen Ereignisses nirgendwo nachvollziehbar beschrieben noch faktisch belegt – es wird lediglich für eine evolutionäre Entwicklung einfach vorausgesetzt. Auch löst der Urknall-Ansatz nicht die Frage nach dem Ursprung, denn auch ein Urknall hätte ja nur in einem materiellen und informellen Rahmen stattfinden können, der einen Ursprung oder Urheber benötigt.

Die Wissenschaft versteht sich als Erkenntnissystem der wesentlichen Eigenschaften, Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge. Das Wissen darüber bezieht seine Legitimation aus der Ermittlung durch wissenschaftliche Methoden. Diese zeichnen sich aus durch Objektivität und Nachvollziehbarkeit – dieser Hintergrund ist wichtig für unser erstes Gegen-Indiz.

1. Noch nie wurde Makroevolution, also eine wesentliche Veränderung, die eine neue Art entstehen lässt, beobachtet (ein Beispiel hierfür wäre die Entwicklung eines Flügels aus einem Arm oder Bein). Weder konnte sie im Labor nachgestellt noch in Fossilien gefunden werden. Und wenn es solche Veränderungen jemals gegeben hätte, darf auch die Frage erlaubt sein, warum es diese derzeit in der Natur nirgendwo gibt. Dass dem nicht so ist, spricht klar dafür, dass es die Makroevolution niemals gegeben hat – sie wird im Kontext der Evolution aber dringend benötigt, um wesentliche physische Entwicklungen von Tier und Mensch zu erklären.

Um die Evolutionstheorie vertreten zu können, ist es demnach nötig, faktisch nicht nachvollziehbare Annahmen als gegeben zu betrachten.

Unser zweites Argument zeigt, dass ein Schöpfer für die Entstehung von Information unabdingbar nötig ist.

2. Information ist eine nicht materielle Größe, die in jedem Lebewesen in Form der DNS existiert. Information hat immer einen intelligenten Urheber. Und aufgrund ihrer Beschaffenheit kann sie zwar durch ein Medium übermittelt oder gespeichert worden, aber nicht aus Materie oder Energie hervorgehen. Sie kann also nicht das Ergebnis eines Urknalls sein, und sie kann sich nicht zufällig entwickelt haben. Die Existenz von Information in Lebewesen bedingt, dass es einen Urheber, einen Schöpfer, gibt.

Das dritte Argument ist stochastischer Natur und führt die ersten Punkte konsequent weiter.

3. Nehmen wir eine mechanische Armbanduhr: Niemand würde vermuten, dass sie sich zufällig von alleine zusammengebaut hätte. Man kann alle für eine Uhr benötigten Teile in eine Dose legen und sie unendlich lange schütteln – niemals wird sich daraus eine funktionale Uhr formen. Dafür ist sie viel zu komplex. Nein, sie wurde in mühsamer Arbeit Stück für Stuck zusammengebaut. Und dem voraus gingen noch der ungleich komplexere Vorgang der Entwicklung und die Fertigung der notwendigen Teile. Wenn wir bedenken, wie ungleich komplexer lebendige Wesen als eine mechanische Uhr sind, wird uns die Absurdität deutlich, die hinter einem schöpferlosen Lebensentstehungsansatz steht.

Wir könnten weitere Argumente anführen, doch uns reicht der Blick in die Komplexität und Schönheit der Schöpfung. Sie offenbart uns die dahinterstehende Schöpfermacht; und das, obwohl sie durch die Sünde gefallen ist, obwohl sie durch Sintflut gerichtet wurde und obwohl der Mensch sie durch Eingriffe strapaziert. Wie herrlich und erhaben muss dieser Gott sein, der das alles geschaffen hat.

Marc Schultz

Kennzeichen der christlichen Haushaltung

So, 06/17/2018 - 00:01

Bibelstellen: Johannes 14

Auf dem Obersaal hat der Herr Jesus seinen Jüngern am Vorabend der Kreuzigung bereits einen Ausblick gegeben, in welch eine Beziehung zu göttlichen Personen er sie bringen würde. Er sieht sich bereits hinter dem vollbrachten Werk am Kreuz stehen und spricht von der Zeit, wenn er zum Vater zurückgekehrt sein und der Vater den Heiligen Geist gesandt haben würde.

Er offenbart ihnen typische Kennzeichen der christlichen Haushaltung – also der Zeit, in der wir leben und die wir kennen und genießen dürfen. Das sind besonders:

1. Die christliche Hoffnung, das Ziel der Reise. Das Haus des Vaters, der Ort der innigsten Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Sohn von Ewigkeit, würde für erlöste Menschen bereitet sein, indem der Herr selbst als Mensch dorthin zurückkehrt sein würde. Weil er dort ist, werden auch wir einmal dort sein. Das geht in Erfüllung, wenn er wieder kommt, um uns zu sich zu nehmen. Alle Gläubigen, die zur Versammlung Gottes gehören, von Pfingsten bis zur Entrückung, werden bei ihm im Vaterhaus sein. Er wünscht es sich, tun wir es auch?

2. Die Beziehung zu Gott als Vater. Das ist die umfassendste Offenbarung Gottes überhaupt. Sein ewiges Wesen hat der Herr Jesus bekannt gemacht, als er auf dieser Erde war (Joh 14,9). Er ist der Weg, auf dem wir den Vater erkennen können und zu ihm gebracht sind. Er hat die Wahrheit über den Vater offenbart. Er hat uns sein Leben, ewiges Leben gegeben, durch das wir in der Kraft des Geistes Gottes Zugang zum Vater haben. Wir haben Gemeinschaft als Kinder mit dem Vater.

3. Ein Mensch im Himmel und Gott auf der Erde. Der Herr Jesus ist 40 Tage nach seiner Auferstehung in den Himmel zu seinem Vater zurückgekehrt. Jetzt ist er als wahrer Mensch, ohne aufzuhören Gott zu sein, im Himmel. Und er wird ewig vollkommen Mensch bleiben. Zu Pfingsten, zehn Tage nach der Himmelfahrt, kam der Heilige Geist als göttliche Person auf die Erde und wohnt nun in jedem Gläubigen (1. Kor 6,19) und in der Versammlung als Gesamtheit (1. Kor 3,16).

Diese Worte gaben den Jüngern in der Zeit Trost, als der Herr von ihnen genommen wurde, und Kraft für den Dienst und ein Leben in Hingabe an ihn. Das ist heute auch noch so. Wie deine Umstände auch sind, du hast eine himmlische Hoffnung, du kennst Gott als deinen Vater, du hast den Geist Gottes als Unterpfand (Angeld) auf das zukünftige, himmlische Erbe, und durch ihn ist der Herr Jesus selbst bei dir. Und bald wird es wahr: „Ich werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid.“ – Für immer!

Dirk Mütze

Kühne Worte

Sa, 06/16/2018 - 00:01

Bibelstellen: Hebräer 13,5.6

Er hat gesagt: „Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen“; so dass wir kühn sagen können: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?“ (Hebräer 13,5.6).

Gott hat etwas gesagt, was er tun will: Er will uns nicht versäumen und verlassen. Dieses Wort, das an Josua gerichtet war, dürfen wir ganz persönlich für uns nehmen.

Und weil Gott etwas gesagt hat, können wir auch etwas sagen: „Der Herr ist mein Helfer.“ Und dieses Bewusstsein führt zu einer Aussage im Blick auf uns selbst und im Blick auf andere.

Was uns betrifft, fassen wir den kühnen Entschluss, dass wir uns nicht fürchten wollen. Diesen Entschluss formulieren wir nicht, weil wir uns stark fühlen, sondern weil Gott uns helfen wird.

Und was die Menschen betrifft, so fragen wir mutig, was sie uns antun können. Menschen können an sich sehr viel tun und auch sehr grausam sein, aber der Gläubige weiß, dass nichts außerhalb des Willens Gottes geschehen kann.

Weil Gott uns Zusagen in seinem Wort gegeben hat, können wir mutig reden. Wenn wir diese Zusagen nicht hätten, wäre es nur Übermut, so eine Frage zu stellen.

Möge der Herr es schenken, dass wir das Reden Gottes in unser Herz aufnehmen, damit unser Mund kühne Worte zu seiner Ehre redet. Wir „können“ sagen, dass der Herr unser Helfer ist und wir die Menschen darum nicht zu fürchten sind, aber tun wir es auch?

Gerrid Setzer

Anpfiff zum Sieg

Fr, 06/15/2018 - 00:01

Fußball-WM! Vier Wochen sind im 90-Minuten-Rhythmus getaktet:

Angriff und Verteidigung, Foul und Gelbe Karte, Schiri und Videobeweis, Sieg und Niederlage.

Das alles spiegelt sich in unserem Leben wider. Unsere persönlichen 90 Minuten können spannend sein. Manchmal auch richtig ärgerlich – Gelbe Karte, Rote Karte, Niederlage … Schauen wir, worauf es ankommt.

Spielregel – auch für dein Leben!

Gelbe Karte – Verwarnung? Wer legt denn die Spielregel für mein Leben fest? Und wer will mir schon eine Verwarnung erteilen? Es ist Gott, der Schöpfer. Er legt fest, was richtig und falsch, was gut und schlecht ist. Er ist die höchste Instanz. Und seine guten Lebensregeln teilt er uns in der Bibel, dem Wort Gottes, mit.

Wenn Gott dir Gelb zeigt – an dein Gewissen appelliert –, dann ist bei dir etwas schiefgelaufen. Darüber magst du denken wie du willst.

„Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe“ (Die Bibel, 1. Petrus 3,18).

Uns bleibt nur, unsere Fouls vor Gott einzugestehen und Jesus Christus als unseren persönlichen Retter anzunehmen. Dann ist Gott voller Gnade und vergibt uns.

Abpfiff – und dann?

Wie im echten Spiel ist irgendwann deine Spielzeit abgelaufen. Dann wird abgepfiffen, dann musst du das Spielfeld verlassen. Und dann? Manche meinen, nach unserem Leben sei alles aus und vorbei – tot. Aber in Wahrheit geht es nach dem Abpfiff weiter. Nach dem Spiel kommt die „Reportage“. Jeder Mensch wird einmal vor Gott erscheinen müssen. Wer mit Gott versöhnt ist, hat nichts zu befürchten.

Alle anderen bekommen dann ihr Leben aus seiner Sicht zu sehen:

„Ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet … Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken“ (Die Bibel, Offenbarung 20,12).

Du kannst dein Fehlverhalten – die Bibel nennt es Sünde – einsehen oder nicht. Beim Fußball zählt die (fehlbare) Meinung des Schiedsrichters und für unser Leben zählt die absolut zuverlässige Beurteilung Gottes.

Denke nun bitte nicht, Gott würde nur unseren Spielverlauf überwachen und regelwidriges Verhalten ahnden. Nein! Zweifellos ist Gott heilig und gerecht, aber er ist auch voller Liebe und Barmherzigkeit. Er will uns im Grunde gar nicht strafen. Er sucht nur unser Bestes! Deshalb sandte er seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde, „damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Die Bibel, Johannes 3,16)

Gnade bei Fouls?

Jeder Mensch hat Fouls auf dem Gewissen. Doch was tun? Wir können sie ja nicht rückgängig machen. Gott müsste uns eigentlich die Rote Karte zeigen – Platzverweis. Aber noch zeigt Gott uns das Gnadenangebot in Jesus Christus.

Er ist der Einzige, der die Lebensregeln Gottes vollständig eingehalten hat, der nie etwas Böses getan, gesagt oder auch nur gedacht hat. Dennoch nahm er freiwillig am Kreuz die Strafe Gottes für fremde Schuld auf sich und bezahlte mit seinem Leben.

Es ist wie der Videobeweis beim Fußball, allerdings nicht während des Spiels, sondern danach – und in Büchern. Alles ist aufgezeichnet: unfaire Handlungen, hässliche Worte und sogar schlechte Gedanken ... Wenn wir uns schuldig gemacht haben, kann und wird Gott nicht einfach ein Auge zudrücken.

Sieger oder Verlierer?

Beim Fußball entscheidet die spielerische Leistung und etwas „Glück“ über Sieg und Niederlage. In deinem Leben dagegen entscheidest du selbst, ob du anschließend zu den Verlierern gehörst. Von Gott getrennt zu sein – das ist die größte Niederlage.

„Denn was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber seine Seele einbüßt?“ (Die Bibel, Matthäus 16,26).

Die Entscheidung, ob Sieger oder Verlierer, fällt vor dem Abpfiff. Wer an Jesus Christus glaubt, hat gewonnen – für immer. Wer lieber auf den „Videobeweis“ seines Lebens wartet, hat und ist verloren – für immer.

Hier als Flyer erhältlich:

https://www.csv-verlag.de/kostenlose-flyer/30618-anpfiff-zum-sieg.html

Das Johannes-Evangelium (10) - Kapitel 4,1-38

Do, 06/14/2018 - 00:01

Bibelstellen: Johannes 4,1-38

Aufzeichnungen aus der Betrachtung über

Johannes 4,1–38

Hückeswagen 2018

Vorbemerkungen zu Johannes 4

In Johannes 4 kommen wir zu einem Höhepunkt in diesem Evangelium. In Johannes 1 haben wir gesehen, wie der Herr Jesus suchende Seelen findet – aber hier in Johannes 4 haben wir keine suchende Seele, hier weckt der Herr Jesus erst einmal ein Bedürfnis, das vorher überhaupt nicht vorhanden war. In Johannes 2 haben wir gesehen, wie der Tempel, der Ort, an dem Gott Anbetung mit materiellen Opfern erwartet und gesucht hatte, von den Juden verdorben worden war, zu einer Räuberhöhle gemacht worden war – hier in Johannes 4 spricht der Herr Jesus von einer Anbetung des Vaters in Geist und Wahrheit. In Johannes 3 kommt ein hochgestellter Mann zu dem Herrn Jesus, auch er braucht die Gnade – hier in Johannes 4 kommt eine moralisch niedrig stehende, sündige Frau, und auch für sie ist diese Gnade da, und gerade sie wird zu diesem Höhepunkt der Anbetung geführt.

Zwischen den Kapiteln 3 und 4 dieses Evangeliums besteht sowohl eine Übereinstimmung als auch ein Gegensatz: In beiden Kapiteln ist von einer Gabe Gottes die Rede (Joh 3,16; 4,10), aber in beiden Kapiteln ist damit nicht das Gleiche gemeint. Die Gabe Gottes in Johannes 3 ist der Sohn; in Johannes 4 ist die Gabe Gottes nicht genau definiert, aber sie ist nicht der Sohn (Vers 10), denn der Sohn ist selbst der Geber. Der Sohn als die Gabe Gottes in Joh 3,16 dient dazu, das ewige Leben zu schenken. Die Gabe Gottes in Joh 4,10 stellt uns einfach Gott als den großen Geber vor, der uns nicht nur den Sohn als die größte Gabe gegeben hat, sondern auch in Ihm das ewige Leben, das in dem Heiligen Geist schon hier auf der Erde genossen werden kann.

Kapitel 3 zeigt uns in Verbindung mit der neuen Geburt, was die Notwendigkeit auf Seiten des Menschen ist. Auch ein hochstehender Mann wie Nikodemus brauchte diese neue Geburt. Und wenn Gott dann in Kapitel 4 Sein Herz öffnet und weit über das hinausgeht, was der Mensch nötig hat, dann zeigt Er uns auch in der Person, der Er diese Gabe schenkt, dass sie nicht auf Menschen wie z.B. Nikodemus beschränkt ist, die sich auf ihr scheinbar religiöses Leben etwas einbildeten. Diese in Unmoral lebende Frau ist ein Beweis dafür, dass jeder, der dieses neue Leben empfängt, diese Gabe Gottes bekommen kann, die einfach aus dem Herzen Gottes hervorkommt.

In Seinen Mitteilungen an die Menschen setzt der Herr Jesus andere Maßstäbe, als wir sie setzen würden. Wir hätten wohl die Mitteilungen dieser beiden Kapitel in umgekehrter Reihenfolge gegeben. Die Notwendigkeit der neuen Geburt und die Gabe des Herrn Jesus zum ewigen Leben hätten wir sicher eher einer armen verlorenen Sünderin in ihrem elenden Zustand vorgestellt; und demzufolge die Anbetung eher einem gelehrten Juden, einem Lehrer Israels. Aber Gott macht es genau umgekehrt. Er holt den großen Menschen von seinem Podest herunter und sagt ihm, dass er von neuem geboren werden müsse. Und Er zieht die Frau aus dem Schlamm ihrer Sünde und sagt ihr, dass sie eine Anbeterin Gottes werden kann. Was für göttliche Unterweisungen in dem Vergleich dieser Kapitel!

Kapitel 3 hatte uns gezeigt, dass ein Mensch – unabhängig von der Haushaltung, in der er lebt – nur dann in das Reich Gottes eingehen kann, wenn er von neuem geboren wird, durch Wasser und Geist geboren wird: d.h. durch die Anwendung des Wortes Gottes in der Kraft des Heiligen Geistes. Ob in der Zeit des Alten Testaments, ob in der jetzigen Zeit, oder ob in der Zukunft: auf keinem anderen Weg ist es möglich, in das Reich Gottes einzugehen. Aber darüber hinaus hat der Herr für solche, die in der jetzigen Zeit der Gnade leben, noch besondere Segensströme fließen lassen. Der große Geber-Gott gab Seinen Sohn, und jedem, der an Ihn glaubt ewiges Leben, Leben in Überfluss (Joh 3,16; 10,10). „Wer den Sohn hat, hat das Leben“ (1.Joh 5,12).

In Kapitel 4 finden wir dann, dass dieses neue Leben, das ewige Leben, einer Kraftquelle bedarf, und das ist der Heilige Geist. In der Kraft des in uns wohnenden Heiligen Geistes können wir den ganzen Genuss des ewigen Lebens erleben und wertschätzen. Ohne die Kraft des Heiligen Geistes könnte sich dieses neue Leben in uns nicht zu der ganzen Fülle, in der Gott es uns gegeben hat, entfalten. Und dieser Besitz des Heiligen Geistes ist gleichzeitig eine Voraussetzung für eine Anbetung in Geist und Wahrheit. Das ist der Höhepunkt dieser Linie.

In Kapitel 7 haben wir dann eine weitere Auswirkung. Dort wird in Vers 38 von dem lebendigen Wasser in uns gesprochen, das in horizontaler Richtung eine segensspendende Auswirkung hat für die Menschen, mit denen wir in Berührung kommen. Kapitel 4 und 7 zeigen uns auch die beiden Seiten des christlichen Priestertums (1.Petr 2,5+9): In Kapitel 4 sehen wir die heilige Priesterschaft, die geistliche Schlachtopfer darbringt mittels der Fontäne in uns, die ins ewige Leben quillt; und in Kapitel 7 haben wir das königliche Priestertum, das die Tugenden dessen verkündigt, der uns berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht. Wir empfinden, dass wir uns in diesem Kapitel in heiliger Atmosphäre befinden, und wir wünschen, dass unser Nachdenken über diese von unserem Herrn entwickelten Wahrheiten tiefe Eindrücke von der Erhabenheit dieses Gegenstandes bei uns hinterlässt und unser praktisches Betragen mehr der Höhe dieser Gedanken entspricht!

Diese Begebenheit in Johannes 4 ist schon mal verglichen worden mit der Begebenheit von dem verlorenen Sohn in Lukas 15. Dort sehen wir, dass Gott in dem Herzen eines Menschen eine Umkehr bewirkt, so dass er zu dem Vater geführt wird. Und der Vater nimmt ihn mit offenen Armen auf und bringt ihn in die volle Freude des Hauses hinein. Johannes 4 geht wohl noch einen Schritt weiter. Wir sehen hier nicht, dass der Vater wartet und wirkt, sondern Er kommt selbst in der Person des Sohnes auf dieser Erde in die Umstände unseres Lebens hinein und offenbart Sein Herz an der Stelle, wo der Mensch in die größte Sünde gekommen ist. Und diesen Menschen führt Er dann nicht nur in die Freude Seines Hauses, sondern macht ihn zu einem Anbeter, der Gemeinschaft hat mit Ihm selbst und mit dem Sohn.

