Bibelstudium

Subscribe to Bibelstudium Feed
Neue Artikel auf bibelstudium.de
Aktualisiert: vor 18 Stunden 16 Minuten

Er wollte nicht allein bleiben

Sa, 05/19/2018 - 00:01

Bibelstellen: Johannes 12,24; 13,1; 14,2.3;17,24

Nicht mehr lange und der Sohn Gottes würde aus dieser Welt zum Vater zurückkehren (Joh 13,1). Zuvor aber würde er das Werk vollbringen, welches der Vater ihm gegeben hatte (Joh 17,4). In Johannes 10 hatte der Herr bereits gesagt: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt, es zu lassen, und habe Gewalt, es wiederzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen“ (Joh 10,17.18). Nun stand er kurz davor, sein Leben zu geben. Die Welt würde erkennen, dass er den Vater liebt und so tut, wie der Vater ihm geboten hatte (Joh 14,31).

In den letzten Stunden auf dem Weg von dem Obersaal, durch das Kidrontal bis in den Garten Gethsemane, wo man ihn schließlich verhaften würde, kümmert der Herr sich liebevoll um seine Jünger. Für sie würde sich alles verändern. Ihr Herr, mit dem sie drei Jahre lange auf engste verbunden war, den sie persönlich kannten, würde nicht mehr körperlich bei ihnen sein. Doch er würde sie nicht verwaist in dieser Welt zurücklassen (Joh 14,18), sondern den Sachwalter zu ihnen senden (Joh 15,26). Es war sogar nützlich, dass der Herr weggeht, damit der Sachwalter komme (Joh 16,7). Für die Jünger war das zu diesem Zeitpunkt noch zukünftig. Seit Pfingsten (Apg 2) ist der Heilige Geist nun auf der Erde und wohnt sowohl in dem Gläubigen individuell (1. Kor 6,19) als auch in der Versammlung korporativ (1. Kor 3,16). Daneben durften die Jünger noch wissen, dass der Herr, wenn auch nicht mehr körperlich, doch bei ihnen sein werde, was der Herr ihnen dann noch später zusicherte (Mt 28,20).

Doch neben diesen Wahrheiten, stellt der Herr ihnen hier im Obersaal eine viel herrlichere Wahrheit vor: „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen …  Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, euch ihr seiet“ (Joh 14,2.3). Später in Johannes 17 sagte der Herr Jesus noch einmal: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast“ (Joh 17,24). Was für ein Ziel, was für ein Trost, was für ein Ausblick, den der Herr hier seinen Jüngern vorstellt! Ja, sie würden wieder Gemeinschaft mit ihrem Herrn haben und mit ihm mit dem Vater. Aber eben nicht hier auf der Erde, sondern in der herrlichen Sphäre des Vaterhauses.

Doch bevor das möglich werden konnte, musste die Stätte bereitet werden. Das redet davon, dass der Herr Jesus als Mensch zu dem Vater zurückkehren würde. Wir dürfen wissen, dass dort im Haus des Vaters nun ein Mensch ist – der verherrlichte Mensch Jesus Christus. Aber er ist nicht in das Haus des Vaters gezogen, um dort allein mit dem Vater zu sein, sondern vielmehr um das Vaterhaus für viele zu öffnen! Es ist ein Haus mit „vielen Wohnungen“, die bereitet sind für die Seinen. Wenn wir jetzt in den Himmel sehen, dann sehen wir einen verherrlichten Herrn (vgl. Heb 2,9). Wir dürfen wissen, dass wir genau dort, wo er ist, auch einmal sein werden, ja, wir werden auch „ihm gleich sein …, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh 3,2).

Doch der Weg des Herrn zur Herrlichkeit führte ihn durch Leiden: „Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lk 24,26). Wenn wir den Herrn Jesus auch „mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ sehen (Heb 2,9), dann stimmt es dennoch, dass er „ein wenig unter die Engel, wegen der Leiden des Todes erniedrigt war“. Und wenn er auch wegen der vor ihm liegenden Freude das Kreuz erduldete und sich auch gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes, dann hat das trotzdem die Schande des Kreuzes für ihn bedeutet (Heb 12,2). Christus musste einmal für Sünden leiden, „der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe“ (1. Pet 3,18).

Dieser Leidensweg war für den Herrn Jesus unausweichlich. Er musste der „Mann der Schmerzen werden und mit Leiden vertraut“ (Jes 53,3). Einsam, still und unverstanden war er hier diesen Weg über diese Erde gegangen. Wer von den Menschen hatte wirklich verstanden, was sein Herz beschäftigte? Von den Menschen konnte er nur Feindschaft erwarten. Und jetzt, kurz vor seinem Tod, hatten ihn sogar alle seine Jünger verlassen (Mt 26,56). Vergeblich hatte er nach Mitleid und nach Tröstern gesucht, doch da war niemand (vgl. Ps 69,21). Wie schwer fällt es uns schon, diese Einsamkeit des Herrn nachzuempfinden. Wohl kaum jemand von uns – und wenn doch, dann nur in schwacher Form – hat es erfahren, wenn es wirklich keinen gibt, dem man sich anvertrauen kann, der einen versteht. Und doch musste der Herr in die noch größere Einsamkeit des Gottverlassenseins gehen. In seinem ganzen Leben hatte David es niemals gesehen, dass ein Gerechter von Gott verlassen war (Ps 37,25). Er konnte von den vielen Generationen vor ihm berichten, wie sie auf Gott vertraut hatten und errettet worden waren. „Zu dir schrien sie und wurden errettet; sie vertrauten auf dich und wurden nicht beschämt“ (Ps 22,5.6.). Und doch hören wir am Kreuz „den Heiligen und Gerechten“ (Apg 3,14) rufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46), als er in das Gericht eines heiligen und gerechten Gottes über Sünde und Sünden ging. Meine Sünden. Deine Sünden.

Er musste diesen Weg gehen, sonst wäre das Weizenkorn allein geblieben. Nur wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht (Joh 12,24). Doch er wollte nicht allein bleiben. Darum litt er. Darum starb er.

Der Himmel steht offen; Herz, weißt du, warum?
Weil Jesus gekämpft und geblutet: darum.

Auf Golgathas Hügel, da litt Er für dich,
als Er für die Sünder am Kreuze erblich.

Friedemann Werkshage

Die Liebe denkt nicht Böses

Fr, 05/18/2018 - 00:01

Bibelstellen: 1. Kor 13,5

„Die Liebe denkt nichts Böses“ (1. Kor 13,5; siehe Anmk. Elberfelder Übersetzung). 

Die Liebe setzt bei anderen nicht grundlos etwas Schlechtes voraus. Wer die gesunden Worte, die unseres Herrn Jesus Christus sind, nicht annimmt, der mag in bösen Verdächtigungen schwelgen (1. Tim 6,4) – aber die Liebe tut so etwas nicht.

Wenn jemand sein Angesicht in Falten legt, muss er kein Groll im Herzen haben. Vielleicht hat so jemand nur Kopfschmerzen oder will sich auf etwas konzentrieren. Die Liebe vermutet hier nichts Schlechtes.

Wenn ein Bruder nicht alle Geschwister vor dem Versammlungsraum begrüßt, so muss das nicht der Ausdruck davon sein, dass er gegen andere etwas hat. Vielleicht möchte er andere im Gespräch nicht stören oder hat einfach nur vergessen, wer begrüßt wurde und wer nicht. Die Liebe denkt und vermutet nichts Böses.

Wenn eine Schwester sich betont leise mit einer anderen unterhält und das Gespräch abbricht, sobald eine andere dazukommt, dann muss sie nicht Verleumdungen ausgesprochen haben, die sonst keiner hören soll. Vielleicht ging es um eine Geburtstagsüberraschung oder vielleicht sollten negative Dinge bewusst in einem möglichst kleinen Kreis gehalten werden. Die Liebe denkt nichts Böses.

Die Liebe ist sicher nicht blauäugig. Sie hat ein moralisches Urteil und nennt das Böse böse und das Gute gut. Aber solange die Liebe keinen konkreten Anhaltspunkt für etwas Verkehrtes hat, setzt sie das Gute voraus. Das ist Liebe! Und wie viel Irritationen hätten unter Gläubigen vermieden werden können, wenn man diesen einfachen Grundsatz beachtet hätte!

Gerrid Setzer

Mit unseren Jungen und unseren Alten

Do, 05/17/2018 - 00:01

Bibelstellen: Sprüche 4,23; 2. Mose 10,9; Richter 2,7

Als Pharao das Volk Israel aus Ägypten ziehen lassen sollte, weigerte er sich und brachte Einwände dagegen vor. Einer dieser Einwände war, nicht das ganze Volk ziehen zu lassen. Auf die Frage des Pharaos, wer alles aus Ägypten ziehen würde, antwortet Mose: „Mit unseren Jungen und mit unseren Alten wollen wir ziehen, mit unseren Söhnen und mit unseren Töchtern, mit unserem Kleinvieh und mit unseren Rindern wollen wir ziehen; denn wir haben ein Fest des Herrn“ (2. Mose 10,9). Der Pharao aber wollte die Kinder im Land Ägypten behalten und sie von ihren Eltern trennen.

Gehen wir zurück in die Zeit der Christenverfolgung im Kommunismus, so war auch dort das erklärte Ziel, die Kinder von den Eltern zu trennen. Christliche Eltern wurden aufgrund ihres Glaubens ins Gefängnis geworfen, während ihre Kinder ihres Glaubens wegen diskriminiert wurden. Ganz bewusst versuchte man einen Keil zwischen Kinder und Eltern zu treiben. Auf diese Weise wollte man die Weitergabe des christlichen Glaubens und christlicher Werte verhindern. Somit würde das Christentum im wahrsten Sinne des Wortes aussterben. Eine neue, christuslose Generation würde groß werden und ganz im Sinne der Ideologie des Kommunismus leben.