Diese Begebenheit von der Begegnung des Herrn mit der Frau an der Quelle Jakobs reicht bis Vers 42 des Kapitels. Es ist interessant zu sehen, dass sie eingerahmt wird von der Person Josephs (Vers 5), der in seinen Tagen Zaphnat-Pahneach genannt wurde (1.Mo 41,45); dieser Name bedeutet soviel wie Erhalter des Lebens oder Retter der Welt, und mit diesem Titel in Bezug auf den Herrn endet in Vers 42 diese Begebenheit. Drei Hauptpunkte finden wir darin:

  • der Heiland sucht verlorene Sünder (Vers 1–19)
  • der Vater sucht Anbeter (Vers 20–26)
  • der Herr sucht Arbeiter (Vers 27–42)

In den Versen 1–14 weckt der Herr Jesus in dem Herzen der Frau ein Bedürfnis, aber in den Versen 15–19 spricht er ihr Gewissen an, weil im Leben dieser Frau das bekannt und in Ordnung gebracht werden musste, was sie hinderte, weiterzukommen und zu einer Anbeterin werden zu können, wovon Er dann in den Versen 20–26 spricht.

In diesem Kapitel wird uns auch die Verhaltensweise des Herrn Jesus gegenüber Menschen beeindrucken. Es ist beispielgebend für uns, wie der Herr mit dieser Frau umgeht, wie Er sich um eine Seele kümmert.

„Als nun der Herr erkannte, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes (obwohl Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger), verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.“ (Vers 1–3)

Vers 1 nimmt Bezug auf Joh 3,22 ff., wo wir gesehen hatten, dass der Herr Jesus nicht selbst in eigener Person getauft hatte, dass dieses Taufen aber doch unter Seiner Anweisung und Leitung geschah. Hierbei geht es im Übrigen überhaupt noch nicht um die christliche Taufe, auch wenn Christus selbst der Gegenstand der Taufe war. Die christliche Taufe hat mit dem Tod des Herrn zu tun, sie verbindet uns mit einem gestorbenen Christus. Hier ist es die Taufe, die mit einem lebenden Christus zu tun hat, eine Taufe auf dem Niveau von Johannes dem Täufer, die jetzt von den Jüngern des Herrn ausgeübt wurde.

Durch dieses Taufen war eine Streitfrage unter den Jüngern entstanden (Vers 25). die Reaktion von Johannes dem Täufer auf diese Streitfrage hatten die folgenden Verse in Johannes 3 gezeigt: „Er muss wachsen, ich aber abnehmen“ (Vers 30); er wollte in den Hintergrund treten und den Herrn vor die Blicke stellen.

Die ersten drei Verse von Johannes 4 zeigen uns jetzt die Reaktion des Herrn auf diese Streitfrage. Auch Er zeigt uns, dass Er unter keinen Umständen irgendeinen Anlass geben wollte, dass Außenstehende meinen könnten, es bestünde eine Art von Rivalität zwischen Ihm und Johannes dem Täufer. Deshalb verlässt Er diese Szene und geht. Er zieht sich zurück und verlässt Judäa und überlässt Johannes dem Täufer dieses Arbeitsfeld, damit weder Er noch Johannes der Täufer in die Lage käme, auf irgendeine Weise zu dem Anführer einer Auseinandersetzung gemacht zu werden. Es ist ein Ausdruck Seiner Gnade, dass Er hier nicht einen Anschein von Rivalität erwecken, nicht Anstoß geben möchte (Mt 17,27). Auch für uns ist es wichtig, dass wir immer wieder Rücksicht nehmen, damit nicht falsche Eindrücke entstehen.

Wir behalten dabei aber vor Augen, dass der Herr Jesus der Höchste war und ist und immer sein wird. Deshalb können wir in diesem Sinn nicht von Rivalität mit Menschen aus der Sicht des Herrn sprechen, Er ist und bleibt unvergleichlich. Aber aus Sicht der Menschen, hier der Pharisäer, wurden in dem Herrn Jesus und Johannes dem Täufer Rivalen gesehen: beide tauften, und der eine der Beiden taufte mehr.

Derr Herr erkennt hier eine Entwicklung, ohne dass man sie Ihm hätte sagen müssen. Das zeigt Seine Größe, Er kennt alle Gedanken und Ratschlüsse des Menschen, nichts ist vor Ihm verborgen, weil Er der Herzenskenner ist (1.Chron 28,9; Ps 94,11; Apg 15,8).

Der Herr ist in diesem Evangelium von Anfang an der Verworfene. Hier verlässt Er jetzt Judäa im Süden des Landes und geht in den Bereich Galiläas im Norden. Er unterwirft sich der Verwerfung durch die Juden und geht dahin, wo Er Aufnahme findet. Er ist hier auf der Reise, ist ein Fremdling. Die drei anderen Evangelien beginnen übrigens erst mit Seiner Wirksamkeit im ‚Galiläa der Nationen' (Mt 4,15; Jes 8,23–9,1).

„Er musste aber durch Samaria ziehen.“ (Vers 4)

Die Samariter waren ein Mischvolk, und die Juden verkehrten nicht mit ihnen (Vers 9). Durch die Bemerkung dieses Verses wird wieder deutlich, dass der Herr Jesus in diesem Johannes-Evangelium besonders als der Heiland der ganzen Welt vorgestellt wird (Joh 1,29; 3,16; 4,42), der die über die engen Grenzen Israels hinausgeht. Wenn Er in Mt 10,5 Seine Jünger aussendet, gibt Er ihnen dort die Anweisung, nicht auf einen Weg der Nationen zu gehen und auch nicht in eine Stadt Samarias. Das ist typisch für das Matthäus-Evangelium, wo wir den Messias, den König Israels vorgestellt finden, und das Missionsfeld dort sind eben die verlorenen Schafe des Hauses Israels.

Für einen Juden bedeutete es einen Makel, durch Samaria zu ziehen. Wenn man von Judäa im Süden nach Galiläa im Norden zog, führte der kürzeste Weg zwar durch Samaria, aber in der Regel ging kein Jude diesen Weg. Er verließ im Süden das Land und ging über den Jordan und zog auf der anderen Seite des Jordan hoch bis Galiläa, um dort wieder zurück über den Jordan in das Land zu kommen. Die Juden hatten eine Scheu davor, sich eins zu machen mit den Menschen aus Samaria. In den Augen der Juden war die Gegend Samarias regelrecht gebrandmarkt (vgl. Joh 8,48). Der Grund dafür lag in der historischen Vergangenheit des Volkes Gottes im Alten Testament. Als die assyrischen Könige die Bevölkerung des 10-stämmigen Nordreiches in die Gefangenschaft geführt hatten, wurden unter Esar-Haddon verschiedene Völker in dieses Land umgesiedelt (2.Kön 17,24–41), die unter Serubbabel sogar gegen das Volk Gottes gearbeitet hatten (Esra 4,9+10). Durch diese fremden Völker entstand ein gemischter Gottesdienst im Land. Der jüdische Gottesdienst wurde mit heidnischem Götzendienst vermischt – ein Gräuel für Gott! Der Berg Gerisim (der Berg des Segens [5.Mo 11,29; 27,12; Jos 8,33]) war der Ort, der in einer gewissen Rivalität zwischen dem samaritischen Gottesdienst und dem in Jerusalem stand (Vers 20+21).

Wenn der Herr jetzt hier in Samaria zu wirken beginnt, anerkennt Er damit nicht den Zustand Samarias und auch nicht das dort praktizierte System des gemischten Gottesdienstes. Aber Er ist souverän in der Auswahl des Wirkungsbereichs Seiner Gnade, und das bedeutet eben nicht, dass Er damit gleichzeitig die jeweils vorherrschenden Zustände für gut befindet. Was Er hier tut, ist auch beispielgebend für Seinen späteren Auftrag an Seine Jünger (Apg 1,8). Im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte finden wir dann in Kapitel 8, „dass auch Samaria das Wort Gottes angenommen“ hatte (Vers 14). Das wunderbare Evangelium nimmt seinen Lauf, und hier in Johannes 4 haben wir ein frühes Licht von dessen späterer Erfüllung. Angedeutet finden wir das schon in dem Segen Jakobs über seinen Sohn Joseph in 1.Mo 49,22: „...die Schösslinge treiben über die Mauer“. Der Segen soll über die Mauer Israels hinausgehen (Eph 2,14).

Wir haben hier ein weiteres göttliches Muss in diesem Evangelium (Joh 3,7+14; 9,4), es ist ein Muss der Gnade Gottes! Der Herr muss durch Samaria ziehen. Dieses muss bedeutet nicht, dass der Herr eigentlich etwas anderes gewollt hätte und Er jetzt etwas tun musste, was Er ursprünglich nicht tun wollte. Er wollte sogar genau das tun, durch Samaria zu ziehen. Es war eine Notwendigkeit zur Ausübung göttlicher Liebe, die Ihn diesen Weg zu dieser Frau gehen ließ. Der Strom der Gnade Gottes wird umgeleitet nach Samaria.

„Er kommt nun in eine Stadt Samarias, genannt Sichar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. Es war aber dort eine Quelle Jakobs.“ (Vers 5–6a)

Vielleicht ist bei diesem Vers an 1.Mo 48,22 zu denken, wo Jakob seinem Sohn Joseph einen Landstrich über das Teil seiner übrigen Söhne hinaus vermachte. Vielleicht deutet der Heilige Geist dadurch an, dass Er jetzt in diesem Kapitel einen Segen vorstellen möchte, der weit über das normale Maß hinausgeht. Einen Segen Gottes, den der Herr denjenigen geben möchte, für die Er gekommen war; nicht nur dem Volk der Juden, sondern der ganzen Welt.

Wenn wir auch im Alten Testament nichts davon lesen, dass Jakob je Brunnen gegraben hätte, so sagt der Heilige Geist hier doch, dass dieser Brunnen eine Quelle Jakobs war. Gott bestätigt hier im Neuen Testament eine Tatsache, von der wir im Alten Testament nichts lesen.

„Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich so an der Quelle nieder. Es war um die sechste Stunde.“ (Vers 6b)

Was für ein Gegensatz zu Vers 1! Dort hatten wir Seine göttliche Größe darin gesehen, dass Er alles erkannte, was in den Herzen der Menschen war. Hier sehen wir, dass Er bereit war, alles, was mit dem Mensch-Sein verbunden ist, auf Sich zu nehmen. Gibt es treffenderes Bild menschlicher Bedürfnisse, als müde und durstig zu sein? Und so setzte Er sich an der Quelle nieder, so, wie Er war (vgl. Mk 4,36) – ermüdet und durstig. Und doch war Er der Gleiche, von dem es in Jes 40,28 heißt, dass Er nicht ermüdet und nicht ermattet. Unser Herr war wirklich Mensch – aber zur gleichen Zeit war Er auch wahrhaftig Gott (vgl. Mk 4,38+39; Mt 21,18+19)! Und Er verzichtet darauf, Seine eigene göttliche Kraft in dieser Situation für sich selbst einzusetzen. Es wäre Ihm eine Kleinigkeit gewesen, Wasser aus dieser Quelle hervorkommen zu lassen, von dem Er hätte trinken können. Hatte Er nicht in Kapitel 2 ohne ein Wort zu sagen, aus Wasser Wein werden lassen? Aber Er verzichtet darauf, ein solches Wunder zu tun. Wir können mit unserem menschlichen Verstand nicht erfassen, dass in dieser einen Person Gott und Mensch vereinigt sind – aber wir beten Ihn dafür an!

Im Johannes-Evangelium haben wir nach übereinstimmender Auffassung der meisten Ausleger die römische Zeitrechnung mit zweimal 12 Stunden, die erste Tageshälfte begann um Mitternacht, die zweite um 12 Uhr mittags. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass der Herr hier um 6 Uhr abends mit der Frau zusammentrifft, die zur üblichen Zeit ihr Wasser holen wollte. Der Herr hatte hier einen anstrengenden Fußweg von ungefähr 100 km hinter sich. Und Er kommt ermüdet von der Reise am Abend an diesem Brunnen an. Als wahrhaftiger Mensch litt Er unter den Strapazen des langen und beschwerlichen Weges.

„Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!“ (Vers 7)

Jetzt treffen zwei Ausgestoßene aufeinander. Die Frau war ausgestoßen ihrer großen Sünde wegen, und auch der Herr war nicht gewollt und nicht anerkannt, aber Er war Seiner Heiligkeit wegen verworfen. Wir sehen hier auch die ganze Erniedrigung des ewigen Sohnes Gottes, der da müde und matt vor dieser Frau saß und um einen Trunk Wasser bat. Anbetungswürdiger Herr! Gott, der Höchste, hat sich so tief erniedrigt und zu den elendesten der Elenden herabgeneigt, so dass niemand sagen kann, dass es für ihn nicht gelten würde.

In Seiner Armut als Mensch hatte Er noch nicht einmal ein Gefäß, um sich selbst Wasser schöpfen zu können. Er hatte auch wirklichen Durst, Seine Bitte war echt gewesen. Hat Er eigentlich jemals von dieser Frau den erbetenen Schluck Wasser bekommen? Der Bericht in diesem Kapitel lässt das offen. Sicher hat der Herr noch einen weit tieferen Durst gehabt als den leiblichen Durst; wir singen in einem Lied davon, dass Ihm nach dem Heil verlorener Sünder gedürstet hat. Es war Sein tiefer Wunsch, dass die Gnade Gottes an dieser Seele zum Zuge käme, die selbst durstig war und diesen Durst ihrer Seele bis dahin nie gestillt bekommen hatte. Das prägt diese Begegnung an dem Brunnen Jakobs.

Noch am Kreuz lesen wir von dem Durst des Herrn Jesus nach den drei Stunden der Finsternis (Joh 19,28), und dort bekommt Er Essig und nimmt davon – damit die Schriften erfüllt würden (Ps 69,22).

„Gib mir zu trinken“ ist kein strenger Befehl, aber eine Aufforderung, eine Bitte des Herrn, so hat es diese Frau auch aufgenommen (Vers 9). Die Gnade Gottes wendet sich den Elenden nicht durch Forderungen zu. Was hatte das Herz dieser Frau geöffnet? Die Tatsache, dass Er mit einer Bitte zu ihr kam (vgl. 2.Kor 5,20), dass Er sie nicht verachtete, sondern sich ihr zuwandte. Er knüpft damit bei dem an, was diese Frau hatte, ihrem Wasserkrug. Und Er bittet sie um etwas, mit dem Ziel, weit Höheres geben zu können; für Ihn war das Geben seliger als das Nehmen (Apg 20,35).

Das Gespräch, dass jetzt hier beginnt und in Vers 26 endet, ist schon vom Aufbau her sehr lehrreich. Der Herr Jesus erreicht Sein Ziel mit sieben Äußerungen. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit, und wir haben hier sieben göttlich vollkommene Äußerungen des Herrn Jesus:

  • „Gib mir zu trinken“ (Vers 7)
  • „Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben“ (Vers 10)
  • „Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer irgend aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt“ (Vers 13+14)
  • „Geh hin, rufe deinen Mann und komm hierher“ (Vers 16)
  • „Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; hierin hast du die Wahrheit gesagt“ (Vers 17+18)
  • „Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an und wisst nicht, was; wir beten an und wissen, was; denn das Heil ist aus den Juden. Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“. (Vers 21–24)
  • „Ich bin es, der mit dir redet“ (Vers 26)

Die Frau zeigt im Verlauf dieses Gesprächs Unverständnis und Ausweichmanöver, aber der Herr lässt sich nicht von Seinem Ziel abbringen. Er möchte nicht nur, dass diese Frau errettet wird, sondern dass sie eine Anbeterin wird. Es war Sein Ziel, dieser Frau die erhabene Wahrheit von der Anbetung in Geist und Wahrheit zu bringen, und alle ihre Fragen können Ihn davon überhaupt nicht abbringen. Er erklärt ihre Fragen gar nicht, sondern geht immer weiter und all Seine Äußerungen bauen vollkommen und zielgerichtet aufeinander auf. Wir brauchen manchmal stundenlang, um einander bestimmte Wahrheiten nahe zu bringen, auch im Evangelium, aber der Herr kommt mit diesen sieben Äußerungen zu Seinem Ziel.

Wir finden in dieser Begegnung und dem Gesprächsbeginn des Herrn auch viel wertvolle Hinweise und Anregungen für die persönliche Weitergabe des Evangeliums. Es ist immer allein das Wort Gottes, das das Gewissen zu erreichen vermag, nicht eigene logische Schlussfolgerungen. Außerdem Herr Jesus kommt zu einer Quelle, Er geht dahin, wo man erwarten kann, dass dort Menschen sind. Er hat dann auch Geduld, setzt sich und wartet. Er beginnt mit einer einfachen Bitte und baut dadurch ein Vertrauensverhältnis auf. Er hat kein Vorurteil, weder gegenüber den Samaritern mit ihrer falschen Religion als gegenüber dieser sündigen Frau, die am Rand der Gesellschaft stand.

Der, der hier um einen Trunk Wasser bittet, ist derselbe, der die Wasser in ein Tuch gebunden hat (Spr 30,4). Der allmächtige Gott, der auf dem Weg nach Samaria aus dem harten Boden eine Quelle hervorsprudeln lassen können, zeigt sich hier in Seiner Niedrigkeit als Mensch und bittet: „Gib mir zu trinken“.

(„Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen.“) (Vers 8)

Wir wissen nicht, ob der Herr die Jünger in die Stadt geschickt hatte, um Speise zu kaufen, oder ob sie von sich aus diesen Weg gegangen sind. Er war jedenfalls an dem Brunnen geblieben; Er wusste, dass diese Frau kommen würde, und Er wollte allein mit ihr reden können. Die Anwesenheit der Jünger, die selbst noch nicht viel von der Gnade Gottes den Elenden gegenüber verstanden hatten, wäre bei diesem seelsorgerlichen und sehr persönlichen Gespräch mit der Frau eher Hindernis als Hilfe gewesen. Es drängt sich aber auch der Eindruck auf, dass die Jünger mehr mit den irdischen Bedürfnissen und Notwendigkeiten beschäftigt waren, als mit den geistlichen, das sehen wir in dem Gespräch mit dem Herrn nach ihrer Rückkehr ab Vers 31.

„Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist, von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? (Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern)“. (Vers 9)

Woran erkannte diese Frau wohl auf Anhieb den Herrn Jesus als einen Juden? Offensichtlich muss Er ein äußeres Erkennungszeichen gehabt haben, was Ihn als Juden identifizierte. Die Juden hatten z.B. die Anweisung, eine Quaste aus blauem Purpur zu tragen (4.Mo 15,37–41); eine ständige Erinnerung, dass ihr irdischer Wandel himmlisch orientiert sein sollte, dass sie eine Lebensführung nach dem Maßstab Gottes zeigen sollten. Kann man uns auch als Christen erkennen? Sind wir in unserer nächsten Umgebung als Christen bekannt? Wir sollen den Herrn Jesus Christus anziehen (Röm 13,14), d.h. an uns soll etwas von Christus gesehen werden, wir sollen das Wort des Lebens nicht nur reden, sondern darstellen (Phil 2,15). Das bedeutet also, dass wir unseren Glauben authentisch leben sollen und als solche bekannt sein sollten.

Die Frau scheint zuerst ein wenig auf Abstand zu gehen, scheinbar will sie gar nicht mit Ihm ins Gespräch kommen. Die Juden verkehrten auch deshalb nicht mit den Samaritern, weil die Zwischenwand der Umzäunung durch das Gesetz (Eph 2,14+15) sie daran hinderte. Aber es war nicht nur die Überheblichkeit der Juden gegenüber den Samaritern, sondern es ging auch umgekehrt eine Feindschaft von den Samaritern zu den Juden aus (Lk 9,51–53).

„Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ (Vers 10)

In gewissem Sinn haben wir in diesem Vers einen Hinweis auf die drei Personen der Gottheit. Zuerst zeigt der Herr Jesus hier, dass Gott ein Geber ist; jede menschliche Religion sieht Gott als einen fordernden Gott. Als zweites offenbart Er etwas von Seiner eigenen Herrlichkeit und Größe. Und drittens zeigt Er die große Gabe des Heiligen Geistes, nicht als Person, sondern als Kraft Gottes.

Der Herr Jesus leitet Sein zweites Wort zu der Frau mit einem wenn ein, Er formuliert also einen Bedingungssatz, nennt eine Voraussetzung, die erfüllt sein müsste, damit die Folgerung Wirklichkeit würde. Hier liegt allerdings eine Konstruktion im griechischen Text vor, die deutlich macht, dass der Herr die Bedingung als nicht erfüllt ansieht. Er zeigt damit, dass Er wusste, dass diese Frau die Gabe Gottes nicht kannte. Und das zweite, das Er anspricht, nämlich ob sie wohl wüsste, wer da am Brunnen ihr gegenüber saß und um den Trunk Wasser bat, zeigt die einfache Wahrheit, dass man Kenntnis über Gott nur über die Person des Sohnes bekommen kann, über den Herrn Jesus. Und gerade das ist das große Problem für den natürlichen Menschen.

Der Herr Jesus spricht hier in bildhafter Ausdrucksweise und knüpft an das natürliche Wasser an, was der Frau natürlich nichts Unbekanntes war. Er gebraucht keine geistlichen Begriffe, die die Frau überhaupt nicht hätte verstehen können. Auch darin können wir von Ihm lernen. Wahrscheinlich dachte sie bei dem lebendigen Wasser an Wasser, das nicht aus einer Zisterne, sondern aus einer Quelle kommt. Lebendiges Wasser ist frisches Quellwasser, das von selbst springt; normales Wasser ist Zisternenwasser, aufgefangenes Regenwasser oder sonstiges abgestandenes Wasser.

Wasser hat ja im Wort Gottes mehrere geistliche Bedeutungen. Allgemein gesprochen ist es ein Bild vom Wort Gottes in seiner reinigenden Kraft (Joh 3,5; Eph 5,26). Das lebendige Wasser hier und in Joh 7,38+39 ist zweitens ein Bild von dem Heiligen Geist, in Joh 4 geht die Bedeutung vielleicht sogar noch weiter (siehe Vers 14). Eine dritte Bedeutung haben wir noch in Offb 22,17, wo es ein Bild von dem ist, was Gott uns schenkt, dem ewigen Leben.

Die Juden hatten die Quelle lebendigen Wassers verlassen (Jer 2,13; 17,13); und da dieses bevorrechtigte Volk Ihn nicht wollte, wendet Er sich in Seiner Gnade denen zu, die natürlicherweise kein Anrecht darauf hatten.

Was der Herr mit der Gabe Gottes in diesem Vers letztendlich meint, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen. Er sagt es nicht konkret, und es scheint wirklich im Vordergrund zu stehen, dass Gott ganz allgemein als der Geber groß werden soll. Wir wollen es nicht beschränken auf die Person des Heiligen Geistes, sondern darin alles sehen, was Gott gibt. Gott gibt den Sohn (Joh 3,16), Gott gibt den Heiligen Geist (Joh 14,16), Gott gibt das ewige Leben (Tit 1,2); es ist der ganze Segen, der in der Person des Sohnes – der unaussprechlichen Gabe Gottes (2.Kor 9,15) – zu uns Menschen gekommen ist. Bruder Darby hat einmal gesagt, dass hier der gegenwärtige Genuss des ewigen Lebens in der Kraft des Heiligen Geistes gemeint sei. Das Zentrum davon ist der Herr Jesus. Es ist der ganze Reichtum, der nicht mit dieser armseligen Erde in Verbindung steht.

Mussten wir Gott bitten, dass Er uns den Geist Gottes gibt? Wenn ein Mensch zum Glauben kommt und durch Gott ewiges Leben geschenkt bekommt, dann ist Gott auch weiter der Geber und gibt uns von Sich aus den Heiligen Geist, ohne dass wir Ihn darum bitten müssten. Gott möchte, dass wir über diese Gabe nachdenken, um sie besser zu kennen: der Heilige Geist in Verbindung mit dem ewigen Leben.

„Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn das lebendige Wasser? Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank daraus und seine Söhne und sein Vieh?“ (Vers 11+12)

In Joh 7,3+39 ist das lebendige Wasser eindeutig ein Bild von dem Heiligen Geist. Auch im Alten Testament finden wir schon einen Hinweis auf die Verbindung von Wasser und Heiligem Geist (Jes 44,3). Die Frau aber konnte noch überhaupt nicht verstehen, was der Herr Jesus mit diesen Worten meinte, weil sie noch keine Beziehung zu Gott hatte, und weil sie als Samariterin nicht das ganze Alte Testament sondern nur die fünf Bücher Mose anerkannte. Wir Gläubigen der Gnadenzeit können, belehrt durch den Geist Gottes, ein Verständnis von dem haben, was der Herr Jesus hier meint.

Die Frau dachte nur an das Wasser, das die irdischen Bedürfnisse des Körpers stillt; und sie sah in dem Herrn Jesus noch nicht einmal eine Person, die irgendwie an Jakob heranreichte. Es ist nicht sicher, welchen Brunnen die Frau genau meint. In 1.Mo 26,19 lesen wir von einem Brunnen lebendigen Wassers, den allerdings nicht Jakob, sondern die Knechte Isaaks gruben und der geografisch sich auch an einer ganz anderen Stelle viel weiter südlich von Samaria befand. Von Jakob selbst finden wir im Alten Testament überhaupt nicht berichtet, dass er einen Brunnen gegraben hätte. Nur der Heilige Geist hatte das in Vers 6 dieses Kapitels bestätigt.

Wenn diese Frau von Jakob als unserem Vater spricht, dann maßt sie sich etwas an, wozu sie eigentlich nicht berechtigt war. Sie stammte gar nicht aus Israel, sondern war eine Frau aus Samaria. Jakob war nicht ihr Vater, war nicht der Vater der Samariter. Was die Frau hier von Jakob und seinem Vieh hinzufügt, berichtet die Bibel nicht, basiert also nicht auf dem geschriebenen Wort Gottes. Diese Überlieferung war nicht wahr. Wir sehen darin, wie weit diese Tradition ging, und dass diese Frau in völliger Unkenntnis war.

Die Frau stellt mit ihren Worten einen Vergleich zwischen dem Herrn Jesus und einem Menschen an. Wir finden mehrere Situationen in Gottes Wort, wo der Herr Jesus bei solchen Vergleichen als der Größere, als der Bessere und Herrlichere bezeichnet wird. Der Heilige Geist wacht immer mit Eifersucht darüber, dass dann, wenn Vergleiche zwischen dem Herrn und Menschen angestellt werden, Er als der Größere vorgestellt wird (Mt 12,41+42; Joh 5,36; 8,53; Hebr 3,3). Haben wir auch solche Eindrücke von dem Herrn, haben wir auch viel über Ihn zu sagen (Hebr 5,11)?

Die Anspielung auf das fehlende Schöpfgefäß zeigt, was der natürliche Mensch meint, sich in religiöser Hinsicht durch eigene Anstrengung Glück, Erfolg und Lebenserfüllung erarbeiten zu können. Und der Vergleich mit Jakob zeigt, dass Religion, religiöse Anmaßung, Traditionsbewusstsein und Stolz ein Hindernis sind, Den zu erkennen, der Gott offenbart im Fleisch ist. Viele Menschen sind gefangen in menschlichen Traditionen und haben deshalb keinen Blick für den Sohn Gottes. Aber das Herz kommt erst zur Ruhe, wenn es in dem Sohn der Liebe des Vaters den ganzen Umfang des Lebens in seinem vollen Ausmaß erkennt und genießt.

„Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer irgend aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.“ (Vers 13+14)

Der Herr Jesus lässt sich durch den Einwand der Frau und durch ihr fehlendes Verständnis überhaupt nicht abbringen von Seiner Linie. Er gibt nicht auf und erklärt ihr weiter, dass Er gar nicht von dem sprechen wollte, was irdische Bedürfnisse nur vorübergehend stillt. Er hat weitaus mehr zu geben. Ist es nicht bei uns auch so, dass wir oft so beschäftigt und in Beschlag genommen sind von den irdischen Dingen, dass wir überhaupt nicht begreifen, welchen Segen es an himmlischen Dingen gibt? Dass wir die Person des Herrn Jesus nicht besser kennenlernen, weil wir in irdischen Dingen gefangen sind? Ähnlich ist es auch später bei den Jüngern, die als Glaubende doch eigentlich viel mehr Verständnis hätten haben müssen als diese sündige Frau. Aber auch sie dachten nur an die irdische Speise (Vers 33).

Die Erwiderung des Herrn beinhaltet drei wunderbare Punkte:

  • er wird nicht dürsten in Ewigkeit: er findet eine vollkommene Befriedigung in dem, was der Herr Jesus zu geben vermag, eine Befreiung von allen Begierden, Vergnügungen, Gebundenheiten, Sünden
  • es wird in ihm eine Quelle Wassers werden: es führt zur Gemeinschaft mit Gott, dem Geber; wir teilen die Gedanken Gottes über Seinen Sohn, und die Gedanken des Sohnes über den Vater; dieses Wasser hat seinen Ursprung nicht in uns, und darin liegt die Sicherheit für uns
  • die ins ewige Leben quillt: es führt zur Anbetung; dieser Ausdruck wird auch mit aufspringen übersetzt (Apg 3,8; 14,10), es wirkt wie eine Fontäne; dieses lebendige Wasser als unser gegenwärtiger Besitz quillt in die Heimat des ewigen Lebens, bis wir am Ziel sind, wo das ewige Leben zu Hause ist

Völlige Befreiung – innige Gemeinschaft – Anbetung; was für eine wunderbare Gabe! Kennen wir den gegenwärtigen Genuss, der damit in Verbindung steht? Findet alle Aktivität unseres Tuns seine Kraft in dieser Gemeinschaft?

Ist es nur der Heilige Geist, der den Durst der Seele stillt? Fängt das nicht schon eher an, wenn wir durch den Glauben an den Herrn Jesus den vollen Frieden unserer Seele finden? Das wird bewirkt durch das ewige Leben in uns. Vielleicht können wir es so ausdrücken, dass wir in der Gabe Gottes den Genuss des ewigen Lebens in der Kraft des Heiligen Geistes und in der Auswirkung der Anbetung verstehen können. Der Heilige Geist kommt nur in einen Menschen hinein, der schon das ewige Leben besitzt. Ein unermesslicher Segen, den wir nicht zu erfassen vermögen!

Der natürliche Durst wird durch Wasser gestillt. Wasser ist für unseren Körper lebensnotwendig und hat auch eine wunderbar belebende Wirkung auf unseren Körper. Aber die Menschen suchen auch Wasser für ihre Seelen. Auch das wird in dieser Welt angeboten, denken wir nur an die Philosophie, an die verschiedenen Religionen, auch an die verschiedenen Auslegungen der Bibel, die nicht schriftgemäß sind. Aber all das vermag das tiefe Verlangen der Seele nicht zu stillen – wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Lassen wir uns davor warnen, solches Wasser zu suchen, das den Durst der Seele nicht stillen kann! Es mag interessant erscheinen, aber man gelangt da oft in eine Abhängigkeit von Systemen, die tiefe Not für die Seele bringen. Es gibt viel gefährliche Literatur, die aus dem Geist der Menschen hervorkommt, da müssen wir überaus vorsichtig sein und uns bewusst davon abwenden.

Seit dem Sündenfall ist der Mensch dadurch gekennzeichnet, dass er Durst hat nach etwas, was er nicht besitzt; dass er hinter etwas herläuft, was er nie zu fassen bekommt. Die edelste Form von diesem geistlichen Durst ist die menschliche Hoffnung. Darin tröstet sich der Mensch irgendwie, und hat doch nichts in der Hand, er dürstet weiter. Völliger Frieden bzw. Ruhe der Seele ist allein in dem Herrn Jesus zu finden.

Im Unterschied zu irdischem Wasser gibt es ein göttliches Wasser, lebendiges Wasser, das bewirkt, dass der, der davon trinkt, nicht dürsten wird in Ewigkeit. Gott hat nicht nur ewiges Leben gegeben, sondern in dem Gläubigen etwas völlig Neues bewirkt; er besitzt jetzt eine Kraftquelle, die so wirkt, dass er nie wieder Durst haben wird, jegliche Befriedigung ist damit verbunden. Gott, der Heilige Geist, gibt dem Leben in uns Kraft und Ziel und befähigt den Gläubigen, zur Ruhe zu kommen. Ist uns bewusst, wen Gott uns gegeben hat? Haben wir schon dafür gedankt, dass Gott, der Heilige Geist, uns geschenkt worden ist? Er ist eine Kraftquelle in uns, die in der Lage ist, jeglichen Anforderungen Gottes an den Menschen zu entsprechen (Röm 8,2). Der Heilige Geist ist eine Person der Gottheit, wird hier aber als Quelle der Kraft vorgestellt; nächst der Person des Herrn Jesus ist Er die größte Gabe, die Gott uns geschenkt hat.

Wir finden im Johannes-Evangelium sieben wertvolle Aussagen mit dieser stärksten Form der Verneinung zukünftigen Geschehens, es bedeutet immer soviel wie niemals nicht, nimmermehr, keinesfalls:

  • „Wer irgend aber von dem Wasser trinkt...den wird nicht dürsten in Ewigkeit“ (Joh 4,14)
  • „Wer zu mir kommt, wird nicht hungern“ (Joh 6,35)
  • „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37)
  • „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln“ (Joh 8,12)
  • „Wenn jemand mein Wort bewahrt, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit“ (Joh 8,51)
  • „Wnd sie gehen nicht verloren in Ewigkeit“ (Joh 10,27+28)
  • „Jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit“ (Joh 11,26)

„Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht mehr hierher komme, um zu schöpfen.“ (Vers 15)

Hier beginnt der zweite große Teil in der Unterredung des Herrn Jesus mit dieser Frau. Ihre Bitte macht deutlich, dass ihr Interesse geweckt worden ist, aber es macht auch deutlich, dass sie von dem, was der Herr Jesus vorgestellt hatte, noch nichts verstanden hatte. Sie denkt immer noch an den natürlichen, menschlichen Durst; sie will nicht mehr zu diesem Brunnen kommen müssen, um das Wasser zu schöpfen. Das treibt auch den natürlichen Menschen bis heute an: er möchte die natürlichen Bedürfnisse gestillt bekommen, ohne sich dafür anstrengen zu müssen.

Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm hierher!“ (Vers 16)

Der Herr lässt sich wieder überhaupt nicht beeinflussen durch das fehlende Verständnis der Frau und durch ihre Frage. Er sagt ihr nicht, dass Er gar nicht von diesem Wasser spricht, sondern Er geht einfach weiter bis Er zu Seinem Ziel mit dieser Frau kommt.

Und Er spricht jetzt ihr Gewissen an. Die Frage der Sünde in ihrem Leben muss angesprochen und geklärt werden. Und der Herr tut das auf eine göttlich vollkommene Weise. Er spricht das Problem in ihrem Leben treffsicher und punktgenau an – aber Er offenbart Gnade, denn Er verurteilt nicht. In dem „geh hin“ wird deutlich, dass die Sünde in ihrem Leben sie noch von Gott trennt; aber in dem „komm hierher“ zeigt Er, dass Er Gnade Gottes offenbaren möchte, dass Er ihr gern etwas schenken möchte. Ihre Sünde ist vor Gott offenbar, aber nicht zu ihrer Verdammnis. Elihu hatte einmal dem Hiob mit den Worten Hoffnung gemacht, dass sein Druck nicht schwer auf ihm lasten würde (Hiob 33,7). In der Überführung und Seelsorge ist das Ausüben von Druck kein zielführendes Mittel.

Die Worte des Herrn sind ein schönes Beispiel für die Worte aus Joh 1,17: „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“. Das Gesetz hätte die Sünde und damit auch diese Frau verurteilt. Aber jetzt war der Herr Jesus gegenwärtig, und Er übt hier Gnade und hält gleichzeitig die Wahrheit aufrecht. Bei Ihm geht nie Gnade auf Kosten der Wahrheit, und genauso übt Er nicht Wahrheit aus, ohne die Gnade hochzuhalten. Beides ist bei Ihm in vollkommenem Gleichklang.

„Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann.“ (Vers 17a)

Der Herr hatte die Frau mit den Worten aufgefordert: „Rufe deinen Mann“, und hatte damit von einer Beziehung gesprochen, wie sie nach den göttlichen Maßstäben richtig gewesen wäre. Die Antwort der Frau ist der Versuch einer Ausflucht. Aus dem, was sie erwidert, und aus dem, was der Herr ihr weiter darauf antwortet, kann man nicht schließen, dass sie fünfmal verheiratet gewesen war und jetzt mit einem Mann zusammenlebte, ohne verheiratet zu sein. Vom Grundtext her ist nicht klar zu sagen, ob hier von Ehemann oder ganz allgemein nur von Mann gesprochen wird. Es könnte genauso gut sein, dass sie mit keinem der sechs Männer verheiratet gewesen war. Gott hatte gesagt: ein Mann und eine Frau (1.Mo 2,24), und dass diese Frau hier sogar mit einem sechsten Mann in Beziehung stand, macht deutlich wie weit weg diese verworfene Frau von den Gedanken Gottes war. Wie immer auch diese verschiedenen Beziehungen zu den Männern geartet sein mochten, sie konnten vor dem Auge Gottes nicht standhalten.

„Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; hierin hast du die Wahrheit gesagt.“ (Joh 4,17.18)

Diese Frau war in ihrem bisherigen Leben nur auf der Suche nach der Erfüllung ihrer fleischlichen Begierde gewesen. Ihr Leben zeigt bildhaft, dass der Mensch immer wieder das Gleiche tut und doch nie zur Befriedigung kommt. Paulus schreibt an Timotheus von solchen, die „mit Sünden beladen, von mancherlei Begierden getrieben werden, die allezeit lernen und niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können“ (2.Tim 3,6+7). Und in einem Lied singen wir: „Sie suchen, was sie nicht finden in Liebe und Ehre und Glück, und sie kommen beladen mit Sünden und unbefriedigt zurück“.

Erst in Vers 26 hat ihr Suchen in der Person des Herrn Jesus ein Ende gefunden, und dann kann sie auch ihren Wasserkrug, der bis dahin der zentrale Punkt ihres ganzen Denkens war, stehen lassen. Mit dieser scheinbar nebensächlichen Erwähnung in Vers 28 gibt Gott uns eine Belehrung auf moralischem Boden. Es ist der Hinweis darauf, dass dieses Suchen endlich ein Ende gefunden hatte. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Menschen von Bindungen und Süchten frei werden können, ihren Krug stehen lassen können, wenn Gott in ihnen ein Werk tun konnte. Er wirkt immer vollkommene Befreiung.

Zweimal betont der Herr, dass die Frau mit dem, was sie geantwortet hatte, die Wahrheit gesagt hatte. Aber die ganze Wahrheit hatte sie doch nicht gesagt, hatte versucht zu verbergen und wollte sie nicht ans Licht bringen. Deshalb sagt Er ihr dann die ganze Wahrheit direkt auf den Kopf zu. Dadurch wird der Frau ihr wirklicher trauriger Zustand offenbart. Mit einem einzigen Satz macht Er ihr ganzes Leben offenbar. Vielleicht wusste kein anderer in der Stadt von diesem Zustand (vgl. Eph 5,12; Mk 4,22), aber vor den Augen des Herrn ist alles bloß und aufgedeckt (Hebr 4,13).

„Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist“. (Vers 19)

Durch die Worte des Herrn ist das Gewissen der Frau getroffen. Sie sieht sich in das Licht Gottes gestellt und erkennt ihren Zustand. Sie nennt den Herrn einen Propheten; damit ist hier nicht gemeint, dass Er jemand sei, der die Zukunft vorausgesagt hätte. Ein Prophet ist jemand, der mit Aussprüchen Gottes die Seelen der Hörer in das Licht Gottes stellt. Zweimal wird sowohl von Elia als auch von Elisa gesagt, dass sie solche waren, die vor dem Angesicht Gottes standen (1.Kön 17,1; 18,15; 2.Kön 3,14; 5,16). Die Frau sah sich in der Gegenwart eines Boten Gottes, der ihr direkt Worte aus der Gegenwart Gottes in ihr Gewissen redete.

Es ist eine Gefahr in unseren Tagen, dass das Wort Gottes nur zum Herzen der Hörer geredet wird und nicht zu ihrem Gewissen. Das ist zu wenig. Wenn das Gewissen nicht erreicht wird, kommen wir nicht in das Licht Gottes. Und nur dann erkennen wir die Notwendigkeit der Errettung, und dass es nur einen Weg gibt, auf dem wir errettet werden können. Wer nicht in Sündennot kommt, meint auch nicht, dass er einen Retter nötig hätte.

Was der Herr Jesus hier in Seiner Weisheit tut, das können wir nicht tun, weil wir nicht allwissend sind und den Lebenshintergrund der Menschen in der Regel nicht kennen. Aber Er ist uns doch ein Vorbild in dem, was Er tut: Er stellt der Frau ganz klar ihre Schuld vor Augen und macht sie sich dadurch ihrer Schuld bewusst. Wenn ein Mensch wirklich vor seine eigene Schuld gestellt wird, dann gibt es nur zwei Reaktionen: entweder er stellt sich der Schuld, dann wirkt Gott weiter, oder er wendet sich ab und geht (vgl. Joh 8,7–9). Leider erleben wir oft, dass man weggeht.

Das gilt übrigens auch für uns Gläubige! Wenn unser Gewissen in einer Sache in das Licht Gottes gestellt wird, ist das ein ganz entscheidender Punkt. Wenn ich dadurch zu einem Bekenntnis und einer Umkehr geführt werde, ist es gut. Aber wenn ich mein Gewissen verschließe und in dem fortfahre, worauf mich Gott durch ein prophetisches Wort aufmerksam gemacht hat, wird es außerordentlich gefährlich. Wir wollen deshalb achtsam sein, wenn Gott uns ein prophetisches Wort sagen lässt.

Diese Frau aber bleibt stehen, und wir können sicher sein, dass in diesem Augenblick der Geist Gottes in ihrem Herzen wirkte. Wir erkennen jetzt auch, wie wichtig die ersten Verse in dieser Unterredung waren. Warum ist die Frau nicht davongegangen? Weil sie den Herrn kennengelernt hatte als einen, der von Gnade geprägt ist, der sich ihr zugewendet hatte. Sie hatte empfunden, dass Er sie nicht richten wollte. Sie hatte Ihn nicht nur verstandesmäßig als Prophet bezeichnet, sondern sich vor Ihm offenbart gefühlt.

„Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse.“ (Vers 20)

Die Frau versucht jetzt wieder, auszuweichen und das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Diese beiden Erfahrungen macht man oft in Gesprächen mit Verlorenen, dass einerseits Unverständnis vorhanden ist und andererseits man ausweichen möchte. Aber der Herr lässt sich wieder nicht von Seinem Ziel abbringen.

Wenn sie jetzt beginnt von Anbetung zu sprechen, nimmt sie sich selbst doch davon aus, denn sie spricht im Blick auf die Samariter von den Vätern. Ob sie vielleicht empfand, dass der persönliche Zustand ihres Lebens nicht passend war für die Anbetung Gottes? Aber sie sah in dem Herrn den Boten Gottes und stellt jetzt die Frage, welches denn der richtige Weg sei, um Gott in Anbetung zu nahen.

Mit dem Berg, den sie hier anführt, meint sie den Berg Gerisim. Auf diesem Berg sollte Josua den Segen über das Volk im verheißenen Land aussprechen (5.Mo 11,29; 27,12; Jos 8,33). Als dann in der späteren Geschichte des Volkes diese samaritische Mischreligion entstand, wählten sie sich zu ihrem Heiligtum den Berg Gerisim in der Nähe von Sichem. Mit ihren Worten macht die Frau deutlich, dass sie der Anbetung der Samariter eine höhere Bedeutung beimaß, als dem, was die Juden darüber sagten. Die Anbetung der Samariter ist nach ihren Worten absolut positiv, und was die Juden darüber so sagten, stellt sie in einen gewissen Gegensatz dazu. Damit distanziert sie sich in gewisser Hinsicht von der jüdischen Anbetung und fragt den Herrn, was denn nun das Richtige sei.

Die Anbetung der Juden im Alten Testament war von Gott gegeben worden. Gott hatte einen Bund mit einem Volk gemacht, dass Er zu Seinem Volk erklärt hatte, und hatte ihm Anweisungen über Anbetung gegeben hatte. Diese Anbetung war nicht geistlich, sondern materiell. Die von Gott angeordnete Anbetung der Israeliten bestand in Opfern, Schlachtopfern, bei denen das Volk die wahre Bedeutung in ihrer ganzen Tiefe überhaupt nicht verstehen konnte. Und es kommt noch hinzu, dass diese Opfer gar nicht der tiefste Gedanke Gottes waren. Ihm ging es auch damals um die Anbetung aus dem Herzen (vgl. Ps 141,2). David hatte offenbar verstanden, dass die materiellen Opfer zwar eine äußerliche Anordnung Gottes waren, aber nicht Sein tiefstes Sehnen befriedigten. Und durch gottesfürchtiges Sinnen darüber sind manche Gläubige des Alten Testaments zu der Erkenntnis gelangt, dass es Gott weit mehr um den Zustand der Herzen Seines Volkes in innerer Anbetung ging.

Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.“ (Vers 21)

Das einzige Hilfsmittel, wenn verschiedene Meinungen aufeinanderprallen, ist, allein dem zu vertrauen, was der Herr zu dieser oder jener Frage sagt. Das ist ganz besonders wichtig, wenn es – wie hier – um den Ort der Anbetung geht. Die Antwort auf unterschiedliche Meinungen im Blick auf den Ort der Anbetung ist immer, dem zu glauben, was der Herr darüber sagt. Er lässt eine aufrichtig suchende Seele nicht im Unklaren darüber. Als die Jünger den Ort für das Passah bereiten sollten, hatten sie den Herrn gefragt, wo Er das haben wollte (Mk 14,13). Sie sollten dem Mann mit dem Wasserkrug folgen, und der führte sie genau dorthin, wo der Herr es haben wollte. Das sind auch heute unsere göttlichen Führer in jeder Frage: das Wort des Herrn und die Leitung des Heiligen Geistes.

Der Herr Jesus ist allein derjenige, der kompetent ist, die Frage zur Anbetung zu beantworten. Er zeigt der Frau, dass weder der Berg Gerisim noch die Stadt Jerusalem der Ort der Anbetung sei, sondern dass es um die Anbetung einer Person geht – ein ganz neuer Inhalt. Die Feststellung der Frau ist eigentlich schon überholt. Mit einem einzigen Satz wischt der Herr Jesus die Jahrhunderte alte Religion der Samariter und auch die von Gott selbst verordnete Ordnung des jüdischen Gottesdienstes beiseite! Niemand anderes hätte das tun können oder tun dürfen, nur der Sohn Gottes selbst; und Er allein ist es auch, der jetzt diesen neuen Gegenstand der Anbetung des Vaters einführt.

Ihr betet an und wisst nicht, was; wir beten an und wissen, was; denn das Heil ist aus den Juden“. (Vers 22)

Der Herr sagt jetzt nicht wie die Frau vorher, dass nur die Väter der Samariter auf dem Berg Gerisim angebetet haben, sondern dass alle Samariter es auch jetzt noch tun. Diese Religion der Samariter war eine von Menschen ersonnene Religion, vermischt mit jüdischen Elementen. Religion in diesem Sinn meint ein System von Schritten, die der Mensch tun muss, um aus eigener Anstrengung zu Gott zu kommen – unabhängig davon, wer dieses System erdacht und eingerichtet hat. Was findet man nicht auch heute alles auf diesem Gebiet! Alles, was nicht das Wort Gottes zur Grundlage hat, ist menschliche Religion; alles außer dem Christentum ist menschliche Religion. Auch das Judentum heute ist eine menschliche Religion, obwohl sie zur Zeit des Alten Testaments die einzige göttliche Religion war (Apg 25,19). Gott hatte den Menschen Seines irdischen Volkes ein System gegeben, dass ihnen Leben und Segen schenken würde, wenn sie es erfüllten (3.Mo 18,4+5; 5.Mo 6,1–3). Dieses System, diese Religion war als einzige vollkommen, weil sie von Gott gegeben war. Und gerade diese Religion konnte der Mensch wegen seiner Sündhaftigkeit nicht halten und deshalb auf diesem Weg nicht zu Gott kommen.

Der Herr Jesus ist der, in dem allein das Heil zu finden ist. Paulus schreibt den Römern, dass aus dem irdischen Volk Gottes dem Fleisch nach der Christus ist (Röm 9,3–5). In diesem Sinn ist das Heil aus den Juden. Für die christliche Anbetung musste aber erst das Werk am Kreuz von Golgatha vollbracht werden. Wenn der Herr Jesus dieses Werk nicht vollbracht hätte, könnte es keine Anbetung in Geist und Wahrheit geben. Wie groß ist diese Person! In Ihm nimmt diese Stunde der christlichen Anbetung ihren Anfang, Er ist der Begründer dieser Anbetung. Wir Christen aus den Nationen sollen auch nie vergessen, dass das Heil aus den Juden ist, dass der, der das Heil bewirkt hat, aus dem Judentum stammt (2.Tim 2,8).

Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten“. (Vers 23+24)

Jetzt führt der Herr die Frau zu einer Zeit, wo beides beiseitegesetzt sein wird, sowohl die menschliche Religion der Samariter als auch die von Gott verordnete Religion der Juden. Etwas völlig Neues würde kommen. Diese Stunde, von der Er hier spricht, ist keine Stunde von 60 Minuten, sondern eine Zeitepoche. Sie war zu dem Zeitpunkt dieses Gesprächs noch nicht gekommen. Wenn der Herr Jesus hier sagt, dass diese Stunde jetzt sei, so hatte sie damals zwar noch nicht direkt begonnen, aber ihr Fundament dadurch bekommen, dass Der, der sie einführte, schon anwesend war.

Anbetung in Geist und Wahrheit kann es erst geben nach dem vollbrachten Erlösungswerk und dem Herabkommen des Heiligen Geistes. Die Anbetung Gottes als Vater ist die einzige Tätigkeit, die wir als Gläubige hier auf der Erde beginnen und die in alle Ewigkeit fortdauern wird. Alles andere wird aufhören: Belehrung, Ermahnung, Konferenzen, Evangelisationen – alles wird es dann nicht mehr geben. Aber die Anbetung wird dann erst zu ihrer vollen Entfaltung kommen.

Wahrhaftige Anbeter sind wahre, wirkliche Anbeter. Das setzt voraus, dass ein Anbeter neues Leben hat, dass er sich der Vergebung seiner Sünden gewiss ist. Wir kennen heute christliche Zusammenkünfte, in denen wahre Gläubige mit ungläubigen Menschen zusammen Gott Anbetung bringen wollen. Aber wo solche Vermischung stattfindet, kann nicht unser Platz sein, denn Gott kann diese Art von Anbetung niemals anerkennen.

Es wird nicht oft von Gott gesagt, dass Er etwas sucht. „Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist“ (Lk 19,10). Und unter denen, die errettet worden sind, sucht der Vater solche, die Ihn anbeten. Wie sieht das in der Realität aus? Satan hat nur ein Ziel: Ungläubige von Gott fern zu halten und Gläubige vom Vater fern zu halten. Das Bewusstsein der intimen Nähe des Kindes Gottes zum Vater findet seinen höchsten Ausdruck in der Anbetung des Vaters in Geist und Wahrheit – und genau das sucht der Teufel ständig zu verhindern und zu unterbinden.

Christliche Anbetung

Christliche Anbetung ist etwas ganz Erhabenes! Was bedeutet Anbetung? Anbetung ist die Antwort unserer Herzen auf eine Offenbarung Gottes. Wenn wir etwas erkennen von der Größe und Herrlichkeit des Herrn Jesus, ist die Reaktion unserer Herzen Anbetung. Und im Mittelpunkt unserer Anbetung steht eine Person. Gott offenbart sich mit dem Ziel, Anbetung zu empfangen. Anbetung ist das, was wir Gott über das sagen, was Er in Sich selbst ist und wir darüber erkannt haben. Wir beten Ihn an für das, was Er in Seinem tiefsten Wesen in Sich selbst ist. Wenn man anbeten will, muss man Gott kennen. Und deshalb konnte es, solange der Vater nicht offenbart war, auch keine Anbetung des Vaters geben in Geist und Wahrheit. Anbetung ist auch das, was wir Gott sagen über die Person Seines Sohnes, was wir an Ihm gefunden haben. Denn nur durch Ihn haben wir überhaupt Kenntnis von Gott als Vater, alles, was wir von Gott wissen, ist in dem Herrn Jesus zu sehen.

Anbetung in Geist und Wahrheit konnte im Alten Testament nicht geschehen, weil Gott noch nicht vollkommen offenbart war. In dem Sinn wie der Herr Jesus hier von Anbetung spricht, ist Gott nie im Alten Testament angesprochen worden. Niemand im Alten Testament wusste, was Gott in Seinem tiefsten Wesen als Vater bedeutete. Auch Engel beten Gott in diesem Sinn nie als Vater an. Auch in der Zeit nach der Entrückung der Versammlung wird Gott auf dieser Erde wieder angebetet werden, aber nicht in dem Sinn dieser Verse hier. Nur durch den Sohn auf der Erde wurde Gott als Vater offenbart (Mt 11,27); als der ewige Sohn, der im Schoß des Vaters ist (Joh 1,18), war Er der einzige, der das tun konnte. Er konnte zu Philippus sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Auf dieser Erde wird Gott als Vater nur jetzt in dieser wunderbaren Zeit der christlichen Haushaltung, in der wir leben, angebetet. Erst als der Herr das Erlösungswerk vollbracht hatte und nach Seiner Auferstehung Maria Magdalene den Auftrag an ihre Mitgläubigen gab: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott“, wurde offenbar, dass die Kinder Gottes einen Vater haben.

Vater ist das tiefste Wesen Gottes! Als Gott die Welt geschaffen hatte, trat Er als Schöpfer in Erscheinung; als Er sich mit Abraham beschäftigte, stellte Er sich ihm als der Allmächtige vor. Als Er mit Israel in Beziehung trat, offenbarte Er sich als Herr [Jehova, der ewig Seiende]. Alle diese verschiedenen Charaktereigenschaften bringen nur die unterschiedlichen Beziehungen Gottes zu Seinen Geschöpfen zum Ausdruck. Das, was Er war, kam darin nicht zum Ausdruck. Aber Gott als Vater hängt damit zusammen, dass es eine Drei-Einheit innerhalb der Gottheit mit ihren Beziehungen gibt. Und die Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn ist im Gegensatz zu dem Charakter Gottes als Schöpfer oder als Herr eine ewige Beziehung. Gott ist ewig Vater, und der Herr Jesus war vor Seiner Menschwerdung ewig Sohn. Und zwischen diesen beiden Personen der Gottheit kam in der Ewigkeit die Liebe Gottes in einer vollkommenen und ungestörten Art und Weise zur Entfaltung (Joh 17,24). Wahre Liebe ist auch in der Natur eine der höchsten Beziehungen, die es gibt; und innerhalb der völlig ebenbürtigen Personen der Gottheit bestand

Achim Zöfelt

Gesammelte Brocken (211)

Mi, 06/13/2018 - 00:01

Das Meer der Liebe Gottes hat keinen Grund und kein Ufer. Wir können uns darin verlieren.

Prediger sollen nicht über die Köpfe hinweg, sondern ins Herz hinein predigen.

Wo der Geist weht, macht man nicht Wind um sich selbst.

Mach es wir die Sonnenuhr, zähl die heit´ren Stunden nur.

Wahrheit um jeden Preis; Frieden, wenn möglich (M. Luther).

Bringe den Menschen das Wort Gottes. Das allein bringt’s.

Das Johannes-Evangelium (09) - Kapitel 2,23-3,36

Di, 06/12/2018 - 00:01

Bibelstellen: Johannes 2,23-3,36

Aufzeichnungen aus der Betrachtung über

Johannes 2,23 – 3,36

Dillenburg 2017


Überblick über Johannes 1 und 2

Im Johannes-Evangelium wird der Herr Jesus viel deutlicher als in den anderen drei Evangelien von Anfang an als der von Seinem irdischen Volk und von der ganzen Welt Verworfene vorgestellt (Joh 1,10+11). Dass der Herr Jesus als Messias für Sein Volk kommen würde, und dass die Juden Buße tun sollten, um in das Reich einzugehen (vgl. Joh 1,23), steht in diesem Evangelium nicht im Vordergrund. Hier wird von Anfang an das Werk des Herrn Jesus als Werk für alle Menschen vorgestellt (Joh 1,29). Das ist ein ganz herausragendes Merkmal des Johannes-Evangeliums. Sofort wird die globale Auswirkung des Werkes des Herrn vorgestellt, nicht auf Israel beschränkt, sondern für die ganze Welt. Das 1000-jährige Reich ist zwar auch Thema bei Johannes, aber es steht nicht so im Vordergrund, weil der Herr Jesus von Anfang an als verworfen betrachtet wird.

In den ersten beiden Kapiteln des Johannes-Evangeliums werden von dem Apostel Johannes drei Tage einge-führt, die ganz offensichtlich prophetischen Charakter haben. Es ist in diesen Kapiteln noch von weiteren Tagen die Rede (vgl. Joh 1,29), die aber rein historischen und nicht prophetischen Charakter haben. Die Darstellung von Haushaltungen ist eigentlich überhaupt nicht Thema bei Johannes, aber man findet es in diesem Evangelium in der gleichen Weise noch einmal in den beiden letzten Kapiteln im Zusammenhang mit den Erscheinungen des Herrn nach Seiner Auferstehung. Wenn wir dort rein rechnerisch vorgehen, kommen wir in Joh 21,14 auch auf mehr als drei Erscheinungen des auferstandenen Herrn. Aber dort ist es genau die gleiche Zählweise wie bei den Tagen in Johannes 1 und 2; es werden nur die Erscheinungen gezählt, die prophetischen Charakter haben:
• in Joh 20,19–23 haben wir die erste Erscheinung, wo der Herr mit dem zweifachen Gruß „Friede euch“ in die Mitte der Jünger trat; diese Szene stellt unsere heutige Zeitepoche der Gnade dar mit der Gegenwart des Herrn in unserer Mitte,
• in Joh 20,24–29 haben wir die zweite Erscheinung in der Szene mit Thomas den überführten Überrest Is-raels vorgebildet, der den Herrn als seinen Herrn und seinen Gott anerkennt,
• in Joh 21,1–14 in dem großen Fischzug haben wir dann die dritte Erscheinung des Herrn, die den Segen des 1000-jährigen Reiches vorbildet.

In genau der gleichen Reihenfolge entsprechen diese drei Erscheinungen den drei Tagen in Johannes 1 und 2.
• zurückgehend von dem dritten Tag in Joh 2,1 haben wir also in Joh 1,35–42 den ersten Tag, wo zwei der Jünger von Johannes dem Täufer zu dem Herrn Jesus kommen und sich um Ihn versammeln. Das ist of-fenkundig die Epoche, in der wir heute leben, der Tag der Gnade, wo der Herr Jesus die Heiligen um sich versammelt.
• in Joh 1,43–51 haben wir dann den zweiten Tag, an dem zunächst Philippus und dann Nathanael gezeigt werden, die ganz deutlich für die Wiederherstellung des Überrestes aus Israel in späteren Tagen stehen. Nathanael anerkennt den Herrn als Sohn Gottes und als König Israels. Diese Epoche ist von unserem heutigen Standpunkt aus noch zukünftig.
• der dritte Tag in Joh 2,1–11 zeigt dann den Tag der Wiederherstellung aller Dinge; es ist der Tag, der durch Freude auf der ganzen Erde gekennzeichnet sein wird – der Herr Jesus offenbart Seine Herrlich-keit (Joh 2,11). Diese drei Tage sind also ein prophetischer Überblick über ganz wichtige Epochen in den Wegen Gottes.

Im Anschluss an die Hochzeit in Kana war der Herr Jesus dann einige wenige Tage mit Seiner irdischen Mutter, Seinen Brüdern und Seinen Jüngern in Kapernaum gewesen (Joh 2,12). Joseph wird hier schon nicht mehr er-wähnt, zeitlich gesehen finden wir den letzten Hinweis auf ihn in Lk 2,41–52, wo die Eltern des Herrn Jesus am Passahfest nach Jerusalem hinaufgingen. Man kann deshalb annehmen, dass Joseph hier in Johannes 2 schon ge-storben war.

Nach diesen wenigen Tagen in Kapernaum war der Herr Jesus zu dem Passah der Juden nach Jerusalem hinaufge-gangen (Joh 2,13 ff.). Die bei dieser Begebenheit stattfindende Tempelreinigung durch den Herrn Jesus ist nicht identisch mit der Tempelreinigung, die in den drei übrigen Evangelien berichtet wird (Mt 21,12–17; Mk 11,15–19; Lk 19,45+46). Diese zweite Tempelreinigung fand ganz offensichtlich zu einer ganz anderen Zeit statt. Hier in Johannes 2 ist es das erste Passah, das der Herr Jesus vor Beginn Seines öffentlichen Dienstes erlebt; die Tempel-reinigung, die in den übrigen drei Evangelien berichtet wird, findet eindeutig während des letzten Passahs kurz vor dem Tod des Herrn Jesus statt.

Der Herr Jesus hatte zu jener Zeit noch den Tempel als das Haus Seines Vaters anerkannt und trieb alle Elemente, die den Tempel verunreinigten, hinaus. Den Juden war dieses Vorgehen außergewöhnlich und sie verlangten ein Zeichen von Ihm, was Er auch zu geben bereit war. Seine Antwort wurde von den Juden so verstanden, als hätte Er von dem herodianischen Tempel gesprochen, der abgebrochen und nach drei Tagen wieder aufgerichtet wer-den würde. Er sprach aber von dem Tempel Seines Leibes – die Fülle der Gottheit wohnte und wohnt in dem Herrn Jesus (Kol 1,19; 2,9). Er wusste, dass der Tod, den Er von den Menschen erleiden würde, Sein Teil sein würde, aber dass Er selbst diesen Tempel Seines Leibes durch die Auferstehung wieder aufrichten würde.

Der Herr Jesus gab ihnen auf ihren Wunsch hin also das gewaltige Zeichen Seiner Auferstehung. Immer wieder in diesem Evangelium finden wir diese Tatsache, dass der Herr Jesus von Anfang an bereit war, Sein Leben zu ge-ben. In gewissem Sinn waren es die Juden gewesen, die den Tempel Seines Leibes abgebrochen hatten, denn unter dem Gesichtspunkt ihrer Verantwortlichkeit hatten sie Ihn umgebracht. Auf der anderen Seite aber war Er es selbst, der Sein Leben freiwillig gab – und Er war es auch, der es wiedernahm.

Was die Auferstehung des Herrn betrifft, ist es auch wahr, dass der Vater Ihn auferweckt hat (z.B. Eph 1,20; Röm 6,4); aber hier spricht der Herr Jesus von dem, was Er tun würde. Er selbst ist es, der in Seiner Auferstehung Sein Leben wiedernimmt (vgl. Joh 10,17+18). Diese Antwort auf die Forderung nach einem Zeichen wurde selbst von Seinen Jüngern erst dann verstanden, als der Herr auferstanden und in den Himmel zurückgekehrt war und ihnen den Heiligen Geist gesandt hatte.

Einleitung zu Johannes 3

In den Versen 23–25 von Johannes 2 haben wir dann eine gewisse Hinführung auf das dritte Kapitel, denn die Verse gehören inhaltlich schon zu Johannes 3. Der Geist Gottes zeigt uns in Kapitel 3, dass der Mensch von Na-tur niemals, selbst unter den besten Voraussetzungen, in der Lage ist, ein Leben in Übereinstimmung mit Gott zu führen, oder wie der Herr es dem Nikodemus sagt, in das Reich Gottes einzugehen. Es wird uns gezeigt, was die Natur des Menschen ist, selbst in ihrem edelsten Fall, und welche Veränderung nötig ist, um dieses Ziel doch zu erreichen, nämlich die Neugeburt. Und dann finden wir in diesem Kapitel auch die grundlegende Voraussetzung dafür, das ewige Leben zu erlangen, eine weit höhere Tatsache als die Neugeburt: den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus.

Von Kapitel 3 bis 7, in denen ja der Schwerpunkt auf dem Thema Leben liegt (Kapitel 8 bis 12 Thema Licht; Ka-pitel 13 bis 17 Thema Liebe), haben wir eine gewisse fortschreitende Linie. In Kap 3 sehen wir, dass für jeden Menschen, egal zu welcher Haushaltung er gehört, die neue Geburt notwendig ist, um in das Reich Gottes einzu-gehen. Ohne neue Geburt gibt es keine Beziehung zu Gott. In Joh 3,16 finden wir dann das ewige Leben, und das ist eine zweite Gabe Gottes, mit der aber nur die Gläubigen der Gnadenzeit gesegnet sind. Es ist ein Leben von ganz neuer Qualität, Leben in Überfluss (Joh 10,10), das Leben, das in dem Sohn ist. Und dieses ewige Leben be-darf einer Kraft, um tätig zu werden, und das finden wir in den Worten des Herrn Jesus in Joh 4,10: es ist die Per-son des Heiligen Geistes, das lebendige Wasser (vgl. Joh 7,38+39). Wir Gläubigen der Gnadenzeit genießen die-ses besondere Vorrecht, dass wir den Heiligen Geist besitzen, dass wir diese göttliche Person in uns wohnen ha-ben, die die Kraftquelle zur Entfaltung des ewigen Lebens ist. Der Heilige Geist ist es, der uns befähigt, in Geist und Wahrheit anzubeten (Joh 4,23+24), und der uns auch zum Segen für andere benutzen will (Joh 7,38). Diese beiden Auswirkungen sowohl in vertikaler Richtung in Anbetung zu Gott als auch in horizontaler Richtung zu den Menschen finden wir auch in der heiligen und der königlichen Priesterschaft in 1.Petr 2,5+9 vorgestellt.

„Als er aber in Jerusalem war, am Passah, auf dem Fest, glaubten viele an seinen Na-men, als sie seine Zeichen sahen, die er tat.“ (Vers 23)

Wir finden den Herrn Jesus hier noch in Jerusalem, also in Judäa, wohin Er von Kapernaum in Galiläa aus wegen des Passahs gegangen war (Joh 2,12+13). Diese Begebenheiten finden wir nicht in den übrigen Evangelien, in de-nen die Beschreibung Seines öffentlichen Dienstes in Galiläa beginnt. Offensichtlich hatte der Herr Jesus vor Beginn Seines eigentlichen öffentlichen Dienstes verschiedene wunderbare Dinge zum Wohl der Menschen ge-tan. Und diese Zeichen nahmen die Juden zum Anlass, an Ihn zu glauben.

Dieser Glaube war aber nicht der gleiche Glaube wie bei den Jüngern in Joh 2,22, die Ihn in ihr Herz aufgenom-men hatten (Joh 1,12). Hier der Glaube bei den Juden war ein Für-Wahr-Halten dessen, was sie sahen, mehr nicht. Es war ein rein intellektueller Glaube. Beispiele für diese Art Glauben finden wir immer wieder im Wort Gottes, z.B. bei den Pharisäern in Joh 8,30+31 oder bei Simon dem Zauberer in Apg 8,13; es ist ein rein verstandesmäßi-ger Glaube, weil gewisse Dinge unumstößlich bewiesen sind, aber dieser Glaube ist total vergeblich (1.Kor 15,2), er hat keine Grundlage.

Diese Juden waren durch die Zeichen des Herrn Jesus, durch das, was äußerlich wahrzunehmen war, so in den Bann gezogen worden, dass sie glaubten. Aber ihr Gewissen war nicht erreicht worden. Ihre Empfindungen, ihr Verstand wurden erreicht, aber Herz und Gewissen nicht. Und gerade das ist der entscheidende Punkt. Heute in der Christenheit ist das noch genauso. Aufsehenerregende und äußerlich beeindruckende Wirkungen, wie z.B. in der charismatischen Bewegung, sprechen nur das religiöse Fleisch an und nie das Gewissen. Das Gewissen wird nur durch die klare Darstellung des Ernstes der Sünde und der Strafe Gottes darüber sowie des göttlichen Heil-mittels in der Person des Herrn Jesus angesprochen. Das muss auch heute in der Verkündigung des Evangeliums immer das Wichtigste sein! Wenn die Botschaft nicht einen Kern enthält, der das Gewissen erreicht, wird es wird keine wahren Bekehrungen geben.

Man sieht auch im weiteren Verlauf des öffentlichen Dienstes des Herrn im Johannes-Evangelium, dass der Zu-stand des Volkes der Juden immer ernster wird; die Juden, die in Joh 8,30 noch mit intellektuellem Glauben an den Herrn Jesus geglaubt haben, wollen Ihn am Ende der Unterredung des Herrn mit ihnen steinigen (Joh 8,59). Und in Joh 12,37, wo wir zeitlich gesehen am Ende des öffentlichen Dienstes des Herrn stehen, finden wir dann, dass, obwohl der Herr Jesus viele Zeichen vor ihnen getan hatte, sie noch nicht einmal mehr in diesem Sinn an Ihn glaubten. Sie hatten keine Anerkennung mehr für das, was Er unter ihnen wirkte.

„Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.“ (Vers 24+25)

Solchen Menschen kann sich der Herr nicht anvertrauen; Er schaut in ihr Herz und erkennt, dass ihr Gewissen nicht in das Licht Gottes gekommen ist. Mit solchen ist keine Gemeinschaft möglich, und Er bleibt auf Distanz.

Wenn jemand zum Glauben kommt, wird er ein Vertrauter des Herrn Jesus bzw. des HERRN (vgl. Hiob 29,4; Spr 3,32). In Seiner Gnade will Er uns zu Seinen Vertrauten machen. Er nennt uns Seine Freunde im Gegensatz zu den Knechten, die nicht wissen, was ihr Herr tut (Joh 15,15), weil Er alles, was Er von Seinem Vater gehört hat, uns kundgetan hat.

Der Herr Jesus wusste, was in dem Menschen war, das macht deutlich, dass Er der Sohn Gottes ist. Die Jünger in Apg 1,24 kannten diese Herrlichkeit des Herrn Jesus, dass Er der Herzenskenner aller ist.

„Es war aber ein Mensch von den Pharisäern, sein Name Nikodemus, ein Oberster der Juden.“ (Joh 3,1)

Jetzt lenkt der Heilige Geist den Scheinwerfer auf Nikodemus, der sich insofern von den übrigen Juden unter-schied, dass sein Gewissen erreicht worden war und er deshalb zu dem Herrn Jesus kam. Er glich ihnen in gewis-ser Hinsicht, aber er unterschied sich auch von ihnen, deshalb wird er mit diesem aber eingeführt. Ursprünglich gehörte er wohl zu der Schar der Juden aus Joh 2,23, aber in ihm hatte doch schon ein Werk Gottes begonnen. Er war auch ein solcher Jude, der darauf wartete, dass der Messias sich jetzt endlich offenbaren und das Reich auf-richten würde, aber er unterschied sich insofern von den übrigen Juden, als es bei ihm etwas weiter ging, dass sein Gewissen erreicht worden war und er deshalb zum Herrn Jesus kam. Er fühlte in sich Verlangen, zu dieser Person zu kommen. Und der Herr Jesus knüpft dann an das an, was durch den Geist Gottes in Nikodemus‘ Seele schon gewirkt worden war.

Und das Bemerkenswerte daran ist, dass er selbst das gar nicht realisiert hatte. Er wusste das für sich selbst gar nicht, dass in seiner Seele ein Werk Gottes im Entstehen war. Dieses geheimnisvolle Wirken Gottes in einer Seele ist einfach bewundernswert! Wir sehen darin die Wahrheit der Worte des Herrn in Joh 6,44: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht“.

Wir haben hier einen Obersten der Juden, einen Führer des Volkes Gottes, das nur die eine Hoffnung kannte, dass der Messias kommen würde, um das Reich Gottes aufzurichten. Das war der Gegenstand der Weissagungen des Alten Testamentes. Allerdings ging die Erwartung der Juden lediglich dahin, dass der Messias als der König des Reiches sie von dem Joch des römischen Herrschers befreien, die Römer aus dem Land vertreiben und ihnen ein angenehmes Leben auf der Erde ermöglichen würde. Das war die Hoffnung der Juden. Nur vor dem Hintergrund ist zu verstehen, dass sowohl Johannes der Täufer als auch der Herr Jesus immer von Buße sprechen. Die Juden hatten aber bis auf einen ganz kleinen gläubigen Überrest überhaupt nicht bedacht, dass mit ihren ungereinigten Herzen Gemeinschaft mit einem König, der vom Himmel kam, der der Sohn Gottes selbst sein würde, unmöglich ist. Sie waren wohl äußerlich das Volk Gottes, aber innerlich waren sie weit von Gott entfernt.

„Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Leh-rer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, wenn Gott nicht mit ihm ist“ (Vers 2)

Sein Kommen zu dem Herrn Jesus im Schutz der Dunkelheit zeugt allerdings davon, dass es mit einer gewissen Furcht, vielleicht vor der Kritik seiner Kollegen, verbunden war. Wahrscheinlich gehörte er zu der großen Zahl der Obersten des Volkes, die an den Herrn Jesus glaubten, Ihn aber wegen der Pharisäer nicht bekannten, um nicht aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden (Joh 12,42). Einmal war er ein wenig zögerlich für den Herrn Jesus eingetreten, und sofort musste er sich Vorwürfe von den Pharisäern deswegen anhören (Joh 7,50–52). Spä-ter allerdings leuchtet das Licht seines Zeugnisses doch heller, wenn er sich gemeinsam mit Joseph von Arimathia vor den Augen der ganzen Welt mit dem gestorbenen Christus eins macht (Joh 19,38–42).

Wir sehen daraus, dass Nikodemus die Belehrungen des Herrn Jesus in diesem Kapitel angenommen hatte und dadurch verändert wurde, so dass er sich schließlich öffentlich auf Seine Seite stellte. Es ist bewegend, dass in dieser Szene mit dem gestorbenen Heiland noch einmal auf seine erste Begegnung mit dem Herrn Bezug genom-men wird, wo er zuerst bei Nacht zu Ihm gekommen war. Am Ende der Laufbahn des Herrn Jesus auf dieser Erde, als es darum ging, Seinen gestorbenen Leib in ein Grab zu legen, schildert der Heilige Geist das geistliche Wachs-tum im Leben von Nikodemus. Es gibt ein Vorwärtskommen, Nikodemus war nicht stehengeblieben in seiner Entwicklung. Er hatte die Belehrungen des Herrn angenommen und war zur Stelle, als es darauf ankam. So ist es auch für uns wichtig, dass wir vorwärtskommen und nicht bei dem stehenbleiben, was wir vielleicht bis jetzt an Unvollkommenheiten gezeigt haben.

Dass er bei Nacht zu dem Herrn Jesus kam und nicht etwa wegen der unangemessenen Uhrzeit abgewiesen wurde, zeigt aber auch die Zugänglichkeit des Herrn für alle Bedürfnisse und Fragen. Nie wurde ein Mensch, der in auf-richtigem Suchen und Fragen zu Ihm kam, zurückgewiesen. Das ist auch eine Ermutigung für uns, wenn wir in schlaflosen Nächten unsere Sorgen und Fragen vor Ihn bringen – Er hört uns!

Nacht deutet andererseits auch den moralischen Zustand dieses Volkes an: sie waren vor Gott mitsamt ihrer Füh-rerschaft in einem geistlich toten Zustand. Und Nikodemus stellt sich mit seinen Worten auf den Boden derer, die nur diesen äußerlichen Glauben hatten, denn mit seinem wir wissen verbindet er sich mit den Übrigen der Führer-schaft des Volkes, die nur eine intellektuelle Überzeugung gewonnen hatten. Er versteckt sich damit auch ein wenig hinter den übrigen Pharisäern, im Geiste reiht er diese hinter sich, obwohl er allein zu dem Herrn Jesus ge-kommen war

Wenn Nikodemus den Herrn Jesus hier als Rabbi und Lehrer anspricht, deutet das darauf hin, dass er sich nicht nur mit den Zeichen, die der Herr bis dahin gewirkt hatte, beschäftigt hatte, sondern auch mit Seinen Worten und auch davon beeindruckt worden war. Er sieht sich auch nicht selbst als Lehrer, sondern sagt praktisch, dass er ein Schüler sei und durch den Herrn Jesus hinzulernen möchte. Und dann sagt er von Ihm, dass Gott mit Ihm sei. Si-cher wollte er eine gewisse Höflichkeit und Anerkennung über den Herrn Jesus ausdrücken, aber der Herr Jesus ist viel mehr und weit Höheres als ein Rabbi! Er ist der Sohn Gottes; Gott ist nicht nur mit Ihm, Er selbst ist Gott! Das muss Nikodemus in den folgenden Belehrungen durch den Herrn Jesus lernen. Aber neben diesen wichtigen Belehrungen fehlte ihm noch etwas ganz Entscheidendes: es fehlte ihm die Geburt von oben.

„Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Vers 3)

Mit keinem Wort reagiert der Herr Jesus auf die anerkennenden Worte von Nikodemus. Scheinbar völlig ohne Zusammenhang kommt Er direkt auf die Notwendigkeit der neuen Geburt zu sprechen. Was hat Seine Erwiderung mit der Bemerkung von Nikodemus zu tun? Die Belehrungen des Herrn Jesus richten sich niemals an den natürli-chen Menschen mit seinen Fragen und Überlegungen. Er erkannte, dass aus Nikodemus die jüdische Erwartung sprach, dass Er als der Messias für Israel gekommen sei, um ihnen das Reich aufzurichten. Und jetzt sagt Er ihm, dass das Zentrum dieses Reiches direkt vor ihm stand (Lk 17,21; Mt 12,28), und dass Nikodemus Ihn nicht er-kannte.

das Reich Gottes

Was bedeutet eigentlich Reich Gottes? Das Reich Gottes ist der Bereich, wo Gott das Sagen hat, wo alles ausschließlich nach Seinen Gedanken geht. Wir können dabei das Reich Gottes in Beziehung zu verschiedenen Bereichen unterscheiden:
• als der Herr Jesus hier auf der Erde war, stand das Reich Gottes in Beziehung zu der Person des Herrn Jesus (Lk 17,21). Indem Er hier auf der Erde unter den Menschen war, war das Reich Gottes gegenwärtig, bestand das Reich Gottes sittlich gesehen in der Person des Herrn Jesus auf der Erde.
• das Reich Gottes wird auch als ein Bereich gezeigt, der hier auf der Erde unter Seiner Führung errichtet werden sollte und der jüdische Wurzeln hat; es ist das Reich Gottes, von dem Herr Jesus hier zu Nikodemus spricht, das Reich hier auf der Erde; wenn die Juden den Herrn Jesus angenommen hätten, hätte das Reich damals beginnen können
• dann haben wir das Reich Gottes auch in Auferstehung (Apg 1,3), in seiner Beziehung zum Christentum, im christlichen Charakter; in dieser Form hat es Paulus in Milet vor den Ältesten von Ephesus verkündigt (Apg 20,25); in dieser Hinsicht hat es heute eine innere oder moralische Ausprägung, die auch von uns Gläubigen verwirklicht werden soll (vgl. Röm 14,17)
• dann zeigt uns das Wort Gottes noch das Reich Gottes in Herrlichkeit, wie es einmal in Zukunft bestehen wird (z.B. 2.Thess 1,5), wenn der Herr Jesus im 1000-jährigen Reich als König der Gerechtigkeit und des Friedens herrschen und alle Völker an Seinem Se-gen teilhaben lassen wird

Der Herr Jesus kommt hier sofort auf eine unabdingbare Voraussetzung zu sprechen, die für jeden Menschen in jedem Heilszeitalter gilt, der dieses Reich sehen oder in dieses Reich eintreten möchte: es ist die neue Geburt o-der Geburt von oben her. In Vers 5 erläutert Er dann die beiden Elemente, die bei der neuen Geburt zusammen-wirken. Nikodemus hatte natürlich auch noch mehr nötig, er war ein Sünder und brauchte die Vergebung seiner Sünden. Aber hier wird uns zuerst in der neuen Geburt die Seite Gottes gezeigt; erst später in Vers 16 kommt die Seite des Menschen hinzu, der glauben muss. Wir müssen beide Seiten unterscheiden können und dürfen sie nicht miteinander vermischen. Diese Belehrungen des Herrn werden mit einem dreimaligen „Wahrlich, wahrlich“ verbunden (Vers 3+5+11), was die fundamentale Bedeutung der folgenden Aussagen betont.

von neuem geboren

Für jeden Menschen zu allen Zeiten ist die neue Geburt notwendig, um in das Reich Gottes einzugehen, jeder Mensch braucht eine neue Natur, braucht Leben von oben, da er geistlich tot ist. Jeder natürliche Mensch ist in einem Zustand, mit dem Gott überhaupt nichts anfangen kann; dieser Zustand kann nicht weiterentwickelt oder irgendwie veredelt werden. Man kann nicht mit Gott in Verbindung kommen, ohne dass ein völlig neues Leben da ist, das mit dem Wesen Gottes in Übereinstimmung ist. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für das Reich Gottes in seiner Entfaltung, wenn der Herr Jesus erscheinen wird, er gilt alle Zeiten, auch für die Zeit des Reiches Gottes in seiner verborgenen geheimnisvollen Form der jetzigen Zeit: ohne neue Geburt gibt es keine Beziehung zu Gott. Wenn die alttestamentlichen Gläubigen nicht eine neue Geburt erlebt hätten, dann hätten sie auch keine Zukunft bei Gott gehabt. Ohne Neuge-burt ist man nicht passend für Seine Gegenwart, für Sein Reich, unter welchem Gesichtspunkt es auch immer gerade besteht.

Die Anmerkung gibt zu diesem Ausdruck auch die Möglichkeit der Übersetzung von oben her geboren zu sein. Lukas gebraucht den gleichen griechischen Ausdruck, wenn er schreibt, dass er allem von Anfang an genau gefolgt ist (Lk 1,3). Aber der Hauptgedanke in den Worten des Herrn hier in Joh 3,3+7 ist, dass es einer neuen Geburt bedarf; jeder Mensch muss auf ei-ne neue Weise geboren werden, etwas gänzlich Neues ist notwendig, ein neuer Anfang muss gemacht werden.

Welch ein Segen, diese neue Geburt erlebt zu haben! Auch wir Gläubigen der Gnadenzeit sind von neuem geboren, aber wir haben noch weit mehr, wir besitzen das neue göttliche Le-ben in Christus, wir sind mit dem auferstandenen Christus lebendig gemacht worden (Eph 2,5; Kol 3,3). Die neue Geburt haben auch die Gläubigen des Alten Testaments und die des zukünftigen 1000-jährigen Reiches, aber das Leben in Christus hatten sie nicht und werden es auch im 1000-jährigen Reich nicht besitzen. Die alttestamentlichen Gläubigen hatten Le-ben, aber sie hatten nicht das Leben im Überfluss, das Auferstehungsleben, die volle Entfal-tung des Lebens. Auch die Jünger besaßen es nicht eher, bevor nicht der Herr Jesus als der Auferstandene es in sie gehaucht hatte (Joh 20,22).

Es gab Menschen auf dieser Erde und es wird auch noch einmal solche Menschen geben, die durch Buße und Glauben neues Leben bekommen. Aber wenn es um das ewige Leben geht, dann bekommt man das nur, wenn man an den Herrn Jesus glaubt, der am Kreuz von Golga-tha gestorben ist (Joh 6,54) – und das beschränkt sich auf die christliche Haushaltung. Wir kommen ab Vers 14 auf diesen erhabenen Gegenstand des ewigen Lebens ausführlicher zu sprechen.

„Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?“ (Vers 4)

Nikodemus stellt in diesem Vers zwei Fragen, mit denen er nach seinem Verständnis seiner Überzeugung Aus-druck gibt, dass ein lebender Mensch unmöglich noch einmal geboren werden könnte.

Selbst wenn es möglich wäre, dass ein Mensch zum zweiten Mal oder sogar noch hunderte weitere Male von sei-ner Mutter geboren würde, würde sich nichts daran ändern, dass seine Natur immer genauso verdorben wie die ihrer Vor-Formen bliebe. Selbst wenn das Unmögliche durch ein Wunder möglich würde, wäre das Ergebnis im-mer noch dasselbe: Fleisch! Nicht ein einziger Reiner kann aus einem Unreinen kommen (Hiob 14,4)! Es muss ein Werk außerhalb des Menschen geschehen, von oben her, von Gott. Der Herr Jesus ist nicht gekommen, um schlechte Menschen gut zu machen, sondern um tote Menschen lebendig zu machen!

„Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.“ (Vers 5)

Der Vorgang der neuen Geburt wird hier in zwei Bestandteilen oder Komponenten gezeigt: aus Wasser und Geist geboren. In Joh 1,13 wird gesagt, dass der Gläubige aus Gott geboren ist; da sehen wir Gott als den tiefen Ur-sprung der neuen Geburt, sie ist ein Werk Gottes. Hier in unserem Vers wird gezeigt, dass der Heilige Geist von der Schöpfung bis zur Erlösung bei allem mitwirkt, was Gott wirkt. Es ist der Heilige Geist, der lebendig macht (Joh 6,63), indem Er das Wort Gottes benutzt, denn das Wort Gottes als solches vermag nicht Leben zu hervorzu-bringen.

Der Herr benutzt mit diesen Worten Symbole, die auch schon aus dem Alten Testament bekannt waren, die also auch für Nikodemus als Lehrer Israels (Vers 10) geläufig sein mussten. Wenn wir z.B. nach Hes 36,24–26 gehen, finden wir dort drei Dinge:
• „ich werde reines Wasser auf euch sprengen“ – analog die Geburt aus Wasser
• „ich werde ein neues Herz und einen neuen Geist in euer Inneres geben“ – analog die Geburt aus Geist
• „ich werde meinen Geist in euer Inneres legen“ (vgl. Hes 39,29) – analog als eine Vorerfüllung für die christliche Haushaltung die Taufe mit Heiligem Geist; das Wohnen des Heiligen Geistes als eine göttli-che Person in den Gläubigen ist eine ausschließlich christliche Wahrheit

Frage: Kann das Geboren-Werden aus Wasser verbunden werden mit der Ganzwaschung, dem Gebadet-Sein, wovon der Herr Jesus bei der Fußwaschung spricht (Joh 13,10)? Sind wir durch die Geburt aus Wasser abgewa-schen worden im Sinn von 1.Kor 6,11 oder Hebr 10,22?
Antwort: Das Wasser ist an dieser Stelle nicht ein Bild von dem Heiligen Geist, wie wir das vorhin in Joh 7,38 gesehen haben, sondern wie so oft in der Schrift ein Bild vom Wort Gottes in seiner reinigenden Wirkung. Die Jünger waren schon rein um des Wortes willen, dass der Herr Jesus zu ihnen geredet hatte (Joh 15,3). Das Wort Gottes wirkt als erstes auf Herz und Gewissen ein (Apg 15,9). Auch Petrus spricht im Zusammenhang mit der Wiedergeburt davon, davon, dass wir durch den Gehorsam gegen die Wahrheit unsere Seelen gereinigt haben (1.Petr 1,22+23), und Jakobus sagt, dass wir durch das Wort der Wahrheit gezeugt oder geboren worden sind (Jak 1,18). Das sind alles verschiedene Aspekte der gleichen Sache: in der neuen Geburt sind zwei Seiten zu sehen (vgl. die gleichen Elemente in Tit 3,5)
• die Reinigung durch das Wasser des Wortes Gottes als hauptsächlicher und erster Faktor bei der neuen Geburt; das Abwaschen ist das Allererste bei der neuen Geburt: das Wort Gottes wirkt auf das Gewissen und zeigt den sündigen Zustand und den Ausweg aus dieser Lage; das ist es aber nicht ausschließlich, sondern es wird begleitet durch
• eine vollständige Erneuerung durch den Heiligen Geist, die Vollendung der neuen Geburt, das geschieht durch die Heiligung des Geistes, von der Petrus in 1.Petr 1,2 in ganz praktischer Weise spricht: der Heili-ge Geist sondert uns von der Welt ab

Die Reinigung ist natürlich nicht eine äußerliche Reinigung, sondern die Reinigung von Herz und Gewissen; sie muss zuerst erfolgen, weil das, was durch Gott hervorgebracht wird, nicht in ein unreines Gefäß hineinkommt. Erst wird das Gefäß durch die Waschung mit Wasser durch das Wort grundsätzlich und einmalig gereinigt – das ist nicht die fortlaufende regelmäßige und wiederholte Reinigung, wie sie Eph 5,26 vorstellt. Eine alttestamentli-che Illustration von diesem Vorgang können wir bei Naaman sehen, der sich siebenmal im Jordan baden musste, und danach war sein Fleisch wie das Fleisch eines jungen Knaben (2.Kön 5,14).

Wir dürfen die Seite unserer Umkehr zu Gott nicht darauf beschränken, dass die Sünden abgewaschen werden. Leider ist in weiten Teilen der Christenheit nicht bekannt, dass das Alte von Gott beiseitegesetzt und etwas Neues geschaffen wurde. Durch die neue Geburt ist eine neue Natur entstanden, die allein befähigt ist, Gott zu dienen. Die Reinigung allein würde ja den verantwortlichen Menschen so lassen, wie er ist; aber durch die neue Geburt hat dieser Mensch jetzt auch eine neue Natur. Jeder von neuem geborene Mensch besitzt zwei Naturen: die alte Natur ist unverbesserlich und will Gott nie dienen, und die neue Natur will immer und ausschließlich das Gott Wohlgefällige tun. Das ist die grundlegende Belehrung des Neuen Testamentes über den christlichen Glauben in der Praxis.

In weiten Teilen der Christenheit ist aus diesen Worten des Herrn in Vers 5 in verdrehter Anwendung die Be-gründung für die Wassertaufe entnommen worden. Man meint, wenn man durch die Taufe mit Wasser von neuem geboren wird (vgl. auch Bibel-Übersetzungen zu Tit 3,5), kann man ja gar nicht früh genug einen Menschen tau-fen. Daraus ist die Praxis der Kindertaufe in großen christlichen Kirchen entstanden. Aber man hat dabei über-haupt nicht verstanden, dass es bei der christlichen Taufe um ein Bekenntnis des Gestorben-Seins geht (Röm 6,3+4), und der Herr hier von einer neuen Geburt spricht – zwei völlig entgegengesetzte Gedanken.

Ein weiterer großer Irrglaube auf christlichem Gebiet ist, dass die neue Geburt aus Geist gleichzusetzen sei mit dem Empfang des Heiligen Geistes. Man macht dabei keinen Unterschied zwischen der Wirkung des Heiligen Geistes an einer Person, um das neue Leben hervorzubringen, und dem Wohnen des Heiligen Geistes in einem Gläubigen. Der Heilige Geist wohnt als Person erst dann in einem Gläubigen, wenn dieser das ganze Evangelium des Heils im Glauben angenommen hat (Eph 1,13).

„Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.“ (Vers 6)

Jetzt kennzeichnet der Herr Jesus die beiden Naturen und zeigt, dass eine Veränderung zum Guten oder zum Schlechten nicht denkbar ist. Alles, was aus dem Fleisch ist, ist sündig. Das ist die alte Natur, und was sie hervor-bringt, ist ebenso wertlos und böse – das Fleisch kann sich nicht veredeln oder verbessern. Dagegen ist es beglü-ckend, dass alles, was aus dem Geist ist, nicht degenerieren oder verfallen kann. Beides hat seine absolute Stabi-lität!

In der englischen Bibelübersetzung beispielsweise von Bruder Darby findet sich in dem zweiten Versteil eine Be-sonderheit: beim ersten Mal wird Geist groß geschrieben, und beim zweiten Mal wird es klein geschrieben. Wir lernen daraus, dass der erste Ausdruck nicht das Gleiche meint wie der zweite Ausdruck. Geist groß geschrieben ist die Person des Heiligen Geistes, Geist klein geschrieben meint den Charakter der Sache. Was aus dem Heiligen Geist geboren ist, ist dem Charakter nach geistlich.

Fleisch in diesem Vers ist also die alte, unverbesserliche, sündige Natur des Menschen, dessen Gesinnung Feind-schaft ist gegen Gott (Röm 8,7). Wir müssen von dieser Bedeutung des Ausdruckes Fleisch aber auch weitere Be-deutungen des Neuen Testamentes unterscheiden können. Wenn von dem Herrn Jesus in Joh 1,14 gesagt wurde, dass das Wort Fleisch wurde, dann ist da einfach Sein Mensch-Sein gemeint (auch Röm 9,5). In einer weiteren Beedeutung wird der Ausdruck Fleisch auch noch für die Schwachheit und Hinfälligkeit des Menschen gebraucht (z.B. 1.Petr 1,24).

„Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ (Vers 7)

Unabhängig von allen Haushaltungen in der Geschichte der Menschheit muss derjenige, der in das Reich Gottes in der jeweiligen Form eingehen will, von neuem geboren werden. Hier scheint der Herr dem Nikodemus gegen-über jetzt besonders zu betonen, dass auch ihr, ihr Menschen aus dem Judentum, diese neue Geburt nötig haben. Ohne Neugeburt hat man keine Zukunft bei Gott.

Wir haben hier das erste der drei Muss in diesem Kapitel (auch Vers 14 und 30). Es ist ein heiliges Muss; der Sohn Gottes, der alle Dinge kennt, sagt, dass alle Menschen gleichermaßen – ob aus dem Volk der Juden oder aus den Nationen – von neuem geboren werden müssen. Das ist kein Befehl oder eine Aufforderung an den Men-schen, der er jetzt nachkommen müsste. Der Mensch kann das ja selbst gar nicht bewirken, sondern es ist einfach die göttliche Feststellung, dass es für jeden Menschen erforderlich ist, von neuem geboren zu werden. Dieses ers-te Muss bezieht sich also auf das Werk Gottes in uns, das zweite Muss in Vers 14 bezieht sich dann auf das Werk Gottes für uns.

„Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ (Vers 8)

Bei der natürlichen Geburt eines Menschen kann man den Geburtsvorgang beobachten, und dann hört man den Schrei des neugeborenen Lebens. Wenn ein Mensch von neuem geboren wird, kann man den Geburtsvorgang nicht beobachten, aber die Äußerung oder Wirksamkeit des neugeborenen Lebens kann man wahrnehmen.

Wir können nicht erklären, wie das bei der neuen Geburt im Einzelnen vor sich geht. Der Herr Jesus beschreibt wohl dieses Geschehen bzw. ihre Auswirkung, aber wie es sich im Einzelnen in der Seele und dem Herzen und Gewissen eines Menschen, der aus der Finsternis zum Licht gebracht wird, vollzieht, bleibt letzten Endes für uns unergründlich. Dabei wird wieder deutlich, dass wir die neue Geburt unterscheiden müssen von der Bekehrung, obwohl beides ganz eng miteinander zusammenhängt. Die Bekehrung ist ein Akt des Willens des Menschen, der sich bewusst in Reue und Bekenntnis seiner Sünden zu Gott wendet. Diese Handlung ist aber nicht identisch mit der neuen Geburt, denn die ist ein Werk Gottes. Und doch können wir noch nicht einmal erklären, warum wir uns überhaupt bekehrt haben, denn selbst das wollten wir doch eigentlich gar nicht, wir waren auf unserem eigenwil-ligen Weg weg von Gott. Keiner von uns wollte sich bekehren! Dass wir es doch getan haben, kann nur durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in uns geschehen sein. Dieses göttliche Wirken geschieht an jedem einzelnen Menschen höchstpersönlich.

Der Heilige Geist wirkt, wie Er will, Er wirkt souverän. Der Heilige Geist ist nicht nur irgendwie eine Kontrolle oder eine Kraft, Er ist eine Person der Gottheit, und Er wirkt auf die Art und Weise, wie Er es will. Aber diese Wirksamkeit des Geistes Gottes ist für den Menschen unfassbar. Jeder aus dem Geist Geborene ist für den Men-schen ein Rätsel. Deshalb sollten wir auch nicht versuchen, Dinge zu erklären, die sich unserer Erklärung entzie-hen. Die Geheimnisse Gottes sind uns nicht zum Verstehen gegeben, sondern zum Glauben.

Wind und Geist sind in der griechischen Sprache das gleiche Wort. Wir würden vielleicht meinen, die Schlussfol-gerung aus dem, was der Herr über den natürlichen Wind gesagt hat, müsste jetzt lauten: so ist es auch mit dem Heiligen Geist. Aber der Herr fährt eben nicht damit fort, das Wirken des Heiligen Geistes zu beschreiben, son-dern das Resultat Seines Wirkens, denn das Wirken selbst ist ein gewisses Geheimnis. Kein Mensch kann erklä-ren, wie das Resultat zustande gekommen ist, es ist ein wunderbares Wirken Gottes in der Seele eines Menschen, das wir nicht ergründen können (Pred 11,5).

„Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht?“ (Vers 9+10)

Wenn wir die ganze Unterredung zwischen Nikodemus und dem Herrn bis Vers 21 im Überblick sehen, fällt auf, dass der erste Teil der Unterredung ein Dialog ist, aber in dem zweiten Teil ab Vers 10 nur noch der Herr Jesus spricht. Nikodemus wird zum letzten Mal in Vers 9 erwähnt mit seiner Frage: „Wie kann dies geschehen“. In den folgenden Versen spricht der Herr Jesus zunächst Nikodemus noch persönlich an, aber ab Vers 13 sind Seine Worte nicht mehr direkt auf Nikodemus bezogen, sondern Er spricht dann sehr grundsätzlich. Diese äußere Zwei-teilung der Unterredung hat aber auch eine innere Einteilung in zwei Teile: Im ersten Teil spricht der Herr Jesus über die neue Geburt als Notwendigkeit für das Eingehen in das Reich Gottes; im zweiten Teil spricht Er über das ewige Leben. Dieser Unterschied wird angedeutet in Vers 12 mit den Ausdrücken das Irdische und das Himmli-sche.

Diese Frage von Nikodemus zeigt echtes Interesse an den Worten des Herrn, und sie ist geradezu der Beweis der Wahrheit von Vers 3: der natürliche Mensch ist nicht in der Lage, die göttlichen Dinge zu verstehen. Nikodemus hatte die Schriften des Alten Testaments studiert und auch gelehrt – aber er hatte sie nicht verstanden.