Wir sehen deutlich, dass es Satans Ziel ist, die Kinder von den Eltern zu trennen – auch heute noch. Das hat mindestens zwei Konsequenzen, die miteinander verbunden sind:

  1. Die Beziehung zwischen christlichen Eltern und Kindern wird gestört.
  2. Die Weitergabe des christlichen Glaubens wird in Mitleidenschaft gezogen bis sogar verhindert.

Als christliche Eltern wollen wir hier sehr sensibel und aufmerksam sein. Es mag allgemein normaler sein, seine Kinder immer früher in fremde Obhut zu geben. Aber täuschen wir uns nicht: Die zeitlichen und finanziellen „Freiheiten“, die damit einhergehen, haben einen hohen Preis. Was unsere Kinder brauchen, sind eindeutige und starke Beziehungen, die dauerhaft und belastbar sind. Die kommen aber nicht zustande, wenn unsere Kinder dauernd woanders untergebracht sind und sich die Bezugspersonen im schnellen Tempo ändern. Das mag vielleicht ganz abwechslungsreich und spaßig für das Kind sein. Es mag auch sein, dass das eine Zeit gutgeht. Aber lasst uns nicht kurzsichtig sein. Es werden Fragen und Situationen in dem Leben unserer Kinder, vor allem in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter, aufkommen, die eine bestehende und belastbare Beziehung erfordern, deren Wurzeln in der frühen Kindheit liegt.

Mehrfach sehen wir im Alten Testament, wie Eltern, speziell Väter, angewiesen werden, wie sie ihren Kindern antworten sollen, wenn diese Fragen stellen (vgl. 2. Mo 12,26; 5. Mo 11,19; Jos 4,6). Gott ist es wichtig, dass die Kinder von ihren Eltern unterrichtet werden, dass das „Glaubensgut“ von der einen Generation zur nächsten weitergegeben wird. Dabei geht es nicht um die bloße Weitergabe, sondern um das Einpflanzen in die Herzen unserer Kinder. Im Sinn von Sprüche 4,23 wollen wir sagen: Hüte das Herz deiner Kinder mehr als alles andere, denn von ihm sind die Ausgänge des Lebens. Das setzt Nähe und Beziehung zu unseren Kindern voraus.

In Richter 2 können wir im Prinzip die Folgen eines „Generationsbruches“ sehen. Josua und seine Generation kannten „das ganze große Werk des Herrn“ (Ri 2,7). Sie hatten es selbst gesehen und erlebt. Doch dann starb diese Generation, und eine neue Generation wuchs heran, die „den Herrn nicht kannte und auch nicht das Werk, das er für Israel getan hatte“ (Ri 2,10b). Was war die Folge davon? „Und die Kinder Israel taten, was böse war in den Augen des Herrn, und dienten den Baalim“ (Ri 2,11). Diese Situation hält uns deutlich die Ernsthaftigkeit unserer Verantwortung vor Augen.

Wir wollen vorsichtig sein und nicht voreilig urteilen, wenn es um die Erziehung fremder Kinder geht. Wenn eines unser eigenen Kinder böse Wege geht, kommen wir sicherlich nicht umhin, uns vor Gott zu prüfen, wo wir unser Verantwortung nicht entsprochen haben. Die andere Seite ist, dass aufwachsende Kinder auch eigene Entscheidungen treffen, für die sie selbst verantwortlich sind. Gehen unsere Kinder Wege, die in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes und zur Freude unseres Herrn sind, wollen wir demütig sein und dies nicht der eigenen „fabelhaften“ Erziehung zuschreiben, sondern die Gnade Gottes rühmen, die – trotz unseres Versagens als Eltern – das in dem Leben unserer Kinder bewirkt hat.

Lasst uns Mut haben und uns gegen den Mainstream stellen und treu dem Prinzip folgen: „Mit unseren Jungen und unseren Alten wollen wir ziehen!“

Friedemann Werkshage

Wie die Flügel einer Taube

Mi, 05/16/2018 - 00:01

Bibelstellen: Psalm 68,14

„Wenn ihr zwischen den Hürden liegt, werdet ihr sein wie die Flügel einer Taube, die mit Silber überzogen sind und ihre Schwingen mit grüngelbem Gold“ (Ps 68,14).

Der angeführte Vers aus Psalm 68 ist nicht leicht zu verstehen: Was bedeutet es, dass Gottes Volk „zwischen den Hürden liegt“? Und was ist damit gemeint, dass sie „wie Flügel einer Taube“ werden?

Es ist hilfreich, das Lied Deboras aus Richter 5 neben Psalm 68 zu stellen. In dem Lied Deboras werden die Helden gefeiert, die gegen die Kanaaniter in den Kampf zogen. Doch der Stamm Ruben marschierte nicht mit: „An den Bächen Rubens waren große Beschlüsse des Herzens. Warum bliebst du zwischen den Hürden, das Flöten bei den Herden zu hören? An den Bächen Rubens waren große Beratungen des Herzens“ (Ri 5,15.16). Die Rubeniter beschlossen zwar, mit Barak und Debora auszurücken, doch sie berieten sich so lange, bis die Schlacht vorüber war. Sie waren zu bequem für den Kampf, und darum blieben sie in den Pferchen und lauschten dem schönen Flötenklang. Sie machten sich nicht bewusst, dass der HERR selbst unter den kämpfenden Helden war (Ri 5,13.23).

Im Gegensatz zu den Bequemen, die sich hinter den Hürden verkriechen, steht die fliegende Taube. Ihr rascher Flügelschlag treibt sie mit großer Geschwindigkeit voran, und ihr buntes und schönes Gefieder ist weithin zu sehen. Und gerade so flink werden die Faulen werden, wenn der HERR aufsteht, die Feinde niederwirft und in Zion einzieht (Ps 68,2.18.19). Die, die zwischen den Hürden liegen, werden dann sein „wie die Flügel einer Taube, die mit Silber überzogen sind und ihre Schwingen mit grüngelbem Gold“. Es wird nicht bei den Beratungen und Beschlüssen des Herzens bleiben wie in den Tagen Deboras, sondern Gott wird seinem irdischen Volk „Flügel verleihen“ und sie so zu Reichtum und Herrlichkeit führen (vgl. Ps 68,31).

Das alles hat auch für uns eine Botschaft: Wir sollen dem Herrn eifrig dienen und dazu aus unserer Komfortzone herauskommen. Es ist gut, wenn wir einen heiligen Entschluss in unserem Herzen fassen, „den guten Kampf des Glaubens“ entschieden zu führen. Es ist gut, wenn wir uns mit anderen über die Möglichkeiten des Dienstes austauschen. Aber das ist nicht genug! Wir müssen uns auch wirklich „aufschwingen“, damit wir etwas zum Wohl des Volkes Gottes beitragen und zur Ehre des Herrn sind. Beschlüsse und Beratungen allein bewirken nichts. Nur, wenn wir uns erheben und das tun, was Er uns vor die Füße legt, werden wir seinen ganzen Segen erfahren. – „Mach dich auf“ (Ri 5,12)!

Gerrid Setzer

Abhängigkeit im Leben Jesu (95)

Di, 05/15/2018 - 00:01

Bibelstellen: Johannes 7,38-39

Ströme lebendigen Wassers

„Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die an ihn Glaubenden empfangen sollten“ (Joh 7,38.39).

Die Kraft, in der der Herr Jesus aus der Wüste zurückkehrte, sollte sich jetzt in seinem öffentlichen Dienst entfalten. Wenn schon im Blick auf das Volk Gottes gesagt wird, dass es „wie ein bewässerter Garten (ist) und wie ein Wasserquell, dessen Gewässer nicht trügen“ (Jes 58,11) wie viel mehr trifft das dann auf den Knecht Gottes zu. Die Frucht des Geistes wurde in Ihm gesehen wie in keinem anderen!

Aus dem Leib, der eben noch gefastet hatte, sollten jetzt Ströme lebendigen Wassers hervorgehen – zum Segen großer Volksmengen und all derer, die im Glauben zu Ihm kamen. Petrus sagt, dass Jesus „umherging, wohltuend und alle heilend, die von dem Teufel überwältigt waren“ (Apg 10,38) – und das alles geschah durch das Wirken des Geistes in Ihm!

Der Bauch des Menschen ist normalerweise der Ort, der dauerhaft nie zufrieden ist, sondern immer wieder nach Nahrung verlangt. Paulus schreibt, dass es Menschen gibt, deren Gott der Bauch ist, d.h. die den natürlichen Bedürfnissen und der persönlichen Befriedigung den höchsten Platz im Leben geben (vgl. Phil 3,19).

Bei Christen dagegen soll gerade (sozusagen) von diesem Ort aus – durch den Geist – ein permanenter Überfluss hervorströmen, wie die Worte des Herrn in Johannes 7,38 zeigen. Christus will nicht nur unsere persönlichen Bedürfnisse stillen, sondern uns durch den Geist auch zu Segenskanälen für andere machen. Wir sind nicht nur mit dem Geist gesalbt, sondern unser Becher soll auch überfließen (vgl. Ps 23,5). Das geschieht u.a. dadurch, dass wir durch die Kraft des Geistes überreich in der Hoffnung sind und diese auch an andere weitergeben (vgl. Röm 15,13).

Übrigens kennzeichnet es den Heiligen Geist, dass Er ununterbrochen fließt. Das sehen wir auch im Blick auf das Öl, das so lange floss, wie leere Gefäße vorhanden waren, um es aufzunehmen (vgl. 2. Kön 4).

Kannst du auch mit Überzeugung sagen: „Alle meine Quellen sind in dir“ (Ps 87,7)? Bist du ein Segenskanal für andere, durch den die Kraft des Geistes permanent fließen kann? Ist es für heute dein Ziel, „den Glaubenden durch die Gnade sehr behilflich zu sein“ (vgl. Apg 18,27)?

Jan Philip Svetlik

Der Richter Simson

Mo, 05/14/2018 - 00:01

Bibelstellen: Richter 13-16

Simson verfügt über eine gewaltige Kraft. Er tötet einen Löwen mit bloßen Händen, kämpft allein erfolgreich gegen ein Heer und reißt ein Stadttor aus seiner Verankerung. Doch dieser starke Mann ist auch schwach: Schönen Frauen kann er nicht widerstehen. Das wird ihm zum Verhängnis.

Simson wächst in einem gottesfürchtigen Elternhaus auf. Gottes Segen ruht auf dem jungen Mann, der von Mutterleib an ein Nasir ist – ein Abgesonderter für Gott (4. Mo 6). Der Geist Gottes beginnt früh, ihn im Grenzgebiet der Philister umherzuführen. Seine Berufung ist klar: Er soll gegen die Philister kämpfen, die das Volk Israel bedrücken (Ri 13).

Die erste Frau – eine gescheiterte Beziehung

Um mit den Philistern auf Tuchfühlung zu gehen, begibt sich Simson nach Timna, einer Stadt der Philister. Doch es kommt zunächst nicht zum Kampf mit den Philistern, sondern zur Liebschaft mit einer Philisterin. Sehen wir uns an, was hier alles schiefläuft:

  • Simson lässt sich von seinen Augen leiten: Das Aussehen der Frau scheint ihm (zu) wichtig zu sein (Ri 14,1.2).
  • Simson fragt seine Eltern nur pro forma, ob er diese Frau heiraten darf – seine Entscheidung ist offenbar schon längst gefallen (Ri 14,2.3).
  • Simson übergeht den Rat seiner Eltern, sich eine Frau aus dem Volk Gottes zu nehmen (Ri 14,3). Auch pflegt er anscheinend nicht das engste Vertrauensverhältnis zu ihnen (vgl. Ri 14,6).
  • Simson ist dem Wort Gottes ungehorsam, denn das Gesetz untersagt grundsätzlich eine Verbindung zwischen einem Israeliten und einer Heidin (vgl. 5. Mo 7,3).
  • Simson ist eigenwillig und unabhängig, denn es geht ihm nur darum, dass die Frau recht in seinen Augen ist, und nicht darum, dass sie auch recht in Gottes Augen ist (Ri 14,3.7).

Die Beziehung zwischen Simson und der Philister-Frau steht auf einem brüchigen Fundament. Bereits bei der siebentägigen Hochzeitsfeier gibt es daher manche Irritationen, und schließlich endet alles in einer Tragödie:

  • An allen Tagen der Feier fließen bittere Tränen der Braut, von der Freude des Hochzeitspaares lesen wir nichts (Ri 14,16.17).
  • Die Braut spricht davon, dass Simson sie hassen würde, von Liebesbezeugungen hingegen vernehmen wir keine Silbe (Ri 14,16).
  • Simsons Braut versteht nichts von seinen Glaubenserfahrungen und -siegen: Sie kann darum sein Rätsel auch nicht lösen (Ri 14,16).
  • Als sie des Rätsels Lösung endlich aus ihm herausgepresst hat, missbraucht sie Simsons Vertrauen und verrät das Geheimnis an ihre Volksgenossen, die Feinde des Volkes Gottes (Ri 14,17).
  • Nachdem Simson die Wette verloren hat, stürmt er wutentbrannt weg und kehrt in das Haus seines Vaters zurück (Ri 14,19).
  • Als er es sich anders überlegt und zu seiner Braut zurückkehren und mit ihr Gemeinschaft haben will, ist sie bereits mit einem anderen verheiratet (Ri 15,1).
  • Das Drama endet damit, dass diese Frau von den Philistern in einer blindwütigen Vergeltungsaktion getötet wird (Ri 15,6).

Nach diesen traurigen Erlebnissen kann Simson gegen die Erzfeinde des Volkes Gottes einige beachtliche Erfolge erringen (Ri 15,7 ff.). Richter 15 endet mit der interessanten Bemerkung, dass Simson das Volk Israel 20 Jahre gerichtet hat: Sein Dienst ist also zum Abschluss gekommen. Danach wird fast nur noch berichtet, wie er sich in sündige Abenteuer verstrickt, in deren Verlauf er seine einzigartige Kraft einbüßen und zu einer tragischen Figur werden wird.

Die zweite Frau – eine gefährliche Affäre

Simson geht erneut zu den Philistern, nach Gaza. Wieder lässt er seine Blicke schweifen, die dieses Mal bei einer Prostituierten hängen bleiben. Was Simson bei der ersten Beziehung versagt blieb, holt er bei dieser Frau nach: Er teilt mit ihr das Bett.

Simsons Besuch in der Stadt bleibt nicht unbemerkt. Seine Feinde verstecken sich am Stadttor: Dort wollen sie den berüchtigten Kämpfer im Morgengrauen abfangen. Simson hat sich durch sein triebgesteuertes Verhalten in eine gefährliche Lage hineinmanövriert! Doch Simson verlässt das Haus der Hure – sicher durch das barmherzige Eingreifen Gottes – bereits um Mitternacht. Er reißt das Stadttor, wo seine Feinde lauern, in einem ungeheuren Kraftakt aus der Verankerung und trägt es in Richtung Hebron (Ri 16,1–3).

Doch diese Demonstration seiner Stärke hat einen Haken: Simson beseitigt keinen einzigen Philister. Er läuft vielmehr vor seinen Feinden weg! Das steht im deutlichen Widerspruch zu seiner Berufung. Und noch schlimmer: Simson verurteilt das Böse nicht, das er getan hat. Von Buße und Bekenntnis keine Spur. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sich die Fesseln der Sünde noch enger um ihn schließen werden (vgl. Pred 7,26).

Die dritte Frau – eine verhängnisvolle Liebe

„Und es geschah danach, da liebte er eine Frau im Tal Sorek, ihr Name war Delila“ (Ri 16,4). Zum ersten Mal wird davon gesprochen, dass Simson eine Frau liebt. Mit Delila geht er eine dauerhafte Beziehung ein. Aber offensichtlich lebt er in Hurerei, denn von Eheschließung lesen wir nichts. Sehen wir uns einige Aspekte dieser verkehrten Verbindung an:

  • Die Liebe beruht nicht auf Gegenseitigkeit, denn Delila liebt Simson nicht, sondern das Geld (Ri 16,5.6).
  • Simson erlebt das böse „Spiel“, dass seine Geliebte ihn zweimal bindet und einmal sein frei gewachsenes Nasiräer-Haar verwebt (Ri 16,7–14).
  • Delila überhäuft Simson mit Vorwürfen und stellt offen die von ihm beteuerte Liebe infrage (Ri 16,10–15).
  • Delila drängt und plagt ihn alle Tage mit ihren Worten (Ri 16,16).
  • Simsons Seele wird durch das Gejammer seiner Lebensgefährtin völlig zermürbt (Ri 16,16).

Was für eine armselige Beziehung: Simson ist todunglücklich! Doch statt die Reißleine zu ziehen, knickt Simson unter dem Trommelfeuer der Worte Delilas ein und verrät ihr schließlich das Geheimnis seiner übernatürlichen Stärke (Ri 16,17).

Damit hat Simson die letzte Trennungslinie zu den erklärten Feinden des Volkes Gottes verwischt. Er redet mit einer ungläubigen Philisterin so, als würde sie die göttlichen Gedanken verstehen können – dabei wollte sie ihm doch nur seine Kraft rauben (vgl. Spr 31,3). Simson hat die Absonderung eines Nasiräers komplett aufgegeben. In rascher Folge verliert er nun:

  • seine Weihe (Ri 16,19). Seine langen Nasiräer-Haare werden abgeschnitten.
  • seine Kraft (Ri 16,19). Gott reduziert seine Kraft auf Normalmaß.
  • seine Augen (Ri 16,21). Er verliert das, was er zum Schlechten gebraucht hat.
  • seine Freiheit (Ri 16,21). Er kann die Fesseln nicht mehr zerreißen.
  • seine Würde (Ri 16,21.23.25). Er verrichtet die Arbeit eines Esels, wird zum Symbol für die vermeintlich höhere Macht der Götzen und muss vor den Philistern spielen.
  • sein Leben (Ri 16,30). Als Gott ihm noch einmal Kraft gewährt, bedeutet dies das Ende seines Lebens: Der blinde Simson wird mit den Philistern unter den Trümmern eines Götzentempels verschüttet.

Simson war von Gott benutzt worden, um die Philister zu demütigen. Doch er schöpfte seine gewaltigen Möglichkeiten bei weitem nicht aus, verstrickte sich in der Sünde und starb früh.

Lektionen für uns

Die tragische Geschichte von Simson ist eine eindringliche Warnung für jeden Christen, Absonderung vom Bösen ernst zu nehmen. Ich möchte einige Lektionen für uns wie folgt zusammenfassen:

  • Jeder sexueller Kontakt außerhalb der Ehe ist Hurerei und eine zerstörerische Sünde. – Da die Risiken auf diesem Sektor groß sind, sollten wir einen Bund mit unseren Augen machen und uns nicht leichtfertig in Gefahr begeben (Hiob 31,1; vgl. Spr 7,6–23). Wenn wir unversehens in Gefahr geraten, wollen wir fliehen, wie Joseph es getan hat (1. Mo 37,12; 1. Kor 6,18). Und wenn wir gestrauchelt sind, sollten wir aufrichtig die Schuld bekennen, Buße tun und mit der Sünde brechen (Spr 28,13).
  • Wer als Kind Gottes jemand heiratet, der nicht gläubig ist, verstößt klar gegen Gottes Wort, schmiedet Unglück für seine Seele und vernichtet die Weihe für Gott. Christen sollen auch in dieser Hinsicht kein ungleiches Joch eingehen, sondern vielmehr „im Herrn“ heiraten (vgl. 2. Kor 6,14; 1. Kor 7,39). Der Rat gottesfürchtiger Eltern darf nicht in den Wind geschlagen werden (vgl. Spr 30,17).
  • Generell sind Freundschaften mit Ungläubigen für einen Gläubigen schlecht und gefährlich, denn die Freundschaft mit der Welt ist Feindschaft gegen Gott (Jak 4,4). Kinder Gottes und Kinder des Teufels passen nicht zusammen. „Welche Genossenschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ (2. Kor 6,14.15). – Wer der Welt „den Rücken kehrt“, läuft in die Arme eines allmächtigen Gottes (vgl. 2. Kor 6,18). Das sollte uns Mut machen, konsequent und entschieden zu sein.