Wir haben bei Vers 5 gesehen, dass diese Wahrheit schon in Hesekiel 36 angedeutet wurde; der Herr knüpft an etwas Bekanntes an, was der Heilige Geist damals angedeutet hatte, was aber schon immer Gültigkeit hatte, und was der Herr hier jetzt zur vollen Entfaltung bringt. Wenn wir an Hiskia denken, so können wir aus Jes 38,16 si-cher sagen, dass dieser Mann neues Leben hatte, er wusste, dass sein Geist lebt. Er wusste es, ohne dass es ihm offenbart worden war, er hatte es im Glauben erfasst und für sich verwirklicht. Wer auf Gott vertraut, dem offen-bart Gott auch immer mehr und gibt weiteres Verständnis!

Das Volk der Juden als solches dagegen hat zur Zeit Johannes des Täufers und des Herrn Jesus sich geweigert, das auf sich anzuwenden und Buße zu tun. Es war ihnen objektiv bekannt, und doch waren sie willentlich in dem Stand von Unwissenden geblieben. Das zeigt die Blindheit der Menschen in dem jüdischen System. Entspricht eine solche Haltung nicht auch oft unserer eigenen Haltung dem Wort Gottes gegenüber? Wir kennen die Gedan-ken Gottes für unser Leben, wir haben alles in unseren Bibeln, aber ob wir es dann auch auf unser Herz und Ge-wissen anwenden, ist oftmals eine total andere Sache.

Nikodemus war der Lehrer Israels; die Betonung in diesen Worten des Herrn liegt nicht auf der Lehrer Israels, als wäre Nikodemus der Lehrer in Israel schlechthin, sondern du bist der Lehrer. Der Herr sagt ihm damit, dass er nicht Schüler sei sondern Lehrer, dass er das eigentlich hätte wissen sollen. Aber als Lehrer hatte Nikodemus komplett versagt.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir ge-sehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.“ (Vers 11)

Das wir in diesem Vers kann sich nicht auf die Propheten des Alten Testaments beziehen, denn sie wussten und verstanden oftmals nicht, was sie reden sollten. Der Herr Jesus meint mit dem wir göttliche Personen; Er war hier auf der Erde und redete, und auch der Heilige Geist würde durch die Gläubigen reden. Mit einfachsten Worten werden hier ganz erhabene Herrlichkeiten der Person des Herrn gezeigt. Dieses Wir schließt Seine Gottheit mit ein. Wir sollen hier nicht nur die Wahrheit über die neue Geburt verstehen lernen, sondern die Person dessen, der da spricht! Er redete, was Er bei Seinem Vater, im Schoß der Gottheit, gehört hat (Joh 8,28). Das drücken wir in Lied 225 Vers 3 aus: „All Seine Worte, in Gnade und Wahrheit, hat Er bei Dir, Seinem Vater, gehört“.

Und diese göttlichen Personen redeten, was sie wussten. Das ist kein erlerntes oder angeeignetes Wissen, sondern ein den Personen der Gottheit innewohnendes absolut zuverlässiges und unfehlbares Wissen. Der Herr Jesus und der Heilige Geist redeten von den Dingen aus dem Himmel (Vers 32). Der Herr Jesus war in der Lage, überhaupt über himmlische Dinge sprechen zu können; und Er zeigt dann auch die Voraussetzung, die dafür nötig war, dass wir himmlische Dinge bekommen könnten – Sein Tod (Vers 14).

Der ewige Sohn, der im Schoß des Vaters ist, kam als Mensch auf diese Erde; und Er zeugte von dem, wo Er zu-hause war, wo Seine ewige Heimat voll Licht und Liebe und Herrlichkeit war. Er zeugte nicht von Offenbarungen oder Mitteilungen, die Er bekommen hatte, sondern Er war der Einzige, der direkt aus der Atmosphäre der Gott-heit heraus reden konnte. Er kam mit dem ganzen Ratschluss Gottes und hat diesen auf der Erde kundgetan. Gott hat zu uns geredet im Sohn (Hebr 1,2). Neben dem Heiligen Geist war der Herr Jesus von Ewigkeit her der einzige Zeuge, Er sprach aus Seiner direkten Kenntnis des Vaters heraus (Joh 17,25).

Wo finden wir das Zeugnis, von dem der Herr Jesus hier spricht? In der Heiligen Schrift, besonders im Neuen Testament und dort speziell in den Briefen. Wir haben ein Zeugnis! Das ist nicht irgendetwas Vages, von dem wir nicht genau wüssten, was das ist. Die Heilige Schrift gibt uns Auskunft darüber, was das Zeugnis des Herrn und auch das Zeugnis des Heiligen Geistes ist. Wir haben heute etwas Konkretes in der Hand: Sein heiliges Wort!

Es ist erschütternd, dass dieses Zeugnis des Herrn nicht angenommen wurde! Das ist hier ein klarer Hinweis auf die Verwerfung des Herrn als Sohn Gottes. Die Juden hatten das Zeugnis der Propheten nicht angenommen, ob-wohl diese Worte Gottes sprachen. Sie hatten auch das Zeugnis von Johannes dem Täufer nicht angenommen – aber jetzt wiesen sie das größte Zeugnis ab, das je auf dieser Erde ausgesprochen worden ist: nicht das Zeugnis eines Menschen, sondern ein göttliches Zeugnis. Was muss es den Herrn Jesus geschmerzt haben, dass dieses Zeugnis von den Juden nicht angenommen wurde. Das Fleisch (Vers 6) nimmt selbst das größte Zeugnis nicht an, das Zeugnis des Sohnes Gottes – und damit haben sie Gott selbst abgelehnt!

„Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?“ (Vers 12)

Jetzt wechselt der Herr von dem wir in Vers 11 zu einem ich in diesem Vers. Wenn Gott sich offenbart, dann of-fenbart Er sich in dem Sohn. Wenn Gott redet, dann in dem Sohn. Der Sohn war als Gott vollkommen qualifiziert, von dem Himmlischen zu berichten, weil Er im Himmel ist (Vers 13); er konnte als Sohn des Menschen auf der Erde die himmlischen Dinge so darstellen, dass wir etwas davon erfassen können.

Das Irdische ist das Reich Gottes auf der Erde, der Ratschluss Gottes für diese Erde, so wie Nikodemus es ver-stand; die irdischen Segnungen, die Gott Seinem Volk gegeben hatte, konnten nur von solchen in Besitz genom-men werden, die durch Buße und durch den Empfang des neuen Lebens eine entsprechende Natur besaßen. Das hatte an sich noch nichts mit dem Kreuz zu tun, und das zeigt auch den Unterschied zwischen diesem neuen Le-ben und dem ewigen Leben, das uns geschenkt ist. Dieses ewige Leben bekommt nur der, der an den Sohn Gottes glaubt, der für ihn gestorben ist. Das wird in den folgenden Versen ausführlich vorgestellt: wer an den auf das Kreuz erhöhten Sohn des Menschen glaubt, wer an den von Gott gesandten eingeborenen Sohn glaubt, der geht nicht verloren, sondern hat ewiges Leben. Dieses ewige Leben konnten die alttestamentlichen Gläubigen nicht haben, weil sie den nicht kennen konnten, der dieses Leben gibt, den Sohn Jesus Christus, der der wahrhaftige Gott und das ewige Leben ist (1.Joh 5,20). Natürlich haben diese Gläubigen durch die neue Geburt ein Leben, das niemals endet, und auch ein Ungläubiger hat eine ewige Existenz, aber das ist alles vollkommen verschieden von dem Charakter des Lebens, das in der Person des Sohnes ist. Deshalb ist auch die Neugeburt, wie wir sie hier bei Nikodemus haben, keine typisch christliche Segnung. Es gibt in dieser christlichen Haushaltung nicht diese Pha-se, dass man an Gott glaubt ohne an den Herrn Jesus zu glauben. Wir sind durch den Glauben mit einem gestor-benen und auferweckten Christus mitauferweckt und mitlebendig gemacht worden (Eph 2,5+6), und damit sind alle Segnungen miteingeschlossen. Dieses ewige Leben werden wir völlig genießen, wenn wir bei Christus sind und Ihn sehen, wie Er ist (1.Joh 3,2), denn dort ist das ewige Leben zu Hause. Das wird in alle Ewigkeit unsere Glückseligkeit sein!

Bis dahin hatte der Herr Jesus auch bloß von dem irdischen Teil des Reiches gesprochen. Wir wissen, dass das Reich Gottes auch eine himmlische Seite hat, aber die Juden erwarteten das Reich in Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde. In Mt 13,41–43 werden beide Seiten des Reiches nacheinander gezeigt: Vers 41+42 zeigen die Seite des Reiches des Sohnes des Menschen, das ist der irdische Teil des Reiches, der durch Gericht von Engeln gerei-nigt werden wird; und in Vers 43 spricht Er dann von dem Reich ihres Vaters, das ist der himmlische Bereich des Reiches, in den die Gerechten einmal gelangen werden. Bruder Darby hat einmal gesagt, durch diese Ausdrucks-weise: das Irdische und das Himmlische ergibt sich ein direkter Bezug auf das Reich in seinen beiden Teilen.

Der Herr Jesus hatte zu der Zeit, als Er auf der Erde war, noch nicht von diesem himmlischen Teil sprechen kön-nen, aber als das Werk vom Kreuz vollendet und der Geist Gottes auf die Erde gekommen war, konnten diese Dinge auch gezeigt werden (Eph 1,9+10; Kol 1,20). Der Herr Jesus soll nach den Gedanken Seines Vaters volle Autorität über die Dinge in den Himmeln und die Dinge auf der Erde haben. Für alles ist Er gestorben und hat Er Frieden gemacht. Und dadurch wird einmal alles wieder mit Gott versöhnt und in Übereinstimmung gebracht werden.

Das Himmlische sind die Segnungen der christlichen Haushaltung, die wir nur im Neuen Testament finden, das ewige Leben mit allem, was damit verbunden ist. Es ist hier der gleiche Ausdruck, wie er im Epheser-Brief fünf-mal für die himmlischen Örter benutzt wird (Eph 1,3; 1,20; 2,6; 3,10; 6,12; vgl. auch 1.Petr 1,4). Es geht dabei al-so nicht nur um den himmlischen Teil des Reiches, sondern auch um alle himmlischen Wahrheiten, die Segnun-gen des Zeitalters der Gnade, in dem wir leben. Das Reich ist nur ein untergeordneter Gedanke dabei, die Sub-stanz als solche ist weitaus größer, denn Eph 1, Kol 1 und Hebr 1 zeigen uns, dass es eine höhere Art von Seg-nung gibt.

Für das Eintreten in das Reich auf der Erde war der Tod des Herrn Jesus nicht zwingend vorgesehen, die neue Geburt gründet sich nicht auf das Werk von Golgatha, und Buße ist nicht unbedingt der Glaube an einen gestor-benen Heiland. Auch hatte kein alttestamentlicher Gläubiger das Bewusstsein ewiger Sündenvergebung, weil die Grundlage dazu noch fehlte. Sie besaßen neues Leben durch die neue Geburt, konnten aber noch nicht in der Gewissheit ruhen, dass ihre Sünden für immer gesühnt und vergeben sind. Der Herr Jesus war als lebender Mes-sias unter Seinem Volk und hätte Sein Reich aufgerichtet und sie in die Segnungen des Reiches eingeführt, wenn sie Ihn angenommen hätten – sie haben Ihn jedoch abgelehnt. Jede Segnung, die ein Mensch empfängt, gründet sich auf das Werk Christi. Die Vergebung der Sünden der alttestamentlich Gläubigen gewährte Gott in Seiner Nachsicht im Vorausblick auf das erst viel später geschehene Werk vom Kreuz (Röm 3,25+26). Das Kreuz ist der Mittelpunkt des Handelns Gottes; im Blick auf das Werk von Golgatha, das erst viel später vollbracht werden würde, konnte Gott schon zu Zeiten des Alten Testaments Sünden vergeben. Aber um die himmlischen Segnun-gen genießen zu können, war es unmöglich, nur mit einem auf der Erde lebenden Sohn Gottes in Verbindung zu sein – dazu musste Sein Tod stattfinden. Die himmlischen Segnungen sind nur über das Kreuz zu erlangen!

Die Neugeburt ist das Werk Gottes an einer Seele, das auch zur Zeit des Alten Testaments schon geschehen ist, lange bevor das Werk des Herrn am Kreuz von Golgatha vollbracht war. Und die Neugeburt hat auch an sich nichts mit der Vergebung der Sünden zu tun, die gründet sich allein auf das Werk des Herrn Jesus. Wir kommen bei diesen Erwägungen an einen Punkt, wo wir sagen müssen, dass wir den Ratschluss Gottes nicht ergründen können! Wir können heute in Seinem Wort nachlesen, was Er davon offenbart hat, und das übersteigt schon un-ser Verständnis.

„Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel her-abgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ (Vers 13)

Sind nicht auch Henoch und Elia in den Himmel hinaufgestiegen? Nun, sie sind lebendig entrückt worden, aber es bestehen doch große Unterschiede zu dem, was hier von dem Herrn Jesus gesagt wird. Henoch wurde entrückt (Hebr 11,5), und Elia wurde von Elisa genommen (2.Kön 2,10), beide haben nicht in eigener Kraft gehandelt – der Herr Jesus aber ist selbst in den Himmel hinaufgestiegen. Und Er ist Derselbe, der auch vorher herabgestiegen ist. Die Tatsache, dass Er der Sohn des Menschen ist, tastet Seine Gottheit nicht an, Er ist im Himmel. Wir stoßen hier wieder an Grenzen unseres Fassungsvermögens, wenn wir Ihn vor uns haben, der Gott und gleichzeitig Mensch in einer Person ist. Wir wollen diese beiden Seiten wohl unterscheiden, aber wir dürfen sie nie voneinander tren-nen!

Dieser Vers stellt uns eine vierfache Herrlichkeit des Herrn Jesus vor:
• Er ist hinaufgestiegen in den Himmel: diese Herrlichkeit wird Ihm hier schon zugeordnet, obwohl sie sich historisch noch gar nicht ereignet hatte; sie unterscheidet Ihn von jedem anderen Menschen, ob im Alten Testament oder im Neuen Testament – Menschen werden entrückt, aber Er ist hinaufgestiegen Kraft Sei-ner eigenen Herrlichkeit
• Er ist aus dem Himmel herabgestiegen: das führt uns zurück zu Joh 1,14; weil Er aus dem Himmel herab-gestiegen ist, konnte Er himmlische Dinge, das Himmlische verkündigen. Aber Er ist nicht nur dazu aus dem Himmel herabgestiegen, sondern auch, um hier auf der Erde zu sterben und dadurch Menschen die-ses Himmlische schenken zu können
• Er ist der Sohn des Menschen: der Herr Jesus ist ohne je aufzuhören, Gott zu sein, auf dieser Erde wahrer Mensch gewesen – Gott und Mensch in einer Person. Und Er wird immer Sohn des Menschen bleiben, und Er wird immer im Himmel sein, immer! Als der Herr Jesus aus dem Himmel herabstieg, war Er noch nicht Sohn des Menschen; Er war in Gestalt Gottes und machte sich selbst zu nichts (Phil 2,6+7) und ist dann erst als Er von einer Frau geboren wurde (Gal 4,4) in Gleichheit der Menschen geworden.
• Er ist im Himmel; war zu dem Zeitpunkt, als der Herr Jesus auf der Erde war, ein Mensch im Himmel? Wir sehen wieder, dass diese einzigartige Person nicht trennbar oder teilbar ist, es ist eine Person; derje-nige, der ewiger Gott ist, ist zugleich der Sohn des Menschen, hier auf der Erde und im Himmel. In dem Augenblick, wo Er sichtbar vor Nikodemus stand, war Er zugleich im Himmel. In diesem Sinn gebraucht der Herr Jesus auch wiederholt in diesem Evangelium die Worte wo ich bin (Joh 7,34+36; 12,26; 14,3; 17,24): Er ist zur gleichen Zeit dort in der Herrlichkeit, die Er nie verlassen hat.

Es ist erstaunlich, dass dieser Vers nicht damit beginnt, dass der Herr Jesus aus dem Himmel herabgestiegen ist, was ja chronologisch gesehen das Seinem Hinaufsteigen in den Himmel vorgegangene Ereignis gewesen ist. Ni-kodemus ist hierbei vielleicht an Spr 30,4 erinnert worden, wo wir schon eine gewisse Andeutung auf dieses Ge-schehen finden (vgl. auch Eph 4,8–10). In diesen Stellen finden wir immer die gleiche Reihenfolge, zuerst wird von dem Hinaufsteigen und dann erst von dem Herabsteigen gesprochen.

Der Herr Jesus spricht damit abstrakte Grundsätze aus, wie das häufig im Johannes-Evangelium der Fall ist. Das Hinaufsteigen in den Himmel geschah natürlich zeitlich gesehen später, aber Er will zeigen, dass Er nach voll-brachtem Werk hinaufgehen würde zu Seinem Vater. Und dieses Hinaufgehen zu Seinem Vater hat seine Grund-lage darin, dass Er zuvor herabgestiegen ist. Der Herr spricht hier über sich selbst und sagt prophetisch von sich etwas, was erst noch eintreten würde, wenn Er das Werk vollbracht haben würde.

In Joh 1,49–51 hatten wir schon gesehen, dass der Titel Sohn des Menschen etwas Größeres ist als der König Isra-els. König Israels war Er als Sohn Gottes, als der Gesalbte (Ps 2,6+7); und diese Seite gehörte zu dem Irdischen, von dem der Herr zu Nikodemus hier spricht. Die herrliche Seite Seiner Person als Sohn des Menschen beschreibt Seine umfassendere Stellung und gehört zu dem Himmlischen, was sie nicht verstehen konnten.

Gottes Liebe gegenüber den Verlorenen – der Weg zu ewigem Leben

Wir kommen jetzt zu einigen der bedeutendsten Verse des ganzen Wortes Gottes. Es sind Verse, die wir gut ken-nen, sie sprechen von der Liebe Gottes, die den Verlorenen nachgeht. Und diese Liebe Gottes erweist sich nicht nur denen gegenüber, die aus dem Volk der Juden waren, sondern sie richtet sich schrankenlos an die ganze Welt, an „jeden, der an ihn [den Herrn Jesus] glaubt“. Es gab einen gewaltigen Wechsel, einen Wendepunkt in dem Handeln Gottes mit Seinem irdischen Volk Israel und mit der ganzen Welt. Der Sohn Gottes war als Messias für Israel gekommen, der Sohn des Menschen ist zugunsten der ganzen Welt gekommen und auf das Kreuz erhöht worden. Seine tiefste Erniedrigung bestand darin, dass man Ihn auf das Kreuz erhöhte. Aber einmal wird sich vor diesem Sohn des Menschen jedes Knie beugen.

Die Verse 14+15 stehen vor dem Hintergrund, dass Gott Licht ist, Seine Heiligkeit und Gerechtigkeit verlangten diese Sühnung. Nur durch das Erhöht-Werden unseres Herrn auf das Kreuz, wo Gott Ihn zur Sünde machte (2.Kor 5,21), wo Er die Sünde im Fleisch verurteilte (Röm 8,3), konnte Sühnung geschehen. Und Vers 16 zeigt dann die wunderbare Seite des Wesens Gottes, dass Er Liebe ist.