Gerrid Setzer

Abhängigkeit im Leben Jesu (94)

So, 05/13/2018 - 00:01

Bibelstellen: Lukas 4,14

In der Kraft des Geistes dienen

„Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück“ (Lk 4,14).

40 Tage lang fastete der Sohn Gottes in der Wüste. Lukas, der Arzt, schreibt ausdrücklich, dass Er Hunger hatte (Lk 4,2). Doch genau jetzt war der Moment für Ihn gekommen, nach Galiläa zurückzukehren, um dort seinen öffentlichen Dienst zu beginnen.

Aber wie sollte Er – wenn wir an seine Menschheit denken – in diesem geschwächten körperlichen Zustand einen so weiten Fußmarsch zurücklegen? Er geht; doch nicht in seiner eigenen göttlichen Kraft, sondern Er stützt sich als Mensch auf die Kraft des Geistes Gottes, der Ihm in seiner Erschöpfung hilft und Ihn dazu befähigt, seinen Dienst zu beginnen.

Warum erwähnt Lukas diese Details an dieser Stelle? Sicher auch, um uns zu zeigen, dass Jesus seinen ganzen Dienst in der Kraft tat, die Gott Ihm gab. Sein freiwilliger Verzicht auf natürliche Energie, die Er sonst durch die Nahrung erhielt, lässt das umso deutlicher werden. Er machte sich sowohl von der Leitung als auch von der Kraft des Geistes abhängig. Der Psalmist schreibt: „Er hat kein Gefallen an der Stärke des Rosses noch Wohlgefallen an den Beinen des Mannes. Der HERR hat Wohlgefallen an denen, die ihn fürchten, an denen, die auf seine Güte harren“ (Ps 147,10.11). Was für eine Freude hatte Gott an seinem Knecht, der zu jeder Zeit auf seine Güte harrte und sich auch konkret auf seine Kraft stützte!

Zu Serubbabel sagte der HERR die ermutigenden Worte: „Dies ist das Wort des HERRN an Serubbabel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist“ (Sach 4,6). Davon konnte Paulus auch ein Lied singen. Nachdem er von den Juden gesteinigt und für tot erklärt worden ist, steht er wieder auf, geht in die Stadt zurück und zieht am nächsten Tag weiter, um seinen Dienst fortzusetzen (vgl. Apg 14,19–22). War es nicht der Geist Gottes, der ihm die Kraft dazu gab? Dem gleichen Apostel sagte der verherrlichte Herr: „Meine Gnade genügt, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht“ (2. Kor 12,9).

Auch wir werden dazu aufgefordert, nicht in eigener Kraft zu dienen, sondern in der Kraft, die Gott gibt – damit Er in allem verherrlicht wird (vgl. 1. Pet 4,11)! Unsere Verlegenheiten sind Gottes Gelegenheiten – das gilt auch, wenn wir schwach und erschöpft sind. Wenn der Geist Gottes unser Führer ist, wird Er uns zeigen wann es Zeit ist, zu dienen, und wann es Zeit ist, auszuruhen. Es gibt Situationen im Leben, wo man ermattet ist und trotzdem weitermacht (vgl. Ri 8,4).

Auf welche Kraft stützt du dich, wenn du Gott dienst? Gibst du Ihm durch ein bewusstes Anerkennen deiner Schwachheit die Möglichkeit, seine Kraft über dir wohnen zu lassen (vgl. 2. Kor 12,9)? Glaubst du, dass du ohne die Gnade des Herrn nichts tun kannst, was Ewigkeitswert hat?

Jan Philip Svetlik

Gott sitzt im Regiment

Sa, 05/12/2018 - 00:01

Bibelstellen: Off 1,1.4.9.19; Heb 2,9; Heb 10,12.13

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Drangsal und [dem] Königtum und [dem] Ausharren in Jesus, war auf der Insel, genannt Patmos, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen“ (Offenbarung 1,9).

Das letzte Buch der Bibel nennen wir allgemein „Die Offenbarung“. Die ersten Verse dieses Buches beschreiben uns dann, dass Gott selbst der Ursprung dieser Offenbarung ist. Gott hat dem Herrn Jesus eine Offenbarung gegeben: „Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab“ (Off 1,1). Inhalt und Mittelpunkt dieser Offenbarung ist dabei der Herr Jesus selbst. Durch einen Engel wird nun dem Apostel Johannes das Zeugnis dieser Offenbarung übermittelt und anvertraut.

Als Johannes dieses Zeugnis anvertraut bekam (um das Jahr 95 n.Chr.), befand er sich auf der sehr unwirtlichen, kahlen und kleinen Insel Patmos, die sich im Ägäischen Meer befindet. Wahrscheinlich unter dem römischen Kaiser Domitian war Johannes auf diese Insel in die Verbannung geschickt worden. Sehr sachlich, ohne irgendeine Klage oder eine Erwähnung der Verhaftung, des Prozesses und der Verhandlung, die der Verbannung wohl vorausgegangen waren, schreibt Johannes selbst, dass er dort „um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen“ (Off 1,9) war.

Satan hat immer seine Marionetten, sei es Judas, der den Herrn verriet, seien es die Führer des Volkes, die alles daran legten, den Herrn zu beseitigen, oder sei es der römische Machthaber Pilatus, der den Herrn schließlich zum Tode am Kreuz verurteilte. Es war ihre „Stunde und die Gewalt der Finsternis“ (Lk 22,53) gewesen, als der Herr der Herrlichkeit (vgl. 1. Kor 2,8) in die Hände von Sündern überliefert worden war (vgl. Mt 26,45).

Gute 65 Jahre später erfährt „der Jünger, den Jesus liebte“ (vgl. Joh 20,2; 21,7), wie er, von derselben Macht, die bereits seinen Herrn an das Kreuz gebracht hatten, als Verbrecher gebrandmarkt wird. Schon in Apostelgeschichte 4 und 5 sehen wir, wie dieser treue Jünger unerschrocken und gehorsam vor dem Synedrium Zeugnis von dem Herrn Jesus ablegt. Seine Treue war kein Strohfeuer gewesen, sondern hatte all die Jahre im Dienst für seinen Herrn angedauert. Nun hatte er sogar den Zorn des römischen Machthabers auf sich gezogen und war auf das (vermeintliche) „Abstellgleis“ gestellt worden: Auf der Insel Patmos wollte man ihn isolieren und unschädlich machen, bis dann der Tod das „Problem“ ganz gelöst hätte.

Schon bei der Kreuzigung des Herrn hatte es für eine kurze Zeit so geschienen, als habe das Böse einen Sieg errungen. Selbst die Jünger hatte Verzweiflung und Niedergeschlagenheit gepackt. Sie hatten sich die Sache so anders vorgestellt (vgl. Lk 24). Und doch hat der Herr durch seinen Tod einen wunderbaren Sieg errungen: „Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen, damit er durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel, und alle die befreite, die durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch [der] Knechtschaft unterworfen waren“ (Heb 2,14.15).

Wir wollen festhalten: Gott sitzt im Regiment! Er kommt an sein Ziel, mag Satan auch angreifen und wüten, wie er will. Das gilt auch für Gottes Diener. Johannes wurde verbannt, und auch Paulus musste in römische Gefangenschaft gehen. Doch das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass Gott die Umstände nutzt und seine Diener in die Stille und Abgeschiedenheit führt, um sie zu einem besonderen Dienst zu verwenden. Wie viele Briefe sind aus dem römischen Gefängnis geschrieben worden und sind bis heute den Gläubigen ein reicher Segen? Und so nutzt Gott das „römische Abstellgleis“ für die Abgeschiedenheit seines Knechtes, um ihn dieses Buch der Offenbarung schreiben zu lassen, dessen Studium heute noch mit einer Verheißung verbunden ist: „Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe“ (Off 1,3).

Jedes Kind Gottes darf heute noch glaubensvoll seine „Augen“ erheben und Jesus sehen, „der ein wenig unter [die] Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt – so dass er durch Gottes Gnade für alles [den] Tod schmeckte“ (Heb 2,9). Dort hat er „sich auf immerdar gesetzt zur Rechten Gottes, fortan wartend, bis seine Feinde hingelegt sind als Schemel seiner Füße“ (Heb 10,12.13). Mit Johannes und allen Gläubigen dürfen wir an dem Ausharren des Herrn Jesus teilhaben (vgl. Off 1,9), bis dass der Herr Jesus in großer Macht und Herrlichkeit auf dieser Erde erscheinen wird und alle Rechte bekommt, die ihm zustehen.

„Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes und zu dem Ausharren des Christus!“ (2. Thes 3,5).

Friedemann Werkshage

Abhängigkeit im Leben Jesu (93)

Fr, 05/11/2018 - 00:01

Bibelstellen: Mt 12,28

Der Stärkere

„Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Mt 12,28).

Der Sohn Gottes kam in diese Welt, um die Werke des Teufels zu vernichten (vgl. 1. Joh 3,8). Doch wie sollte das praktisch geschehen? Zunächst einmal musste Er Satan, den Starken, binden, um Menschen von der Gewalt der Finsternis befreien zu können. Bis zu diesem Augenblick war die alte Schlange immer Sieger gegenüber den Menschen gewesen. Jedes Mal, wenn er versuchte, einen Menschen zu verführen, versagte dieser und unterlag dem Fürst dieser Welt.

In der Wüste versuchte der Widersacher, den Sohn Gottes davon abzubringen, Gott in Abhängigkeit zu dienen. Doch damit hatte er bei Ihm keinen Erfolg. Ihm waren im Blick auf Christus von Anfang an die Hände gebunden. Der Starke stand plötzlich einem Stärkeren gegenüber, dem er unterlegen war. Jetzt musste er jetzt hilflos zusehen, wie der Sohn Gottes in seinen Machtbereich eindrang und ihm seine Beute entriss (vgl. Mt 12,29).

Es ist interessant, dass das erste Wunder des Herrn Jesus im Lukas-Evangelium darin besteht, dass Er einen Dämon austreibt (vgl. Lk 4,35). In welcher Kraft tut Er das? Er hätte die bösen Geister ohne Probleme in seiner eigenen göttlichen Kraft austreiben können. Aber genau das tut Er nicht! Stattdessen sagt Er den Pharisäern: „Wenn ich aber durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Mt 12,28).

Wie oft geschah das! Denken wir an den Garderener, der von einer Legion Dämonen besessen war, oder an den Jungen, der von dem Dämon ins Feuer geworfen wurde. Auch die sieben Dämonen, welche von Maria Magdalene Besitzt ergriffen hatten, mussten der Kraft des Geistes weichen.

Seine Feinde unterstellten Ihm, Er würde die Dämonen durch Beelzebub, den Fürst der Dämonen, austreiben. Was für eine zum Himmel schreiende Beleidigung! Indem sie das vollkommene, offensichtliche Wirken des Geistes im Leben Jesu einer satanischen Macht zuschrieben, lästerten sie gegen den Heiligen Geist – und gingen für ewig verloren (Mk 3,22.28–30).

Die Begebenheit in der Wüste ist eine eindrückliche Demonstration davon, dass der, der in uns ist, größer ist als der, der in der Welt ist (vgl. 1. Joh 4,4). Die Dämonen sind auch in unseren Tagen noch aktiv. Wir haben es heute besonders mit ihren Lehren zu tun (vgl. 1. Tim 4,1). Die Weltbeherrscher dieser Finsternis verkleiden sich oft als Engel des Lichts und benutzen bspw. scheinbares Zungenreden und „Wunderheilungen“, um das Wirken des Heiligen Geistes zu imitieren und dadurch die Gläubigen zu verführen (vgl. 2. Kor 11,13–15).

Bist du dir bewusst, dass auch heute noch die Kraft des Geistes die Ketten von gebundenen Menschen sprengen kann? Überwindest du die Lust dieser Welt, durch den Geist, der in dir wohnt?

Jan Philip Svetlik

Gideon, der tapfere Held

Do, 05/10/2018 - 00:01

Bibelstellen: Richter 6,11.12

„Und der Engel des HERRN kam und setzte sich unter die Terebinthe, die in Ophra war, das Joas, dem Abieseriter, gehörte. Und Gideon, sein Sohn, schlug eben Weizen aus in der Kelter, um ihn vor Midian in Sicherheit zu bringen. Und der Engel des Herrn erschien ihm und sprach zu ihm: Der Herr ist mit dir, du tapferer Held!“ (Richter 6,11.12).

Unbemerkt setzte sich der Engel des Herrn – eine alttestamentliche Bezeichnung für den Herrn selbst – unter die Terebinthe, die in Ophra war, und beobachtete Gideon, den Sohn des Joas, wie er in der Kelter Weizen ausschlug, um ihn vor den Feinden in Sicherheit zu bringen. Was der Herr bei Gideon beobachten konnte, rief sein Wohlgefallen hervor. Deshalb verhieß er ihm seine Gegenwart und bezeichnete ihn als einen tapferen Helden – eine Auszeichnung, die wir ihm wahrscheinlich nicht verliehen hätten. Was war es, was die besondere Anerkennung des Herrn fand? Auf zwei Punkte möchte ich gerne hinweisen:

Gideon ging fleißig seiner Arbeit nach

Während viele Israeliten unter der Bedrückung der Midianiter seufzten und vielleicht sogar resignierten, ging Gideon fleißig seiner Arbeit nach – und das unter äußerst schwierigen Bedingungen. Anstatt sich auf einer Tenne die Hilfe des Windes zunutze zu machen, musste Gideon sich mit einer Kelter zufriedengeben, wo es ihm sicher um einiges schwerer fiel, die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch äußere Schwierigkeiten hielten ihn nicht davon ab, seine täglichen Pflichten zu tun. An dieser Stelle erschien der HERR, um Gideon in seinen Dienst zu berufen. Wie manch ein Diener vor und nach ihm wurde Gideon in den Dienst berufen, als er gerade seiner täglichen Arbeit nachging (vgl. David in Psalm 78,70.71; Mose in 2. Mose 3,1.2; Elisa in 1. Könige 19,19; Levi in Markus 2,14). Möchtest du auch die Anerkennung des Herrn finden? Dann gehe deinen täglichen Pflichten fleißig und treu nach!

Gideon schlug im Verborgenen Weizen aus

Als der Engel des Herrn kam, war Gideon gerade dabei Weizen auszuschlagen, um ihn vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen. Da er sich den Weizen nicht rauben lassen wollte, schlug er ihn im Verborgenen in einer Kelter aus. Gideon wandte Zeit und Energie auf, um für sich (und sein Haus) Nahrung zu gewinnen. Der Weizen ist ein Bild von Christus (vgl. Joh 12,24). In der Sprache des Neuen Testaments ausgedrückt, ließ Gideon sich trotz des Widerstands der Feinde nicht davon abbringen, sich persönlich von Christus zu nähren. Dafür waren ihm der Zeitaufwand und die Mühe nicht zu schade. Auch für uns gilt: Wenn wir ein siegreiches Glaubensleben führen wollen, müssen wir uns täglich (im Verborgenen) mit Christus und seinen Herrlichkeiten beschäftigen und uns von ihm nähren. Willst du auch ein tapferer Held sein? Dann nähre dich jeden Tag von Christus und seinem Wort!

Daniel Melui

Abhängigkeit im Leben Jesu (92)

Mi, 05/09/2018 - 00:01

Bibelstellen: Lukas 4,1

Gehorsam und Geistesleitung

„Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt“ (Lk 4,1).

Geistesleitung ist eng mit Gehorsam verbunden. Aber was bedeutet Gehorsam eigentlich? Gehorsam bedeutet, den Willen eines anderen zu tun. Genau deshalb kam der Sohn Gottes in diese Welt und sagte: „Ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh 6,38).

Nachdem der Herr Jesus bei seiner Taufe im Jordan seinen Gehorsam unter Beweis stellte, führte der Geist Ihn direkt danach weiter in die Wüste. Unter den Versuchungen Satans demonstrierte Er einen Gehorsam, wie er in 4000 Jahren Menschheitsgeschichte niemals gesehen worden war. 40 Tage lang gehorchte Er unter schwierigsten Umständen, während der Geist Ihn „umherführte“!

Einige Jahre später sendet Er zwei seiner Jünger aus, um den Ort zu finden, an dem Er mit ihnen das Passah essen wollte. Er fordert sie auf, dem Mann mit dem Wasserkrug zu folgen – ein Bild des Heiligen Geistes, der uns durch das Wort Gottes Wegweisung gibt. Er verlangt von ihnen, dass sie sich von diesem Mann abhängig machen und seiner Führung vertrauen. Nur weil sie „loslassen“ und dem Wort des Herrn gehorchen, erleben sie, wie er sie an den Ort führt, wo sie mit ihrem Meister Gemeinschaft haben können (Mk 14,10–12).

Im Alten Testament dauerte es mehr als 400 Jahre, bis der Mann nach dem Herzen Gottes – durch eine tiefe geistliche Übung – den Ort fand, wo Gott wohnen und angebetet werden wollte (vgl. 1. Chr 21). Gott hat auch uns keine Adresse von einem Gebäude gegeben, wo wir mit anderen Christen zusammenkommen und  Ihn anbeten sollen. Doch wir können diesen geistlichen Ort heute unter der Leitung des Geistes finden, wenn wir unsere eigenen Vorstellungen beiseitelassen und bereit sind, dem Wort Gottes bedingungslos zu gehorchen.

Gott gibt den Heiligen Geist denen, die Ihm gehorchen (vgl. Apg 5,32). Der Geist wiederum leitet diejenigen, die gehorsam sind, wenn der Herr ihnen einen Auftrag gibt. Das erlebte auch Philippu, der der Stimme des Engels gehorchte, obwohl dessen Auftrag mehr als ungewöhlich war. Der ehemalige Diakon sollte, nachdem er in Samaria das Netz des Evangeliums ausgeworfen und einen großen Fang gemacht hatte, jetzt unter der Leitung des Geistes an einen öden Ort gehen, um dort einen einzelnen Fisch an die Angel zu bekommen. Er hatte keine Vorstellung davon, was für ein Segen sein Gehorsam für Afrika bedeutete!

Bist du bereit, für Afrika zum Segen zu sein, wenn Gott dich ruft? Hast du schon mal deine persönlichen Präferenzen beiseitegetan und den Herrn aufrichtig gefragt: „Wo willst Du, dass wir zusammenkommen?“ (vgl. Mt 26,27). Für jeden von uns stellt sich heute wieder neu die Frage, die schon Rebekka im Blick auf den Knecht Abrahams gestellt wurde: „Willst du mit diesem Mann gehen?“ (1. Mose 24,58). Das bedeutet, dass du bewusst dem Geist die Führung deines Lebens anvertraust – auch wenn Er dich dann vielleicht Wege führt, die du nie für möglich gehalten hättest. Bist du dazu bereit?

Jan Philip Svetlik

Feste des HERRN (4) - Die drei Herbstfeste

Di, 05/08/2018 - 00:01

Bibelstellen: 3. Mose 23,23-44

Die drei Herbstfeste werden in 3. Mose 23,23–44 beschrieben.

Fragen

1.) Worauf könnte das Fest des Posaunenhalls (Rosch ha-Schana) in der prophetisch-bildlichen Bedeutung hinweisen? Tipp: Matthäus 24,31 und Jesaja 27,13. In diesen Stellen wird nicht das Fest erwähnt, aber das, was das Fest bedeutet.

2.) Wo wird das Fest des Posaunenhalls sonst noch in der Schrift erwähnt?

3.) Wovon spricht der große Sühnungstag oder Versöhnungstag (Jom Kippur) in der prophetisch-bildlichen Bedeutung? Tipp: Sacharja 12.