„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen er-höht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ (Vers 14+15)

Zuerst spricht der Herr Jesus jetzt von den feurigen Schlangen, die einst unter dem Volk Israel bei denen zum To-de führten, die von ihnen gebissen wurden. Wir sehen in dem Bericht in 4.Mose 21,4–9, dass die von den Schlan-gen Gebissenen zu Gott schrien, und Gott erbarmte sich und gebot Mose, eine Schlange anzufertigen und auf eine Stange zu erhöhen. Mose fertigte eine Schlange aus Kupfer, und jeder, der gebissen worden war und auf diese kupferne Schlange hinschaute, wurde geheilt. Der Weg zur Rettung für die gebissenen Israeliten war also absolut einfach: die erhöhte Schlange war weithin sichtbar, man musste nicht zu ihr hingehen oder kriechen, man musste nur einen Blick auf sie werfen. Nichts Weiteres musste man tun, wenn man gerettet werden wollte; so leicht hatte Gott es für die Israeliten gemacht. So leicht ist es auch heute für jeden Menschen, nicht verloren zu gehen, son-dern ewiges Leben zu bekommen.

Dieses Bild der kupfernen Schlange zeigt also einerseits die Einfachheit, Rettung zu erlangen, aber es zeigt ande-rerseits auch die Ausschließlichkeit zur Rettung. Es gab keinen anderen Weg zur Rettung für den, der gebissen worden war. Es war wirkungslos, sich die Wunden auszusaugen oder sie zu verbinden oder Mose oder einen an-deren Menschen zur Hilfe zu rufen, es war sinnlos, die Schlange, die einen gebissen hatte, zu töten oder irgen-detwas anderes zu tun – es gab nur eine einzige Möglichkeit, am Leben zu bleiben – und das war der Blick auf die kupferne Schlange.

Diesen Vorgang aus dem Alten Testament nimmt der Herr Jesus zum Anlass und kommt auf sich selbst zu spre-chen. Dabei spricht Er jetzt von dem zweiten Muss in dieser Unterredung mit Nikodemus. In Vers 7 hatten wir bei dem ersten Muss gesehen, dass eine Notwendigkeit für jeden Menschen vorliegt, von neuem geboren zu werden. Bei diesem zweiten Muss steht jetzt eine andere Notwendigkeit vor uns: wenn der Herr Jesus der Retter werden sollte, musste das, was in der Schlange Moses vorgebildet war, an Ihm selbst vollzogen werden. Und der Herr Je-sus hat dieser Notwendigkeit entsprochen. Die kupferne Schlange wurde auf einen Stab erhöht, und das wurde auch mit dem Herrn Jesus getan. Das Kupfer ist ein Hinweis auf das Gericht, das an dem Herrn Jesus wegen unse-rer Sünden vollzogen wurde. Wenn Menschen errettet werden sollten, nicht nur von neuem geboren, sondern von Sünde und Schuld errettet werden sollten, dann musste Er kommen und ohne Sünde bleiben und am Kreuz ster-ben. Kein anderer als der Sohn des Menschen wäre in der Lage gewesen, dieses Werk zu vollbringen.

Derr Herr spricht von sich als dem Sohn des Menschen, der erhöht werden musste. Mit diesem Erhöhen ist Sein Kreuzestod gemeint (Joh 8,28; 12,32+33), der notwendig war, damit Menschen, die an Ihn glauben, nicht verlo-ren gehen, sondern ewiges Leben haben. Die Erhöhung des Herrn Jesus am Kreuz ging damit einher, dass Gott Seinen Sohn sandte als Sühnung für unsere Sünden (1.Joh

Achim Zöfelt

Die Rettung des Hauses

Mo, 06/11/2018 - 00:01

Bibelstellen: 1. Mo 6,7-22; Heb 11,7; 1. Mo 19,12.13; 2: Mo 12,3; Jos 2,12.13; Lk 19,9; Apg 11,13

Die Familie eines Gläubigen steht unter dem Segen Gottes. Gott wirkt in besonderer Weise, damit das ganze Haus eines Gläubigen errettet wird. Das zeigt sowohl das Alte als auch das Neue Testament. Im Alten Testament geht es zuerst um die Rettung vor zeitlichen Gefahren, doch diese Rettung ist ein Hinweis auf das ewige Heil, das wir in Christus Jesus haben.

Beispiele aus dem Alten Testament

Als sich die ganze Erde vor Gott verdorben hatte, baute Noah auf das Gebot Gottes hin eine Arche (1. Mo 6,7–22), die „zur Rettung seines Hauses“ war (Heb 11,7). Bevor Gott die große Flut brachte, sprach Er zu Noah: „Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus, denn dich habe ich als gerecht vor mir befunden in diesem Geschlecht“ (1. Mo 7,1; Hervorhebung hinzugefügt, so auch später). So wurden Noah und seine Frau sowie ihre drei Söhne mit ihren Frauen durch Wasser gerettet, was ein Gegenbild von der Rettung ist, die wir durch den Glauben an den Herrn Jesus und durch die Taufe haben (1. Pet 3,18–22).

Als Sodom, Gomorra und die umliegenden Städte ihrer Sünden wegen zerstört werden sollten, sandte Gott zwei Engel in Gestalt von Männern zu dem gerechten Lot nach Sodom. „Und die Männer sprachen zu Lot: Wen du noch hier hast, einen Schwiegersohn und deine Söhne und deine Töchter, und wen irgend du in der Stadt hast, führe hinaus aus diesem Ort! Denn wir wollen diesen Ort verderben, weil ihr Geschrei groß geworden ist vor dem Herrn“ (1. Mo 19,12.13). Als Lot zögerte, „ergriffen die Männer seine Hand und die Hand seiner Frau und die Hand seiner beiden Töchter, weil der Herr sich seiner erbarmte, und sie führten ihn hinaus und ließen ihn außerhalb der Stadt“ (1. Mo 19,16). Die Barmherzigkeit Gottes wandte sich denen zu, die Lot angehörten – und so wurden er, seine Frau und seine beiden unverheirateten Töchter vor dem herabfallenden Feuer bewahrt, das ein Bild von der Strafe des ewigen Feuers ist (Jud 7).

Als Gott durch das ganze Land Ägypten gehen wollte, um alle Erstgeburt zu schlagen, gab Er Mose und Aaron diesen Auftrag: „Redet zu der ganzen Gemeinde Israel und sprecht: Am Zehnten dieses Monats, da nehme sich jeder ein Lamm für ein Vaterhaus, ein Lamm für ein Haus“ (2. Mo 12,3). Das Lamm war für das ganze Haus eines Israeliten bestimmt und schützte es vor dem Verderben. Mose sagte dementsprechend zu dem Volk: „Der Herr wird hindurchgehen, um die Ägypter zu schlagen; und sieht er das Blut am Türsturz und an den beiden Pfosten, so wird der Herr an der Tür vorübergehen und wird dem Verderber nicht erlauben, in eure Häuser zu kommen, um zu schlagen“ (2. Mo 12,23). Und wenn die Kinder nach dem Sinn des Passahfestes fragen würden, sollten die Eltern sagen: „Es ist ein Passahopfer dem Herrn, der an den Häusern der Kinder Israel in Ägypten vorüberging, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser rettete“ (2. Mo 12,27). Das Passahlamm weist auf Christus und auf die Errettung hin, die wir in Ihm haben (1. Kor 5,7).

Als Rahab zwei israelitische Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte, sprach sie zu ihnen: Nun schwört mir doch bei dem Herrn, weil ich Güte an euch erwiesen habe, dass auch ihr an dem Haus meines Vaters Güte erweisen werdet; und gebt mir ein zuverlässiges Zeichen, und lasst meinen Vater und meine Mutter und meine Brüder und meine Schwestern und alle ihre Angehörigen am Leben und errettet unsere Seelen vom Tod!“ (Jos 2,12.13). Die beiden Kundschafter antworteten darauf: „Siehe, wenn wir in das Land kommen, so sollst du diese Karmesinschnur ins Fenster binden, durch das du uns heruntergelassen hast, und sollst deinen Vater und deine Mutter und deine Brüder und das ganze Haus deines Vaters zu dir ins Haus versammeln; und es soll geschehen, wer irgend aus der Tür deines Hauses auf die Straße gehen wird, dessen Blut sei auf seinem Haupt, und wir werden von unserem Eid entbunden sein. Jeder aber, der bei dir im Haus sein wird, dessen Blut sei auf unserem Haupt, wenn Hand an ihn gelegt wird“ (Jos 2,18.19). So wurden Rahab und ihre Angehörigen gerettet, als die Stadt Jericho von den Israeliten eingenommen wurde (Jos 6,22.23).

Beispiele aus dem Neuen Testament

Nachdem Zachäus den Herrn Jesus mit Freude in sein Haus aufgenommen und erklärt hatte, dass ihn ein achtbares Leben vor Gott nicht rechtfertigen würde, sprach Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, da ja auch er ein Sohn Abrahams ist; denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist“ (Lk 19,9). Zachäus war ein wahrer Sohn Abrahams, denn er zeigte Glauben – er und sein ganzes Haus. Darum erlebte diese Familie das Heil Gottes.

Nachdem Petrus der gottesfürchtigen Familie des römischen Hauptmanns Kornelius das Evangelium des Friedens gebracht hatte, musste er sich später vor den jüdischen Brüdern für diesen Besuch bei den Heiden rechtfertigen. Im Blick auf Kornelius sagte Petrus: „Er erzählte uns aber, wie er in seinem Haus den Engel gesehen habe, der dastand und sagte: Sende nach Joppe und lass Simon holen, der auch Petrus genannt wird; der wird Worte zu dir reden, durch die du errettet werden wirst, du und dein ganzes Haus“ (Apg 11,13). Und so war es auch gekommen: Kornelius und sein ganzes Haus hatten an das Evangelium geglaubt und waren alle getauft worden (Apg 10,44).

Später lesen wir in der Apostelgeschichte von der Purpurhändlerin Lydia, deren Herz der Herr auftat, als der Apostel Paulus zu ihr die Worte des ewigen Lebens redete. Sie glaubte, und sie wurde getauft mit ihrem ganzen Haus (Apg 16,15).

Direkt danach wird berichtet, wie Paulus und Silas ins Gefängnis geworfen wurden. Doch Gott befreite sie durch ein starkes Erdbeben, das die Türen des Gefängnisses aufbrach. Der Gefängniswärter wurde durch dieses Eingreifen göttlicher Macht in seinem Gewissen getroffen, so dass er zitternd vor Paulus und Silas hinfiel und fragte: „Ihr Herren, was muss ich tun, um errettet zu werden?“ (Apg 16,30). Die Antwort lautete: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus“ (Apg 16,31). {Ist es nicht bemerkenswert, dass „du und dein Haus“ oft weggelassen wird, wenn dieser Vers zitiert wird? Vielleicht zeigt dies, dass der Gedanke, dass Gott ganze Häuser retten möchte, uns nicht in vollem Maß bewusst ist.}

Danach redeten Paulus und Silas das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren. Alle glaubten und wurden getauft. Der Gefängniswärter führte daraufhin die Diener des Herrn, „ins Haus hinauf, setzte ihnen einen Tisch vor und frohlockte, an Gott gläubig geworden, mit seinem ganzen Haus“ (Apg 16,34).

Zwei Kapitel später wird von dem Synagogenvorsteher Krispus berichtet, dass er mit seinem ganzen Haus an den Herrn glaubte (Apg 18,8).

Alle diese Beispiele zeigen eindrücklich, dass Gott ganze Familien erretten will und errettet. {Aus dem ersten Korintherbrief lernen wir, dass durch einen gläubigen Elternteil in der Familie der ungläubige Ehepartner und die Kinder geheiligt sind (1. Kor 7,14). Die Heiligkeit ist natürlich nur eine äußere – durch den Gläubigen steht die Familie in äußerer Verbindung mit dem Volk Gottes. Es ist nun das intensive Bemühen des Geistes Gottes, dass aus der äußeren Heiligkeit eine innere Heiligkeit wird: dass die ungläubigen Familienmitglieder zum Glauben kommen und gerettet werden.}

Das ist eine große Ermunterung und Freude für Ehepaare, denen der Herr Kinder anvertraut hat! Mit viel Glaubenszuversicht werden sie darum täglich für ihre Kinder beten und ihnen immer wieder den Weg des Heils vorstellen! Aber auch Ehepaare, die Nachwuchs erwarten (oder vor dem Herrn über dieses Thema nachdenken), können eine Menge Zuversicht aus diesen Worten schöpfen: „Du wirst errettet werden, du und dein ganzes Haus.“

Persönliche Verantwortung

Die Gnade Gottes, die sich an ganzen Familien erweist, nimmt aber nichts von der persönlichen Verantwortung weg: Jeder Einzelne muss sich bewusst bekehren und eine eigene Entscheidung für den Herrn treffen.

Denken wir an die Beispiele aus dem Alten Testament: Die Familie Noahs wurde nur gerettet, wenn sie auch in die Arche hineinging. Der Erstgeborene einer israelitischen Familie war nur sicher, wenn er in der denkwürdigen Nacht in der Wohnung blieb; ähnlich verhielt es sich bei Rahab und ihren Angehörigen. Und die Geschichte Lots zeigt sehr deutlich, dass man seiner Verantwortung auch nicht entsprechen kann: Lots Schwiegersöhne glaubten seinen Worten nicht und blieben in Sodom zurück. Lots Frau wurde zwar aus der Stadt herausgeführt, erstarrte dann aber zur Salzsäule, weil sie sich nicht von der verdorbenen Stadt losreißen konnte (1. Mo 19,14.26). Auch die Lebensgeschichten von Ismael, Esau, Absalom und anderen machen klar, dass „Gott keine Enkelkinder hat“.

Was für eine ernste Warnung für Kinder gläubiger Eltern! Man kann über Jahre hinweg im Kreis der Familie und unter dem Volk Gottes das Licht der Bibel wahrgenommen haben – und doch in die ewige Nacht hinabstürzen! Darum: Tu Buße und glaube an das Evangelium! „Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?“ (Röm 2,4).

Gerrid Setzer

Der Herr ist nahe

So, 06/10/2018 - 00:01

Bibelstellen: Philipper 4,4

Genau in der Mitte der Ermahnungen, die Paulus den Philippern in Philipper 4,1–9 gibt, finden wir die ermunternde Aussage, dass der Herr nahe ist (Phil 4,4). Mit dieser Tatsache vor Augen würde es den Philippern – und auch uns – leichter fallen, die Ermahnungen des Apostels zu beherzigen und im täglichen Leben zu verwirklichen. Ja, der Herr ist nahe – und zwar in zweifacher Hinsicht: Er ist nahe in zeitlicher Hinsicht, wenn wir an sein nahe bevorstehendes Kommen denken. Er ist aber auch nahe in räumlicher Hinsicht, wenn wir an seine Gegenwart in unserem Leben denken. Mit seinem Kommen vor uns und seiner Gegenwart um uns sind auch wir in der Lage, seinen Ermahnungen Folge zu leisten und zu seiner Freude unseren Lebensweg über diese Erde zu gehen. Im Folgenden möchten wir uns die zwei Aspekte seines Naheseins ein wenig näher ansehen.

Herr ist nahe in zeitlicher Hinsicht

Das Kommen des Herrn ist sehr nahe – und rückt täglich näher. Sein Kommen ist heute näher als zu dem Zeitpunkt, als wir zum Glauben kamen (vgl. Röm 13,11). Wenn Er noch wartet, dann deshalb, weil Er in seiner großen Langmut und Güte nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen (vgl. 2. Pet 3,9). Es gibt keine einziges prophetisches Ereignis oder weltgeschichtliches Geschehen, das vor dem Kommen des Herrn noch stattfinden müsste: Er kann heute noch kommen! Alles in dieser Welt deutet darauf hin, dass sein Kommen sehr nahe ist. Er hat selbst gesagt: „Ich komme bald (oder auch: schnell, eilends)“ (Off 22,20). Das Bewusstsein seines nahe bevorstehenden Kommens rückt die Dinge dieser Erde ins rechte Licht und hilft uns, in widrigen Umständen auszuharren und täglich mit Freude das zu tun, was Er vor unsere Füße legt.

Der Herr ist nahe in räumlicher Hinsicht

Der Herr ist nahe – nicht nur, was sein Kommen betrifft, sondern auch, was seine Gegenwart angeht. Das Kind Gottes weiß: Der Herr ist stets bei mir. Er wird mich nicht versäumen und mich nicht verlassen (vgl. 5. Mo 31,6.8; Jos 1,5; Ps 23,4; Heb 13,5). „Ich bin mit dir“ ist eine Verheißung, die der Herr unzähligen Gläubigen sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament gegeben hat und die wir im Glauben auch für uns in Anspruch nehmen dürfen (vgl. 2. Sam 7,9; Jos 1,5; Apg 18,10). Er hat selbst gesagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20). Das Bewusstsein seiner Gegenwart erfüllt unser Herz mit tiefem Frieden und gibt uns Trost und Sicherheit in allen Lagen. Wie auch immer die Lebensumstände sein mögen – Er ist da in der ganzen Fülle seiner Person! Gibt es etwas Größeres als die Gegenwart dessen, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf der Erde und der uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat (vgl. Mt 28,18; Eph 5,1)?

Daniel Melui

Unendlich weit

Sa, 06/09/2018 - 00:01

Bibelstellen: Psalm 103,12

Der Nordpol ist von Deutschland aus ganz schön weit entfernt: rund 5.000 Kilometer Luftli-nie. Zum Südpol sind es sogar ca. 15.000 Kilometer. Und wie weit ist es von hier bis zum Westpol oder zum Ostpol? Dumme Frage, denn diese Pole gibt es natürlich nicht. Aber es ist gut, das im Hinterkopf zu haben, wenn wir uns eine großartige Botschaft aus den Psalmen anschauen …

„So weit der Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Übertretungen“ (Ps 103,12).

Wie weit hat Gott unsere Übertretungen von uns weggetan? So weit auf der Erde der Os-ten vom Westen ist. Also unendlich weit! Denn Osten und Westen haben keinen Fixpunkt wie der Nord- und Südpol.

Darum hat der Psalmdichter nicht geschrieben, dass Gott die Übertretungen von uns ent-fernt hat, so weit der Norden vom Süden ist. Denn wenn sich auch der Abstand zwischen Südpol und Nordpol auf immerhin rund 20.000 Kilometer beziffert – unendlich ist er nicht.

Jeder, der Gott seine Lebensschuld bekannt und Jesus Christus als seinen Retter ange-nommen hat, darf wissen: Gott wird ihm seine Sünden nie mehr vorhalten. Durch das vollkommene Opfer des Herrn Jesus ist der Gläubige „auf immerdar vollkommen gemacht“ (Heb 10,10.14). Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, hat ihn von jeder Sünde gereinigt – für immer (vgl. 1. Joh 1,7; Heb 8,12).

Es ist beachtlich, wie eindrücklich bereits das Alte Testament davon spricht, wie vollstän-dig Gottes Vergebung ist. Wir, die wir das Sühnungswerk des Herrn Jesus kennen, wollen einige Stellen auf uns anwenden und wirken lassen:

„Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid: Du zogst liebevoll meine Seele aus der Grube der Vernichtung; denn alle meine Sünden hast du hinter deinen Rücken geworfen“ (Jes 38,17).

„Ich habe deine Übertretungen getilgt wie einen Nebel, und wie eine Wolke deine Sünden“ (Jes 44,22).

„Ich werde ihre Schuld vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken“ (Jer 31,34).

„In jenen Tagen und zu jener Zeit, spricht der HERR, wird Israels Ungerechtigkeit gesucht werden, und sie wird nicht da sein, und die Sünden Judas, und sie werden nicht gefunden werden; denn ich will denen vergeben, die ich übrig lasse“ (Jer 50,20).

„Er wird sich unser wieder erbarmen, wird unsere Ungerechtigkeiten niedertreten; und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen“ (Mi 7,19).

I hear the accuser roar,
of ills that I have done.
I know them well, and thousands more;
Jehova findeth none.
(nach Samuel W. Gandy, 1780–1851)

Übersetzung:
Ich höre den Verkläger brüllen,
wegen Sünden, die ich nicht kann verhüllen,
ich kenne sie gut, ja, tausend sind meine –
aber der HERR findet keine.

Gerrid Setzer

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