4.) Nenne ein wesentliches Merkmal (das mehrfach betont wird) des großen Sühnungstages und erkläre, warum das für einen Tag der Sühnung so wichtig ist.

5.) Wo wird der Sühnungstag in der Schrift sonst noch erwähnt?

6.) Wovon spricht das Laubhüttenfest (Sukkot) in der prophetisch-bildlichen Bedeutung und an welchen Punkten kann man das festmachen?

7.) Was sollte am ersten und achten Tag dieses Festes geschehen?

8.) Warum sollten die Israeliten in Laubhütten wohnen?

9.) Nenne die Pflanzen, die in 3. Mose 23,40 und Nehemia 8,15 in Verbindung mit dem Laubhüttenfest erwähnt werden, und denke über die symbolische Bedeutung der einzelnen Pflanzen nach.

10.) Wo wird das Laubhüttenfest in der Schrift sonst noch erwähnt?

11.) Ordne die folgenden Begriffe den sieben Jahresfesten zu: ewige Freude Israels, äußere Wiederherstellung Israels, Auferstehung Christi, innere Wiederherstellung Israels, Tod des Herrn Jesus, Zeit der Versammlung, Leben in Heiligkeit.

12.) Welche beiden Feste werden im Tausendjährigen Reich noch gefeiert und warum genau diese beiden Feste? Tipp: Siehe dazu die gottesdienstliche Ordnung für das Tausendjährige Reich in Hesekiel 40–48.

Antworten

1.) Das ganze Volk Israel wird in der Endzeit zusammengebracht werden. Das geht nicht auf einmal, wie auch die Wegführung nicht auf einmal gegangen ist. Diese Sammlung findet in einem gewissen Sinn schon heute statt (gleichwohl es in 3. Mose 23 um die Zeit nach der Entrückung geht). Wir sehen aber in den Posaunen auch, dass Gott wieder zu seinem Volk reden wird – Gott wird wieder mit seinem irdischen Volk anknüpfen.

2.) Dieses Fest wird noch an zwei anderen Stellen der Schrift erwähnt. 4. Mose 29,1–6 nennt die verschiedenen Opfer, die dabei dargebracht wurden, und Nehemia 8,2 ff.

3.) Die Juden werden sich demütigen, wenn sie erkennen, dass sie Jesus, ihren Messias, verworfen haben.

4.) Sie sollten keinerlei Dienstarbeit tun. Es ist daran zu denken, dass Menschen nichts zu ihrem Heil beitragen können und dass ein Opfer zur Sühnung der Sünden gegeben werden musste.

5.) 3. Mose 16; 3. Mose 25,8–12; 4. Mose 29,7–11; Hebräer 9/10; Hebräer 13,11.

6.) Es wird im Tausendjährigen Reich wahrhaft Ruhe, Freude, Danksagung und Segen geben.

7.) Eine heilige Versammlung sollte gehalten werden.

8.) Als Erinnerung daran, dass die Israeliten (nur) in Hütten gewohnt haben, als Gott sie aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt hat.

9.) Myrten (Bild des Friedens) und Olivenbäume (Bild des Geistes Gottes) werden in Nehemia 8 erwähnt, in 3. Mose 23 werden dagegen die Weiden (vergangene Trauer) erwähnt. Die Palmen (Bild des Sieges) und die dicht belaubten Bäume (Bild des Segens) finden wir an beiden Stellen.

10.) Außer an dieser Stelle wird das Fest noch an diesen Stellen erwähnt: 4. Mose 29,12–34; 5. Mose 16,13–15; 2. Chronika 8,13; Esra 3,4; Nehemia 8,13–18; Sacharja 14,16–19; Johannes 7,1–10,21.

11.) Passah: Tod des Herrn Jesus, Ungesäuerte Brote: Leben in Heiligkeit, Erstlingsgarbe: Auferstehung Christi, Wochenfest: Zeit der Versammlung, Posaunenhall: äußere Wiederherstellung Israels, Sühnungstag: innere Wiederherstellung Israels, Laubhüttenfest: ewige Freude Israels.

12.) In Hesekiel 45,23.25 finden wir zwei Feste: das Passah (inklusive das Fest der ungesäuerten Brote) und das Laubhüttenfest. Einmal die Erinnerung an das Opfer von Golgatha und einmal das Fest der Ruhe und der Freude.

Gerrid Setzer

Gesammelte Brocken (205)

Mo, 05/07/2018 - 00:01

Wir können nichts für Gott sein, bevor wir wissen, dass er alles für uns ist. (Nach W. Kelly)

Wer Frieden mit Gott hat, hat Krieg mit dem Feind.

Wenn die Menschen die Inspiration der Bibel leugnen, dann sollte möglichst die „Inspiration unseres Lebens“ unwiderstehlich sein.

Hände Gottes: Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Hebräer 10,31). Oder: Niemand wird sie aus meiner Hand rauben … niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben (Johannes 10,28.29). Was trifft auf dich zu?

Ein altes arabisches Sprichwort sagt: Die Menschen schlafen, während sie leben, aber wenn sie sterben, wachen sie auf. – Da ist etwas Wahres dran.

Gott erteilt keine Bewährungsstrafen, sondern er gewährt völligen Freispruch dem, der an Jesus Christus glaubt.

Auf, denn die Nacht wird kommen

So, 05/06/2018 - 00:01

Bibelstellen: 2. Könige 7,9; Hesekiel 3, 18.19; 2. Mose 4,10; Jesaja 50, 4.5; Apg 18,9; Lukas 12,11

Wir wollen uns noch einmal in Erinnerung rufen, dass es Satans erklärtes Ziel ist, dass wir schweigen – persönlich und gemeinsam. Die Wege und Mittel, wie er versucht, dieses Ziel zu erreichen, sind unterschiedlich, je nach dem, ob er im Charakter als Engel des Lichts oder als brüllender Löwe handelt. Prüfen wir uns doch im Gebet vor Gott, inwiefern das bei uns der Fall ist. Wir kommen nicht umher, dass wir hier Verantwortung haben.

Da sprachen sie einer zum anderen: Wir tun nicht recht. Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft; schweigen wir aber und warten, bis der Morgen hell wird, so wird uns Schuld treffen. Und nun kommt und lasst uns hineingehen …“ (2. Kön 7,9).

Wenn ich zum Gottlosen spreche: Du sollst gewiss sterben!, und du warnst ihn nicht und redest nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen, um ihn am Leben zu erhalten, so wird er, der Gottlose, wegen seiner Ungerechtigkeit sterben, aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern. Wenn du aber den Gottlosen warnst, und er kehrt nicht um von seiner Gottlosigkeit und von seinem gottlosen Weg, so wird er wegen seiner Ungerechtigkeit sterben; du aber hast deine Seele errettet“ (Hes 3,18.19).

Bei vollem Verantwortungsbewusstsein wollen wir auch Mut schöpfen. Es ist sicherlich gut, wenn wir uns unserer eigenen Schwachheit, Kraftlosigkeit und Unzulänglichkeit bewusst sind und das im Gebet vor Gott bringen. Aber als Ausrede dürfen wir das nicht nehmen.

„Ach, Herr, ich bin kein Mann der Rede, weder seit gestern noch seit vorgestern noch seitdem du zu deinem Knecht redest; denn ich bin schwer von Mund und schwer von Zunge!“, waren Moses Worte (2. Mo 4,10).

Doch Gottes Zusagen sind heute noch dieselben:

„Da sprach der Herr zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund gemacht? Oder wer macht stumm oder taub oder sehend oder blind? Nicht ich, der Herr? Und nun geh hin, und ich will mit deinem Mund sein und dich lehren, was du reden sollst“ (2. Mo 4,11).

„Seid nicht besorgt, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt“ (Lk 12,11).

Natürlich bedeutet das nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen und warten, dass Gott uns seine Gedanken im Schlaf schenkt. Das Bestreben des Dieners wird immer sein, seine Gemeinschaft im Gebet und Studium seines Wortes zu suchen. Auch müssen wir in einem Geist der Abhängigkeit vor Gott sein. Nehmen wir uns die Worte aus Jesaja 50,4.5 zu Herzen, die in so besonderem Maße auf unser Vorbild, den Herrn Jesus, zutreffen:

„Der Herr, HERR, hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie solche, die belehrt werden. Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöffnet, und ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen“ (Jes 50,4.5).

Zu einem Gott geweihten Leben gehört eben auch eine Gott geweihte Zunge! Aber dann dürfen wir eben auch mit dem Wirken des Heiligen Geistes rechnen, der uns Weisheit und die richtigen Worte in den Mund legen wird. Sind wir bereit, auch dahingehend Gott mehr zu vertrauen? Er möchte so gerne uns erfahren lassen, dass er treu ist und zu seinem Wort steht! Mose durfte sich sicher sein, dass der Herr mit ihm sein würde: „… weil ich mit dir sein werde“ (2. Mo 3,12). Josua und Gideon und mit ihnen unzählige Diener Gottes bekamen die gleiche Zusage:

Ich werde dich nicht versäumen und dich nicht verlassen. Sei stark und mutig! … Denn der Herr dein Gott, ist mit dir überall, wohin du gehst“ (Jos 1,5.6.9; vgl. Heb 13,5.6; Ri 6,14.16).

Lieber Bruder, liebe Schwester! Wir brauchen mehr von denen, die mit brennenden und ungeteiltem Herzen aktiv vor der Welt Zeugnis ablegen von der wunderbaren Botschaft, die Gott uns gegeben hat. Wie lange wohl noch haben wir dazu Zeit? Bist du dabei? So gilt denn mehr denn je:

Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! Denn ich bin mit dir … (Apg 18,9)

Friedemann Werkshage

Abhängigkeit im Leben Jesu (91)

Sa, 05/05/2018 - 00:01

Bibelstellen: Lukas 4,1-2

In der Schule Gottes

„Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in der Wüste vierzig Tage umhergeführt und wurde von dem Teufel versucht“ (Lk 4,1.2).

Woher wusste der Sohn Gottes, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt war, um ausgerechnet in die Wüste zu gehen? Die Taufe im Jordan war doch sozusagen der Startschuss für seinen öffentlichen Dienst gewesen. Hatte der Vater Ihn nicht grade öffentlich vor den Menschen bestätigt? Wäre es da nicht naheliegend gewesen, sofort öffentlich das Evangelium des Reiches zu predigen? Doch anstatt menschlicher Logik zu folgen, folgte der Herr Jesus der Leitung des Geistes – und der führte Ihn zunächst einmal in die Wüste, wo Er unter den Versuchungen Satans leiden sollte.

Jakob war allein mit Gott, als er den Namen „Kämpfer Gottes“ empfing. Joseph verbrachte zwei Jahre im Gefängnis, bevor er öffentlich für viele zum Segen wurde. Gott benutzte Mose dazu, das Volk Israel aus Ägypten zu führen, nachdem Er ihn vorher vierzig Jahre im Land Midian für diese Aufgabe zubereitet hatte. David musste zuerst wie ein Rebhuhn auf den Bergen gejagt werden, bevor er seine öffentliche Herrschaft über Israel antrat. Elia verbrachte eine längere Zeit am Bach Krith und bei einer armen Witwe, ehe er es auf dem Karmel alleine mutig mit 850 böse Propheten aufnahm. Paulus wurde kurz nach seiner Berufung vom Herrn für ca. zwei Jahre nach Arabien gesandt, und Johannes befand sich in der Verbannung auf Patmos, als er die Zukunft der Welt zu Papier brachte. Diese Männer wurden alle in der Abgeschiedenheit von Gott geformt und für gewaltige Aufgaben vorbereitet.

Gottes Unterricht ist ganz anders als das, was die Welt uns beibringt. Mose war in der ganzen Weisheit der Ägypter unterrichtet worden und Paul hatte zu den Füßen Gamaliels gelernt. Doch in der Schule Gottes – in vielen dunklen Stunden – lernten diese Männer das, was sie lernen mussten, um treue Diener Gottes zu sein. Der Sohn Gottes sagte seinen Jüngern: „Was ich euch sage in der Finsternis, redet in dem Licht, und was ihr hört ins Ohr, verkündet auf den Dächern“ (Mt 10,27).

Versuchungen und Prüfungen sollen in uns das bewirken, was ein Sturm mit einer Eiche macht: Sie lassen uns tiefer in der Liebe Gottes und dem Sohn Gottes gewurzelt sein (vgl. Eph 3,17; Kol 2,7). Wie die Farbe auf dem Porzellan nur durch große Hitzeeinwirkung dauerhafte Festigkeit bekommt, so lernen wir Geduld und Ausharren für unser Glaubensleben oft nur durch Leiden, in denen wir Gott erleben und besser kennenlernen (vgl. Röm 5,3).

Tust du immer nur Dinge, die logisch sind, oder gibst du dem Geist auch die Freiheit, dich „ungewöhnlich“ zu leiten? Bist du bereit, dich von Gott in der Abgeschiedenheit formen und zubereiten zu lassen? Wie gehst du mit „Stürmen“ um, die dir begegnen, und was bewirken sie in deinem geistlichen Leben?

Jan Philip Svetlik

Ein verdorbenes Zeugnis!?

Fr, 05/04/2018 - 00:01

Bibelstellen: Apg 4,32.34; 1. Joh 3,17;

Abschließend sei das Augenmerk noch auf ein weiteres Ergebnis des Wirkens des Heiligen Geistes in den Gläubigen damals gelegt. Lesen wir, was Gottes Wort selbst dazu sagt:

Die Menge derer aber, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein Eigen wäre, sondern sie hatten alles gemeinsam. … Denn es war auch keiner unter ihnen bedürftig, denn so viele Besitzer von Feldern oder Häusern waren, verkauften [sie] und brachten den Erlös des Verkauften und legten [ihn] zu den Füßen der Apostel nieder; es wurde aber jedem ausgeteilt, so wie einer irgend Bedarf hatte“ (Apg 4,32.34).

Das war es, was die Gnade Gottes in der Kraft des Heiligen Geistes in den Christen damals noch hervorrief. Von Materialismus keine Spur. Dafür umso mehr von einer geistgewirkten Liebe zu Gott und Mensch. Eine Liebe, die trotz Drohungen gehorsam blieb und sich zu den Mitchristen sogar so weit äußerte, dass man Hab und Gut verkaufte, um es den anderen geben zu können. Was für eine Selbstaufgabe! Was für ein Zeugnis! Hier war eine Schar von Christen, die das, was in der Welt alles bedeutet, Wohlstand und Reichtum, freiwillig aufgaben.

Wer aber irgend irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“ (1. Joh 3,17).

Ja, in ihnen war die Liebe Gottes!

Wie würden die Menschen um uns heute wohl reagieren, wenn sie sehen, dass die Dinge dieser Erde eine absolut untergeordnete Rolle spielen? Wenn sie sieht, dass unser Lebenssinn sich nicht um zeitliche und sichtbare Dinge dreht, sondern um ewige und geistliche? Mit anderen Worten: Wenn sie sieht, dass wir ein Leben im Licht der Ewigkeit leben? William Kelly schreibt im Zusammenhang mit dem „ungerechten Verwalter“ (Lk 16) dazu: „Was ist es, was das Zeugnis der Jünger heute so verdirbt? Dass Gläubige hauptsächlich für den gegenwärtigen Moment leben! So ein Wandel ruiniert nicht bloß den Sünder als solchen, sondern auch den Jünger, weil er nur für sich selbst und die Umstände seines Lebens lebt. Es ist unmöglich, so den Herrn zu verherrlichen.“

Was würden die Menschen wohl sagen, wenn sie nicht nur sähen, wie unser Leben auf die Zukunft, auf die Ewigkeit, ausgerichtet ist, sondern hier und jetzt in der Gegenwart wir ein unerschütterliches Vertrauen auf den Unsichtbaren besitzen? Was würden sie sagen, wenn sie sähen, dass unser Vertrauen und unser Festhalten an Gottes Versprechen sich als wahr erwiesen? Müssten sie sich nicht unweigerlich fragen, ob unser Gott nicht tatsächlich Realität ist?

Friedemann Werkshage

Jesus ist das wert

Do, 05/03/2018 - 00:01

Bibelstellen: Gal 2,20; Apostelgeschichte 5

Ich muss zugeben, dass mir das freie Bekennen des Herrn vor den Menschen oft schwerfällt. Da, wo der Herr innerlich bewegt war, als er die Volksmengen sah, ist bei mir oft Furcht – Menschenfurcht. Das Resultat? Ich schweige, wo ich hätte reden sollen. Was hilft? Der Blick nach Golgatha zum gekreuzigten Schmerzensmann:

Herr, Dein Erlösungswerk hienieden
Füllt voll Bewunderung mein Herz.
Anbetend suchen meine Blicke
Dein heil’ges Haupt, gebeugt im Schmerz.

Nach Golgatha hin, muss ich schauen,
Wo Du am blut’gen Kreuzesstamm,
Für mich gelitten und gestorben,
Als makelloses Opferlamm.

Kein Aug’ voll Mitleid war zu finden,
Kein Herz nahm teil an Deinem Leid.
Nur Schande, Spott, Verachtung, trafen
Dich dort, o Herr der Herrlichkeit.

So hat der Mensch geoffenbaret,
Sein sündig, schuldbelad’nes Herz;
Doch Deine göttlich freie Gnade
Ging diesen Weg, trotz Kreuz und Schmerz.

Vertraut mit all den schweren Leiden,
Gingst Du, o Schmerzensmann den Pfad.
Im Tod Dich im Gehorsam beugend
Nach Deines Gott und Vaters Rat.

Es war die Liebe des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat (Gal 2,20), die diese Leiden vonseiten der Menschen auf sich nahm. Und doch stand das Schlimmste noch dem Heiland bevor:

Die tiefsten Tiefen aller Leiden
Erreichen Deine Seele dort.
Ja, Wogen gleich, die überfluten,
Sind Tod und Sünd’ an jenem Ort.

Tag unergründlich tiefen Schmerzes.
O Tag, voll tiefstem Leid und Not,
Da Du, Herr, wardst von Gott verlassen
Und gingst für Sünder in den Tod.

(Aus: Geistliche Gesänge, John Nelson Darby)

Gott sei Dank, er trank den bitteren Kelch gefüllt mit Gottes Zornwein über die Sünde bis zur Neige. Kein Tropfen bleibt für mich übrig. Die Frage der Sünde ist ein für alle Mal geklärt. Daran müssen und werden und können wir kein Teil haben. In gewissem Maße können wir aber Gemeinschaft mit Ihm haben (vgl. Phil 3,10), wenn es um Leiden vonseiten der Menschen geht. Möge der Herr uns auch die Freude der Gemeinschaft schenken. In Apostelgeschichte 5 sehen wir, wie die Apostel erneut vor dem Synedrium stehen. Der Ton ist jetzt schon deutlich rauer. Hatte man ihnen nicht streng geboten, nicht in diesem Namen zu lehren (Apg 5,28)? Doch die Jünger blieben gehorsam und man beratschlagte, sie umzubringen. So weit sollte es an dieser Stelle noch nicht kommen. Stattdessen bedroht man sie erneut und schlägt sie (Apg 5,40). Und die Jünger?

Sie nun gingen vom Synedrium weg, voll Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden; und jeden Tag, im Tempel und in den Häusern, hörten sie nicht auf, zu lehren und Jesus als den Christus zu verkündigen“ (Apg 5,41.42).

Merk-würdige Christen! Interessanterweise finden wir das auch heute noch bei vielen verfolgten Christen. Sie sehen es als die „Schuld des Kreuzes“ an. Immer wieder vergleichen sie ihr Leiden mit dem, was der Herr Jesus für sie getan hat. Und wenn Christus so vor ihren Augen gemalt wird, dann empfinden sie Freude in ihren Herzen. Diese Schau zu dem Kreuz bringt sie auch immer wieder dazu, trotz allen Widerstands, aller Verfolgung, Schmerzen und Todesängste zu urteilen: „Jesus ist das wert!“

Friedemann Werkshage

Gideon und die Schmeichelei

Mi, 05/02/2018 - 00:01

Bibelstellen: Richter 8,18-35

Gideon war ein Mann des Glaubens. Er ließ sich von den Feinden nicht einschüchtern und schlug Weizen aus, er riss den Baal im Haus seines Vaters um, er kämpfte mit nur dreihundert Mann gegen die Feinde, er ließ sich durch den Neid nicht irritieren, er gab der Müdigkeit nicht nach, er ließ sich nicht durch mangelnde Unterstützung vom rechten Kurs abbringen – aber wenn es um Schmeichelei geht, dann sehen wir, dass er doch anfällig ist. So bekommt seine weiße Weste am Ende seiner Geschichte einen Fleck.

Als er die beiden Stadtkönige Sebach und Zalmunna zur Rede stellte, wen sie denn in Tabor erschlagen haben, da antworteten sie, dass es Männer waren wie er – wie Königssöhne. Gideon, der Landwirt, wird als Königssohn bezeichnet! Und wie reagiert er darauf? Er macht die Strafe davon abhängig, dass es seine Brüder sind, und er will sich die Hände nicht schmutzig machen: Sein Sohn soll die Könige erschlagen. Doch der getraut sich – als echter Sohn von Gideon – das nicht. Dann macht es Gideon selbst und tut etwas, was man bei keinem Richter sonst findet: Er nimmt den Schmuck der Kamele der feindliche Könige ab und steckt sie sich wie eine Trophäe ein.

Dann kommen die Männer von Israel und wollen ihn, weil er das Volk aus der Hand der Midianiter gerettet hat, zum Herrscher machen – mit Thronnachfolge seiner Söhne (was es bei den Richtern sonst nicht gab). Gideon lehnt ab und verweist zu Recht auf die Herrschaft Gottes (die Königsherrschaft sollte erst später kommen, mit David). Aber er versäumt, etwas sehr Wichtiges klarzustellen: Nicht er hat gerettet, sondern es war der Sieg Gottes. Gideon wusste, dass Gott hier besonderen Wert darauf legt (vgl. Ri 7,2), und doch sagte er es nicht.

Und schließlich erbittet Gideon doch etwas von den Männern: Gold von ihrer Beute. Daraus macht er dann ein Ephod (ein Priesterkleidungsstück), das er ausgerechnet in seiner Heimatstadt Ophra platziert, womit der Sieg mit seiner Person verbunden wird. Er hätte statt des Ephods lieber auf seinem Altar in Ophra geopfert und wahren Priesterdienst in der Opferung ausgeübt! Dieses Ephod wird zu einer Art Talisman im Volk und führt zur geistlichen Hurerei des Volkes, die einen Wallfahrtsort gefunden haben, aber in ihrem Herzen nicht mit Gott verbunden sind und sich darum bald dem Baalskult hingeben.

Gideon mag auch durch Frauen geschmeichelt werden, jedenfalls mehrt er sich die Frauen sehr und wird sicherlich auch auf seine 70 Söhne mächtig stolz gewesen sein. Einem Sohn gibt er den bemerkenswerten Namen: Abimelech, das heißt: „Mein Vater ist König“. Das alles zeigt, dass wir am Ende des Lebens von Gideon doch eine gewisse Abwärtsentwicklung sehen. Er wurde nicht durch die Schwierigkeiten zu Fall gebracht, sondern durch die Annehmlichkeiten. Möge uns das zur Warnung sein!

Gerrid Setzer

Bitte um Freimütigkeit

Di, 05/01/2018 - 00:01

Bibelstellen: Apostelgeschichte 4; Hebräer 13,8; Jakobus 1,17

Noch einmal bedroht, kehren Petrus und Johannes zu ihren Mitchristen zurück. Wie würden sie jetzt reagieren? Resigniert aufgeben? In Deckung gegen? Doch nachdem sie berichtet hatten, was geschehen war, treten sie gemeinsam vor Gott im Gebet. Und um was beten sie? Um Rache? Vergeltung? Gericht? Schutz für sich?

Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort zu reden mit aller Freimütigkeit“ (Apg 4,29).

Ja, die Drohungen waren nicht an ihnen vorübergegangen. Sie waren vollkommen realistisch. Hier wurde auch nichts schöngeredet. Aber ihre Gottesfurcht war größer als ihre Menschenfurcht! Sie bringen die Drohungen vor Gott und beten dann, dass da nichts sei, was sie zurückhält, dem Befehl gehorsam zu sein, den sie von ihrem Herrn erhalten hatten. Mochte Satan ihnen drohen, sie würden kühn, mutig und frei heraus seinem Gebot gehorsam bleiben, in dem Bewusstsein, dass Gott für sie ist. Interessanterweise lesen wir eben nichts davon, dass sie um Schutz bitten. War ihnen das egal? Selbstverständlich? Es scheint, dass es ihnen nicht darauf ankam. Gehorsam zu sein, das war die Devise!

Gott erhört in seiner Gnade dieses Gebet auf eindrückliche Weise. Er tat es damals; er tut es auch heute noch, wenn wir ihn bitten. Sicherlich werden die ersten Tage der Christenheit, was die Zeichen und Wunder angeht, nicht wieder zurückkehren. Aber lasst uns keinen Augenblick daran zweifeln, dass Gott immer noch derselbe ist (Heb 13,8; Jak 1,17) und dass der Heilige Geist auch heute noch in gleicher Weise in uns wirken möchte, indem er uns Freimütigkeit schenkt, das Wort Gottes zu reden, und Kraft in unsere Worte legt.

Gottes Wort fordert uns auf:

Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit“ (2. Tim 4,2).

Wir wollen dabei beachten, dass die Situation der verfolgten Christen eine andere ist als die unsrige. Das bedeutet: Die Art und Weise des Predigens des Wortes Gottes wird bei ihnen eine andere sein als bei uns. Sie fürchten sich nicht, trotz aller Drohungen, und reden und schweigen nicht – durch Mittel und Wege, die ihnen zur Verfügung stehen. Schauen wir auf unsere Situation in unseren westlichen Ländern, so ist es eindeutig, dass wir eine unvergleichliche Freiheit besitzen. Wir stehen ja sogar unter dem Schutz des Grundgesetzes und können uns auf Artikel berufen, die uns das Recht geben, frei unsere Religion auszuüben und frei unsere „Meinung“ kundzutun. Daher wollen wir auch die Worte eines Christen, der aufgrund seines Glaubens verfolgt, verhaftet und gefoltert wurde, ganz besonders heute zu Herzen nehmen: „Gib nie in der Freiheit das auf, was wir in der schlimmsten Verfolgung nicht aufgegeben haben!“

Friedemann Werkshage

Mission impossible

Mo, 04/30/2018 - 00:01

Bibelstellen: Richter 7,1-22

Gideon hat unter der Leitung des Geistes Gottes aus einigen Stämmen Israels 32.000 Soldaten zusammentrommeln können. Die Armee der Midianiter, Amalektiker und Söhne des Ostens beziffert sich auf 135.000 Mann.

Das ist eine sehr schwierige Situation. Der Herr Jesus hat selbst gesagt, dass man bei einem Verhältnis von 2:1 (zugunsten des Feindes) schon ernsthaft überlegen sollte, ob nicht Friedensverhandlungen angebracht wären (Lk 14,31). Hier aber ist das Verhältnis 4:1.

Doch Gott gestattete den Kampf noch nicht, weil es noch zu viele Israeliten sind! Gott würde einen Sieg auf besondere Weise schenken, und damit sich das Volk Gottes nicht selbst rühmt, muss ihr Heer dezimiert werden.

Es sollen nun die Ängstlichen (die nicht auf Gott blickten, wie es der ängstliche Gideon tat) das Heer von Gideon verlassen. Dies geschah in Übereinstimmung mit 5. Mose 20,8, wo aber von einem Mann die Rede ist – hier wenden sich 22.000 Männer ab! Jetzt ist das Verhältnis 13,5:1.

Nachdem die Schwachherzigen aussortiert wurden, werden nun die Halbherzigen aussortiert. Dazu wird das Volk an das Wasser herabgeführt. Diejenigen, die mit der Zunge wie ein Hund lecken, sind fest entschlossen, den Kampf zu führen, und wollen keine Zeit verlieren. Diejenigen, die sich auf die Knie begeben, sind in ihrem Herzen nicht so entschlossen, das natürliche Bedürfnis rangiert höher – und darum werden sie nach Hause geschickt. Das sind aber 9700 Mann. Es bleiben also nur 300 bei Gideon. Damit ist das Verhältnis 450:1. Es ist endgültig Mission impossible.

Und diese 300 Mann werden nicht einmal anständig bewaffnet: Sie haben Nahrung dabei, Krüge, Fackeln und Posaunen – als würden sie zu einem großen Fest gehen. Die ganze Truppe Gideon ist so, wie wenn ein rollendes Gerstenbrot in das Heerlager hineinrollt (Ri 7,13). An sich kann es gar nichts ausrichten. Aber Gott sorgte doch für Sieg, indem er bei dem bunt zusammengestellten Heer Verwirrung hervorrief, so dass sie sich gegenseitig ausschalteten (Ri 7,22). Diese Verwirrung kam durch den Schall der Posaunen, durch das aus den Krügen hervorstrahlende Licht, die laut zerschmettert wurden.

Das erinnert uns an:

„Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als Herrn, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen [die Posaunen]. Denn der Gott, der sprach: Aus Finsternis leuchte Licht, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi [die Fackeln]. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die Überfülle der Kraft sei Gottes und nicht aus uns [die Krüge]“ (2. Kor 4,4–7).

Gott sorgt auch heute für (geistliche) Siege durch schwache Menschen, die sein Licht hervorstrahlen lassen und seine Botschaft weitersagen. Gott macht deutlich, dass der Triumpfzug des Evangeliums allein auf seiner Kraft beruht! Es ist sein Sieg, wenn Menschen sich bekehren, und ihm gebührt die Ehre.

Gerrid Setzer

Seiten